Einwurf nach dem CL-Spiel gegen Real Madrid

Das 2:2 kommt einer gefühlten Niederlage gleich

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Enttäuschung nach dem späten Ausgleich - Christoph Kramer und Stefan Lainer (Foto: imago images / Moritz Mueller)

Eine sehr achtbare Leistung gegen eine der größten Mannschaften des Kontinents und ein Resultat, das in der Gruppe der Champions League alle Optionen offen hält - die Welt müsste für Borussia Mönchengladbach nach dem Spiel gegen Real Madrid eigentlich in Ordnung sein. Doch das 2:2 kommt einer gefühlten Niederlage gleich.

Der Sieg gegen Real Madrid war für Borussia Mönchengladbach zum Greifen nah. Anders als vor einer Woche in Mailand, als man nach einem eigenen späten Treffer nur kurzzeitig am Triumph schnuppern durfte, war der Gedanke gegen Real über 87 Minuten gereift: Ja, an diesem Abend war das große Real Madrid zu schlagen und Borussia auf dem allerbesten Weg dahin. 2:0 stand es und nur noch ein paar Minuten galt es zu überstehen. Doch eben das gelang nicht und der Traum vom Sieg über die Königlichen zerplatzte gnadenlos.

Es war mal wieder einer jener Momente, die gemeinhin als ‘typisch Borussia’ bezeichnet werden. Dieses tragisch-schöne Scheitern kurz vor einem großen Triumph, das so tief in der Gladbacher DNA verwurzelt ist. Und auch wenn wohl die meisten Borussen das nackte Resultat von 2:2 vor dem Spiel als Erfolg gewertet hätten, so kommt es angesichts des Spielfilms einem Scheitern gleich, den Sieg und diese zwei Punkte noch aus der Hand gegeben zu haben.

Der komplett unnötige Anschlusstreffer war der Knackpunkt

Lässt man den Zeitpunkt der Tore von Real Madrid außen vor, so ist das Remis sicherlich ein gerechtes Resultat. Die Spanier hatten - was nicht anders zu erwarten war - deutlich mehr Ballbesitz und nahezu über die gesamte Distanz die Spielkontrolle. Es gab nur wenige Phasen, in denen die Borussen den Rhythmus bestimmen konnten. Aber die Gladbacher warfen in Bezug auf die Arbeit gegen den Ball alles rein und verteidigten bis in die Schlussminuten hinein mit bewundernswerter Leidenschaft und Bissigkeit. Und weil sie auf der anderen Seite eine schon fast gnadenlose Effektivität an den Tag legten, brachten sie Real Madrid mehr als nur an den Rand einer Niederlage.

Dass es letztlich doch nicht gereicht hat, war die Summe mehrerer Kleinigkeiten. Da war die vergebene Chance von Plea auf das 3:0, was vermutlich mehr als eine Vorentscheidung gewesen wäre. Da war die Tatsache, dass nach hinten raus die Beine immer schwerer wurden, was dem riesigen Aufwand geschuldet war, den man zuvor betreiben musste. Da war das Ungleichgewicht bei den Wechseloptionen: Madrid legte mit Modric und Hazard nochmal richtig einen nach, während es auf der anderen die frischen Kräfte Wolf und Embolo nicht schafften, für die dringend notwendige Entlastung zu sorgen und die Bälle zu sichern. Und da war dieses komplett unnötige Gegentor in der 87. Minute, das Real neues Leben einhauchte und bei den Borussen dafür sorgte, dass es in den Köpfen zu rattern begann.

Borussia braucht einiges - nur kein Kopfproblem wegen der vielen späten Gegentore

Nach dem Schlusspfiff fingen die Kameras die Blicke der Spieler ein, die ähnlich leer waren wie die Plätze im Borussia-Park. Die erste Enttäuschung saß tief, doch man muss daran arbeiten, diese schnell aus den Köpfen zu bekommen. Indem man sich vor Augen führt, dass die Ausgangsposition in der Champions League weiterhin gut ist und es gelungen ist, innerhalb einer Woche Inter Mailand und Real Madrid mehr als nur auf Augenhöhe zu begegnen. Das verdient Respekt und sollte - trotz der Tragik der Schlussminuten - das Selbstvertrauen stärken. Denn für die nächsten anspruchsvollen Aufgaben (Leipzig, Donezk, Leverkusen) braucht Borussia einiges - nur kein Kopfproblem wegen der vielen späten Gegentore zuletzt.

 


von Marc Basten

 

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