Der 31. Bundesligaspieltag

Ein kurioser Spieltag der vergebenen Chancen

von Der 31. Bundesligaspieltag

Dortmunder Tränen nach der folgenschweren Derby-Pleite gegen Schalke (Foto: Martin Rose / Bongarts / Getty Images)

Der 31. Spieltag hatte einige Überraschungen parat. Im Keller wird plötzlich gepunktet, die Titelkandidaten straucheln und irgendwie will keiner wirklich als viertes Team in die Champions League.

Wochenlang wunderte sich ganz Fußballdeutschland über das jämmerliche Schneckenrennen im Tabellenkeller. Die letzten drei Teams punkteten derart wenig, dass immer neue Minusrekorde aufgestellt wurden. Doch an diesem Wochenende war plötzlich alles anders: Schlusslicht Hannover gewann daheim gegen Mainz mit 1:0, ein paar Stunden später erkämpfte sich der 16. Stuttgart mit gleichem Resultat einen verdienten Heimdreier gegen indisponierte Gladbacher. Der Vorletzte Nürnberg holte am Sonntag einen mehr als respektablen Punkt gegen den Tabellenführer aus München, war aber dennoch der große Verlierer im Abstiegskampf, weil man zwei Punkte auf den Relegationsplatz verlor.

Das Spiel in Nürnberg war hochdramatisch, weil der Club die Bayern an den Rand der Niederlage brachte. Doch Nürnberg verschoss in der Schlussphase einmal mehr einen Elfmeter, während die Bayern mal wieder den berühmt-berüchtigten Dusel ausleben durften. Wobei das nicht so ganz stimmt, denn Coman machte in der 93. Minute den Plea, als er alleine aufs Nürnberger Tor zulief und den Matchball vergab. Es war schon erstaunlich, dass die Bayern die Vorlage zur Vorentscheidung im Meisterkampf nicht nutzten, die ihnen die Dortmunder am Vortag auf dem Silbertablett servierten.

Ein Elfmeter, der erneut die ganze Absurdität der aktuell praktizierten Auslegung der Handspielregel deutlich machte

Das Ruhrpottderby dürfte in den Saisonrückblicken wieder einen Ehrenplatz erhalten. Nicht, weil da sonderlich guter Fußball geboten wurde. Klammert man das herausragende Führungstor der Dortmunder durch Götze nach der genialen Vorarbeit von Sancho sowie den feinen Freistoßtreffer von Caligiuri aus, war es eher eine biedere Veranstaltung. Dennoch war die Geschichte des Spiels denkwürdig. Dortmund kassierte nach der Führung den Ausgleich durch einen Handelfmeter, der erneut die ganze Absurdität der aktuell praktizierten Auslegung der Handspielregel deutlich machte. Danach traf Schalke nach einer Ecke und dann erwies Marco Reus seiner Mannschaft einen Bärendienst.

Schon zu Beginn der zweiten Halbzeit wirkte der Kapitän fahrig, ließ sich zu Schubsereien und frustbedingten Scharmützeln hinreißen. Und dann trat er Serdar übermotiviert und derart ungeschickt von hinten in die Beine, dass der Schiedsrichter gar keine andere Wahl hatte, als Reus vom Platz zu stellen. Aus dem daraus resultierenden Freistoß machte Caligiuri das 1:3 und kurz darauf leistete sich Dortmunds Wolf ein noch dämlicheres Foul an Serdar als Reus zuvor, was berechtigterweise die zweite Rote Karte zur Folge hatte. Schalke gewann letztlich mit 4:2 und verdarb Dortmund damit vermeintlich die Meisterschaft. Die Jubelarien in Blau-Weiß waren allerdings in ihrer Ausgelassenheit schon wieder peinlich - nach solch einer Trümmersaison sollte ein Zufallserfolg mit Anstand zelebriert werden, auch wenn der Triumph noch so süß schmeckt. Derweil erklärte Lucien Favre das Titelrennen nach dem Spiel für erledigt, wofür er nicht nur von Seiten der Dortmunder Klubführung Widerspruch erntete. Dass Favre wieder den Dr. Kimble macht und auf der Flucht ist, soll aber nur ein Gerücht sein.

Niemand verdient sich Platz 4 - Wolfsburg taucht im Gladbacher Rückspiegel auf

Da die Bayern die Chance auf eine Vorentscheidung am Sonntag vergeben haben, ist Dortmund theoretisch noch im Rennen. Am nächsten Spieltag hat Bayern den Tabellenletzten Hannover zu Gast, während Dortmund nach Bremen muss. Möglicherweise wird dann die Vorentscheidung fallen. Wobei Werder sich am Wochenende auch nicht mit Ruhm bekleckerte. Das so unglücklich verlorene DFB-Pokalhalbfinale gegen die Bayern unter der Woche hatte sichtbar Körner gekostet. Mit schweren Beinen und noch schwereren Köpfen ging Werder bei Fortuna Düsseldorf mit 1:4 baden. Bremen rutschte damit auf Platz 9 zurück - vier Zähler beträgt der Rückstand auf Platz 7.

Im Rennen um die europäischen Plätze kristallisiert sich heraus, dass sich niemand ernsthaft für den vierten Champions-League-Platz qualifizieren will. In Frankfurt laufen sie seit Wochen auf dem Zahnfleisch und retteten im Heimspiel gegen Berlin so gerade ein torloses Remis, was dennoch reichte, um den Vorsprung auf Platz 5 auf drei Punkte auszubauen. Gladbach verschluderte in Stuttgart ein weiteres Endspiel und dürfte in dieser Verfassung in der Königsklasse genauso nur Kanonenfutter sein, wie Hoffenheim. Die hatten zuletzt zwar einen bemerkenswerten Zwischenspurt hingelegt, gingen am Sonntag aber daheim mit 1:4 gegen Wolfsburg unter. Mit 50 Punkten haben die Kraichgauer weiter einen weniger als Gladbach und Leverkusen.

Nächste Wochen spielen die Teams zwischen Platz 4 und 7 gegeneinander

Leverkusen hatte zuletzt einiges liegengelassen, berappelt sich aber offensichtlich wieder. Am Freitagabend in Augsburg zeigte Bayer durchaus eindrucksvoll, wie man einen Pflichtsieg für Europa einfährt. Das 4:1 spricht für sich. Bayer trifft am nächsten Wochenende auf Frankfurt und kann mit den Hessen gleichziehen. Gleiches gilt für die Borussia gegen den direkten Konkurrenten Hoffenheim - auch wenn es angesichts der aktuellen Verfassung von Gladbach kaum möglich erscheint. Jedenfalls ist Spannung garantiert, weil die Teams zwischen Platz 4 und 7 gegeneinander spielen.

Aus Gladbacher Sicht ist allerdings der Blick in den Rückspiegel dringend notwendig. Dort taucht der VfL Wolfsburg nach dem Dreier in Hoffenheim auf. Die Wölfe rangieren auf Platz acht, haben aber nur zwei Zähler weniger als die Fohlenelf und das einfachere Restprogramm. Die Gefahr, dass Borussia nicht nur auf Platz 7 abrutscht und damit drei Quali-Runden im Sommer überstehen muss, sondern sogar noch ganz aus den internationalen Rängen purzelt, ist größer denn je. Derweil kann sich RB Leipzig zurücklehnen und sich aufs Pokalfinale fokussieren. Mit dem mühevollen 2:1-Erfolg über Freiburg machte RB die Champions-League-Teilnahme frühzeitig perfekt. Dass die Sachsen vor ein paar Wochen noch hinter Gladbach standen, darf man sich in diesem Zusammenhang noch mal vergegenwärtigen.

 


von Marc Basten

 

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