Einwurf vor dem Derby

Kein Fußballspiel wie jedes andere

von Einwurf vor dem Derby

Am Samstag Derby-Jubel von Denis Zakaria und Breel Embolo? (Foto: Christof Kasper-Bartke / Bongarts / Getty Images)

Das Spiel in Köln steht an und für Borussia Mönchengladbach ist es - mal wieder - ein Derby mit Signalwirkung. Beim letzten Versuch wurde es in Müngersdorf ein echter Rohrkrepierer. Das darf sich am Samstag nicht wiederholen.

Im Januar 2018 war die Welt am Rhein geordnet. Borussia Mönchengladbach hatte unter Trainer Dieter Hecking eine respektable Vorrunde gespielt und die Mannschaft trat zum Rückrundenauftakt mit breiter Brust die kurze Fahrt nach Müngersdorf an. Hecking hatte zuvor verkündet, dass man in der zweiten Halbserie angreifen und keine Punkte verschenken wolle. Selbstvertrauen strahlten die Borussen - und ihre Anhänger - aus, zumal der FC eine desaströse Hinrunde gespielt hatte und eigentlich nur noch auf den endgültigen Knockout wartete.

Abgestiegen sind die Kölner am Ende der Saison, doch an diesem Samstag lachten sie über Gladbacher, die wie die geprügelten Hunde vom Platz schlichen. In der 5. Minute der Nachspielzeit erzielte Terodde den 2:1-Siegtreffer, wobei die Niederlage für die Borussen zu einhundert Prozent hausgemacht war. Viel zu zaghaft und zurückhaltend agierten die Gladbacher gegen einen verunsicherten Gegner, bauten diesen auf und standen am Ende wie die Deppen da.

Damals war der emotionslose und blutleere Auftritt der Auftakt einer Rückrunde zum Vergessen. Anstatt ein Derby mit Signalwirkung wurde es ein echter Rohrkrepierer. Zwanzig Monate später kommt es nun zum nächsten Derby, von dem erneut eine Menge abhängt. Die Vorzeichen sind allerdings mit den damaligen nicht zu vergleichen. Beim FC sind sie (noch) nicht verzweifelt und bei Borussia ist man in einer Umbruchphase und auf dem Weg, den eigenen Fußball neu zu definieren.

Die Abkehr vom Verwaltungsfußball, den Borussia 2018 im Derby so schmerzhaft fehlinterpretierte, wird am Samstag zumindest eins garantieren: Die Gladbacher werden das Derby auch emotional annehmen und mit aller Macht dagegenhalten. Damit wäre dann der erste Schritt gemacht. Natürlich wird für einen Triumph mehr benötigt, als sich nur mit offenem Visier ins Getümmel zu stürzen. Es wird auch darum gehen, die eigene fußballerische Klasse im richtigen Moment auszuspielen.

Es wird ein Balanceakt, der angesichts einer ähnlichen Spielphilosophie auf Kölner Seite sehr interessant zu werden verspricht. Für die Borussen ist es aber mehr als nur ein weiterer Härtetest für den ›Rose-Stil‹. Es ist kein Fußballspiel wie jedes andere, sondern die Möglichkeit, sehr früh in der Saison viel Rückenwind zu erhalten, der Trainer und Mannschaft durch die anstrengenden nächsten Wochen tragen könnte. Das Derby dürfte - wieder einmal - Signalwirkung haben.

 


von Marc Basten

 

Copyright © 2019 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG