Einwurf nach dem CL-Spiel bei Schachtar Donezk

Borussia setzt sechs fette Ausrufezeichen

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Sechsmal durften die Borussen in Kiew jubeln (Foto: imago images / Vitalii Vitleo Kliuiev)

Welch ein überragender Auftritt von Borussia Mönchengladbach in Kiew gegen Schachtor Donezk. Die erste Halbzeit war nahezu perfekt und hat ganz Fußball-Europa vor Augen geführt, zu was diese Mannschaft in der Lage ist.

Als die Partie in Kiew ein paar Minuten lief, kamen Erinnerungen hoch. Anfang Februar 2020, als Covid-19 noch ganz weit weg war, spielte Borussia bei RB Leipzig. Damals zeigten die Gladbacher in der Anfangsphase ein herausragendes Pressing mit vielen Ballgewinnen und daraus resultierenden Vorstößen. Seinerzeit erzielten die Borussen zwei frühe Tore, doch es reichte aus diversen Gründen am Ende nur zu einem Punkt. Jetzt in Kiew war die Herangehensweise ganz ähnlich wie im Februar in Leipzig - und die Umsetzung war nahezu perfekt.

Die Borussen ließen Schachtar keine Luft zum Atmen und keinen Raum für Kombinationen. Passwege wurden blitzschnell zugestellt und die Bälle so zügig eingesammelt, dass die Ukrainer kaum über die Mittellinie kamen. Und sobald die Gladbacher in Ballbesitz waren, wurde der direkte Weg nach vorne gesucht. Das war teilweise atemberaubend, mit welcher Selbstverständlichkeit die Borussen ihr Spiel aufzogen. Und sie schafften es, anders als im Februar in Leipzig, die ganze Sache bis zum Pausenpfiff soweit zu ›deckeln‹, dass für Schachtar nichts mehr zu holen war.

Das 6:0 spiegelt schon sehr realistisch die Kräfteverhältnisse an diesem Abend wider

Es war eine großartige Darbietung mit einer nahezu perfekten ersten Halbzeit der Fohlenelf. Natürlich muss auch die Rolle des Gegners hinterfragt werden, der seinen Anteil an dem extrem einseitigen Spiel hatte. Es sah ziemlich danach aus, als ob die Ukrainer auf dem komplett falschen Fuß erwischt wurden. Die Vermutung liegt nahe, dass man bei Schachtar die Gladbacher unterschätzt und nicht damit gerechnet hat, dass die Borussen derart mutig loslegen würden. Doch bis Donezk den Ball mal über mehrere Stationen beruhigen und kontrollieren konnte, waren bereits zwanzig Minuten vergangen und Gladbach führte mit 2:0.

Dass die Borussen im weiteren Verlauf die Konzentration hochhalten und zu keiner Zeit auch nur den leisesten Verdacht der Schludrigkeit aufkommen ließen, muss lobend erwähnt werden. Das drückt sich auch im deutlichen Resultat aus, wobei das 6:0 keinesfalls zu hoch ausgefallen ist. Es spiegelt schon sehr realistisch die Kräfteverhältnisse an diesem Abend wider.

Das ist zur Halbzeit der Gruppenphase ein bemerkenswerter Zwischenstand

Gleichwohl darf niemand so blauäugig sein und annehmen, dass damit das Rückspiel am vierten Spieltag eine reine Formsache wird und Borussia schon mal für das Überwintern in der Königsklasse planen kann. Auch wenn es in Kiew nicht so ausgesehen hat, so ist Schachtar kein Kanonenfutter. Sie sind gegen Borussia einmal richtig böse unter die Räder gekommen, aber die Mannschaft verfügt immer noch über so viel Qualität, dass ihr das nicht zwangsläufig ein weiteres Mal passieren wird.

Für den Moment bleibt festzuhalten, dass Borussia sechs fette Ausrufezeichen gesetzt hat und als Tabellenführer der Gruppe B aufhorchen lässt. Das ist zur Halbzeit der Gruppenphase ein bemerkenswerter Zwischenstand und eine tolle Ausgangsposition. Doch es sind noch drei Spiele zu spielen und die werden nicht weniger herausfordernd, als die ersten drei. Und spätestens seit diesem historischen Abend in Kiew ist klar, dass Borussia Mönchengladbach künftig von niemandem mehr unterschätzt wird.

 


von Marc Basten

 

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