Nachdreher aus Leipzig

Der harte Boden der Tatsachen

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Action im Strafraum der Borussia (Foto: Stuart Franklin - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach verliert das Auftaktmatch in die Bundesligasaison in Leipzig klar mit 0:3. Die Partie brachte einige Parallelen zur Vorsaison zutage und wurde zu einem harten Euphoriedämpfer. Aber es gab auch einige wenige Ansätze, die Hoffnung machen.

ls das Spiel in Leipzig abgepfiffen wurde, herrschte aus Gladbacher Sicht vor allem Ernüchterung vor. Auch wenn diese Niederlage alles andere als eine Überraschung war, so hatte man sich insgeheim doch der leicht irrationalen Vorstellung hingegeben, dass die Gelegenheit günstig sei, zum ersten Mal bei RB zu gewinnen. Doch der Funke Euphorie, der sich in der Vorbereitung gebildet hatte, wich an diesem Nachmittag ziemlich schnell der Erkenntnis, dass der Neuanfang bei Borussia alles andere als ein Selbstläufer werden wird. Man ist auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet.

Guter Start, dann der Bruch

Dabei kamen die Borussen mehr als ordentlich ins Spiel. Die ersten zwanzig Minuten befeuerten die Fantasie, dass sich tatsächlich grundlegende Dinge in der Herangehensweise verändert haben könnten. Eine Führung, die beim Pfostenschuss von Bolin und der anschließenden überragenden Rettungstat des Leipziger Keepers verhindert wurde, wäre absolut verdient gewesen. Stattdessen fingen sich die Borussen fünf Minuten später das 0:1 und das Spiel nahm seinen erwarteten Verlauf.

Borussia verlor zusehends den Zugriff auf Ball und Gegner und die vermeintlich mutige Ausrichtung wurde zum Bumerang. Hack und Bolin kamen mit der Defensivarbeit nicht hinterher, die Außenverteidiger Hashioka und Ullrich wurden immer öfter überlaufen und das defensive Mittelfeld mit Sander und Stöger entpuppte sich als die erwartete Achillesferse. So waren die Innenverteidiger Itakura und Diks immer öfter bei Rettungseinsätzen gefordert und nicht immer fanden sie das richtige Timing beim Herausrücken. RB hätte bereits im Verlauf der ersten Halbzeit für klare Verhältnisse sorgen können.

Die Achillesferse im Mittelfeld

Doch vor allem nach der Pause fehlte es den Gladbachern an der notwendigen Galligkeit, um sich wirklich ernsthaft zu wehren. Es wurde überdeutlich, dass das defensive Konstrukt nicht hält, wenn mit Kleindienst, Bolin, Mohya, Hack und Stöger fünf offensiv denkende Spieler auf dem Platz stehen, Sander allein überfordert ist und Ullrich als Linksverteidiger kaum einen kompromisslosen Zweikampf führt. Nach vorne ging trotz der nominell offensiv aufgestellten Mannschaft nichts mehr und wenn dann noch individuelle Aussetzer passieren, hat RB mit seiner Qualität leichtes Spiel.

Dass es Stöger und Sander waren, die jeweils ein Tor verschuldeten, passt ins Bild. Das zentrale defensive Mittelfeld ist und bleibt Borussias größte Schwachstelle – besonders gegen Mannschaften aus der Kategorie RB Leipzig. Gleichwohl wäre es unangebracht, nach einem Spiel schon alles komplett niederzumachen. Dass ein solcher Umbruch Zeit benötigt, ist logisch. Und bei allen Parallelen zur Vorsaison, die sich zu Beginn der zweiten Halbzeit auftaten, dürfen die positiven Ansätze nicht gänzlich unter den Teppich gekehrt werden.

Lichtblicke trotz der Klatsche

Zu nennen ist der erfrischend mutige Auftritt von Mohya, und auch Bolin zeigte einmal mehr, dass er eine Waffe sein kann. Die Innenverteidigung mit Diks und Itakura repräsentiert trotz der drei Gegentore gehobenes Bundesliganiveau und Nicolas hielt erneut so herausragend, dass eine Nominierung für die Nationalmannschaft mehr als überfällig ist. Auch die Schlussviertelstunde in Leipzig sollte nicht unerwähnt bleiben.

Der Effekt des Viererwechsels von Polanski wurde durch das unmittelbar darauffolgende 0:3 torpediert, aber es war eine klare Steigerung auszumachen. Leipzig zog sich zwar mit der komfortablen Führung im Rücken zurück, aber die Borussen waren nun auch deutlich schärfer in den Zweikämpfen und erzwangen nicht nur Ballgewinne, sondern kreierten auch Chancen. Und ganz besonders stach das Bundesligadebüt von Mathieu Nguefack ins Auge: Was der 18-Jährige zeigte, war herausragend. Passsicherheit und -schärfe, das Gespür für Räume und Laufwege sowie Dynamik und Tempo (35,6 km/h!) – eine Augenweide. Nicht nur im unmittelbaren Vergleich mit Stöger gilt: Nguefack gehört zwingend in die Startelf. Es bleibt zu hoffen, dass auch Eugen Polanski das erkennt.

 


von Marc Basten

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