Einzelkritik: Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 0:0

Ein abschlussschwacher Gegner und ein starker Moriz Nicolas

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Endstation Nicolas - kein Vorbeikommen für den HSV an Borussias Nummer 1 (Foto: Selim Sudheimer - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach holte in Hamburg einen Punkt, den die Fohlen hauptsächlich der Hamburger Abschlussschwäche und der starken Leistung von Torwart Moritz Nicolas zu verdanken haben. Die Feldspieler trugen alle ein mehr oder minder großes Päckchen mit sich herum. Die Einzelkritik:

Moritz Nicolas: Nach fünf Gegentoren am Mittwoch behielt er in Hamburg die weiße Weste. Dazu trug er einiges bei, auch wenn keine Sensationsparaden notwendig waren, um die teilweise sehr schwachen Abschlüsse der Hamburger zu unterbinden. Den Schuss von Königsdörffer wehrte er zur Seite ab, den freien Schuss von Capaldo hielt er ebenso sicher wie einen Distanzschuss von Remberg. Auch im weiteren Verlauf der Partie war der 28-Jährige aufmerksam und löste alle Pflichtaufgaben mit schon fast stoischer Ruhe. Die Statistik weist zwölf Paraden aus und damit war Nicolas verdientermaßen ‚Man of the Match‘. Note 2,0. 

Philipp Sander: Startete etwas überraschend wieder in der Rolle des rechten Innenverteidigers der Abwehrkette, obwohl Takai eigentlich bereit war. Die rechte Seite entpuppte sich schnell als die Achillesferse bei Borussia und Sander war einige Male nicht zur Stelle, als die überforderten Scally und Honorat seine Unterstützung benötigt hätten. Am Ball machte er keine großen Fehler, konnte aber im Spielaufbau auch keine nennenswerten Akzente setzen. Nach der Pause war er etwas höher platziert und half dadurch, die zuvor extrem großen Lücken im defensiven Mittelfeld zu schließen. Note 4,0.

Nico Elvedi: Präsentierte sich nach dem ganz schwachen Spiel vom Mittwoch in deutlich stabilerer Verfassung. Der Schweizer leistete sich keine Aussetzer und war in den meisten Situationen auf der Höhe des Geschehens. Dass die Hamburger so oft und so einfach im Gladbacher Strafraum auftauchen konnten, lag nicht an Elvedi. Der 29-Jährige löste seine Aufgaben weitestgehend ordentlich. Im Spielaufbau beließ er es – bis auf eine Situation, in der er einen Konter einleitete – bei Sicherheitspässen. Gerade gegen einen hoch anlaufenden Gegner würde man sich von Elvedi im Aufbau auch andere Lösungen wünschen. Note 3,5. 

Kevin Diks: Sah direkt bei der ersten Hamburger Chance nicht gut aus, als er sich bei einem langen Ball auf Königsdörffer verschätzte. Auch bei der Großchance von Capado kam er nicht richtig in den Zweikampf. Danach stabilisierte sich der 29-Jährige und war sowohl in den Zweikämpfen als auch in den Laufduellen präsent. Nach der Pause verteidigte er in einer Situation sehr stark nach vorn, verschluderte jedoch die Kontersituation mit einem Pass ins Seitenaus – auch weil Neuhaus nicht mitmachte. Er sah Gelb, nachdem er Viera unglücklich in die Hacken gelaufen war. In der Schlussphase hatte er die beste Gladbacher Torchance mit einem Kopfball, der knapp übers Tor strich. Bei dieser Aktion krachten Diks und Vuskovic mit den Köpfen zusammen und Diks musste benommen ausgewechselt werden. Note 4,0. 

Joe Scally: Hatte in der ersten halben Stunde große Schwierigkeiten mit Dompé, der ihn wiederholt einfach ausspielte. Über die rechte Gladbacher Seite brannte es mehrfach lichterloh, wobei Scally hier auch die Unterstützung von Sander und Honorat fehlte. Im Verlauf der ersten Halbzeit bekam der 23-Jährige mehr Zugriff. Nach der Pause war die Formation eher eine Viererkette mit Scally als klarem Rechtsverteidiger, und Dompé kam nicht mehr wirklich zum Zuge. Scallys Aktionen mit Ball waren nicht der Rede wert. Ein Flankenversuch kurz nach der Pause endete kläglich. Note 4,5. 

Rocco Reitz: Konnte trotz hohem läuferischem Aufwand nicht verhindern, dass nach fünf Minuten die Ordnung nicht mehr passte. Wie seine Kollegen lief auch Reitz meist nur hinterher. Im Aufbau mit einigen hektischen Aktionen, die keine Aussicht auf Erfolg hatten und postwendend zu einem Ballverlust führten. Immerhin die Aggressivität im Anlaufen konnte der 23-Jährige hochhalten. Erst in den letzten zwanzig Minuten, als Borussia etwas mehr Kontrolle hatte, zeigte Reitz mit Ball zumindest einige Ansätze. Seine Freistoßhereingabe führte zu Borussias bester Torchance durch den Kopfball von Diks. Note 4,0. 

Yannick Engelhardt: Hatte von Beginn an einen schweren Stand im defensiven Mittelfeld, weil die Abstände zu groß waren und er im Bemühen, die Lücken zu stopfen, vielfach umherirrte. Engelhardt hatte sichtlich Probleme, foulte mehrfach und sah kurz vor der Pause eine berechtigte Gelbe Karte, als er im Mittelfeld in einem Zweikampf zu spät kam. Nach dem Seitenwechsel wurde es besser, weil Sander nun mehr dabei half, die Räume vor der letzten Linie zu besetzen. So wurde Engelhardt entlastet. Der 24-Jährige machte es dann weitestgehend ordentlich, konnte aber bei eigenem Ballbesitz keine Impulse setzen. Note 4,5. 

Florian Neuhaus: Rückte wieder in die Mannschaft, um die fußballerische Komponente einzubringen. Das gelang jedoch nicht, denn der 28-Jährige tauchte phasenweise völlig ab. Bei vorwärtsgerichteten Aktionen jenseits der Mittellinie fehlte die Dynamik und die Versuche, aus der Tiefe des Raumes die Bälle zu verteilen, blieben – bis auf wenige Ausnahmen – Stückwerk. Seine Arbeit gegen den Ball war sehr dezent, was dazu führte, dass sich im Mittelfeld für die Hamburger mehrfach große Räume ergaben. Auch nach der Pause, als die Borussen etwas mehr Ballkontrolle hatten, blieb Neuhaus blass. Bezeichnend die Szene in der 63. Minute, als Diks antrat, dann aber einen für Neuhaus gedachten Pass ins Seitenaus spielte, weil Neuhaus nicht mitmachte. In der 69. Minute wurde er von Reyna abgelöst. Note 5,0. 

Luca Netz: Sah auf der linken Seite zu Beginn überhaupt kein Land. Er kam weder in die Defensivduelle, noch konnte er mit Ball etwas beitragen. In der ersten halben Stunde war der 22-Jährige nahezu unsichtbar. Dann schlug er eine ganz schwache Flanke, kurz darauf brachte er eine Ecke nicht mal bis zum ersten Pfosten und wenig später unterlief ihm ein grober Schnitzer bei einer Ballannahme. Nach dem Seitenwechsel wurde seine Passquote besser, doch spielerisch konnte Netz nichts hinzufügen. Erst ganz zum Schluss zeigte er offensiv ein paar Ansätze. Note 5,0. 

Franck Honorat: War überhaupt nicht im Spiel und in der ersten halben Stunde unglaublich fehlerbehaftet und fahrig. Das betraf nicht nur die Aktionen mit Ball, sondern auch die Defensivarbeit – Honorat war Scally keine Hilfe. Das Geschenk von Torunarigha, der den Ball an der Seitenlinie verlor, nahm Honorat nicht an – seine Hereingabe war ganz schwach. Genauso zehn Minuten nach dem Seitenwechsel, als er bei einer vielversprechenden Kontersituation mit zwei Anspielstationen im Strafraum dem Gegner den Ball in die Füße spielte. In der 69. Minute machte er Platz für Castrop. Note 5,0.

Haris Tabaković: Angesichts der spielerischen Armut bei Borussia war es für Tabaković kaum möglich, sich nachhaltig in Szene zu setzen. Es gab keine verwertbaren Flanken und es wurden keine gefährlichen Situationen erspielt, von denen er hätte profitieren können. Ein überhasteter Schuss aus spitzem Winkel ans Außennetz blieb die einzig nennenswerte Strafraumaktion. Als Abnehmer der aus Verzweiflung geschlagenen langen Bälle war Tabaković kein Faktor – die Hamburger Innenverteidiger hatten klar die Oberhand. Laut Statistik gewann Tabaković nur zwei seiner acht Luftduelle. Das Bemühen war dem 31-Jährigen nicht abzusprechen, aber er kam auch in der Phase, als es etwas mehr Kontrolle gab, nicht in Abschlussposition. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit wurde er von Machino abgelöst. Note 4,5. 

Giovanni Reyna (69. Minute für Neuhaus): Brachte etwas Belebung ins Spiel, weil er sich zeigte und Bälle forderte. Wirklich etwas initiieren konnte Reyna nicht. Ohne Note. 

Jens Castrop (69. Minute für Honorat): Sorgte mit seiner Quirligkeit und der gesunden Grundaggressivität für frischen Wind und zog auch den einen oder anderen Kollegen mit. Ohne Note. 

Kota Takai (88. Minute für Diks): Musste kurzfristig den angeschlagenen Diks ersetzen und löste diese Aufgabe quasi aus dem Stand mit einer erstaunlichen Coolness. Ohne Note. 

Shuto Machino (89. Minute für Tabaković): Durfte inklusive Nachspielzeit noch acht Minuten mitwirken, konnte sich aber nicht mehr behaupten. Ohne Note. 


von Redaktion TORfabrik.de

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