Einzelkritik: 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:1)

Trotz mehr Stabilität die nächste Niederlage

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Viel versucht und dennoch wieder verloren (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach präsentierte sich im Derby von der Struktur her verbessert, blieb am Ende aber erneut ohne Punkte. Die Niederlage war unnötig, aber es gibt ein paar Anzeichen dafür, dass es künftig besser werden kann. Die Einzelkritik:

Moritz Nicolas: Verlebte eine ruhige Anfangsphase und wurde zunächst kaum geprüft. Beim 0:1 berührte er den Ball noch mit der rechten Hand, konnte ihn aber nicht mehr entscheidend ablenken. Danach hielt er drei weitere Kölner Abschlüsse ohne Probleme. Im zweiten Durchgang parierte er gegen Maina, beim Siegtreffer von El Mala war er chancenlos. Zwei hohe Bälle in den Fünfmeterraum ließen den 28-Jährigen zögerlich wirken, was ohne Folgen blieb. Sein Fehlpass in der Spieleröffnung leitete dagegen einen unmittelbaren Kölner Gegenangriff ein. In der Nachspielzeit rückte Nicolas bei einer eigenen Ecke mit nach vorne – die Hereingabe verpasste er knapp. Note 3,5.

Daiki Hashioka: Er übernahm Itakuras Position als rechter Innenverteidiger der Dreierkette und hatte dort mehrfach Probleme. Das lag auch an Scally, der seine Rolle auf der rechten Seite sehr offensiv interpretierte. Hashioka musste dadurch oft ohne Unterstützung agieren. Nach einer Viertelstunde wäre es gegen El Mala fast schiefgegangen, als er dem Kölner die Innenbahn öffnete. Auch danach leistete sich der 27-Jährige immer wieder kleinere und größere Unsicherheiten, was sich in seiner Passquote von lediglich 60 Prozent widerspiegelt. Nach der Pause unterlief ihm ein katastrophaler Rückpass, der dem Gegner eine Großchance ermöglichte. Vor dem Kölner Siegtreffer wurde er eindeutig von Krauß gefoult, doch zum verständlichen Verdruss der Gladbacher griff der VAR nicht ein. Das mindert die Schuldfrage beim Gegentor, ändert aber nichts am schwachen Gesamtauftritt von Hashioka. Note 5,0.

Kevin Diks: Als Kapitän führte er die Mannschaft ins Derby und übernahm die zentrale Rolle in der Dreierkette. Er dirigierte seine Nebenleute lautstark, gestenreich und fing mehrfach Bälle gut ab. Das Stellungsspiel stimmte über weite Strecken. In der Spieleröffnung wirkte der 30-Jährige sehr sicher und kam auf eine Passquote von 98 Prozent. Auch als Antreiber trat er auf. In der Schlussphase schaltete er sich mehrfach mit nach vorne ein und sorgte so für zusätzlichen Druck. Trotz der Niederlage eine ordentliche Vorstellung des indonesischen Nationalspielers. Note 3,0.

Jan Leszczynski: Der 19-Jährige spielte links in der Dreierkette und sammelte in seinem ersten Derby wertvolle Erfahrungen. In den direkten Duellen überzeugte er mit großer Griffigkeit. Gegen den abgezockten Bülter zahlte er allerdings Lehrgeld. Früh holte er sich eine Gelbe Karte, und zwar in der Situation, aus der der Freistoß zum Kölner Führungstreffer resultierte. In der Folgezeit musste man in mehreren hart geführten Zweikämpfen befürchten, dass er sich einen Platzverweis einhandelt. Erstaunlich, dass er sich weder provozieren noch hinreißen ließ. Nach der Pause rettete Leszczynski gleich zweimal herausragend: Zunächst klärte er einen Kopfball auf der Linie, dann bügelte er den Fehlpass von Hashioka in letzter Instanz gegen El Mala aus. In der Schlussphase wurde er bei einem Konter noch von El Mala überlaufen, ehe er in der 80. Minute von Chiarodia abgelöst wurde. Auf diese Leistung kann der junge Pole dennoch aufbauen. Note 3,5.

Joe Scally: Er legte die Rolle auf der rechten Außenbahn sehr offensiv an und war über weite Strecken Borussias auffälligster Akteur in der gegnerischen Hälfte. Mit viel Energie und Vehemenz drängte er nach vorne, holte Freistöße heraus und beschäftigte die Kölner mit seinen Antritten. Folgerichtig stand der 23-Jährige bei seinem zweiten Saisontreffer richtig, als er den Ball aus kurzer Distanz per Kopf über die Linie bugsierte. Der Preis für den Offensivdrang des US-Amerikaners: Hinten rechts taten sich Räume auf, die Köln mehrfach bespielen konnte. Im zweiten Durchgang wurden seine Aktionen zusehends ungenauer. Nach einem nicht geahndeten Tritt zog er sich eine Wunde im Gesicht zu. In der Folge diskutierte er mit dem Schiedsrichter und lieferte sich zudem ein Wortgefecht mit Neuhaus. Das kostete Konzentration. Nach der Einwechslung von Fleck übernahm Scally ab der 80. Minute die Position des rechten Innenverteidigers. Note 3,5.

Philipp Sander: Im defensiven Mittelfeld lieferte er eine weitgehend saubere und disziplinierte Leistung ab. Er lief die Räume fleißig zu und ging über weite Strecken mit der nötigen Zweikampfhärte in die Duelle. Sein Passspiel war ordentlich, ohne dass er das Spiel entscheidend lenkte. Mit einem zentral aufs Tor getretenen Freistoß prüfte er den Kölner Torwart erstmals. Kurz vor dem Gladbacher Ausgleich zwang er ihn mit einem strammen Schuss aufs kurze Eck ein weiteres Mal zu einer Parade. Nach der Pause konnte aber auch Sander die zunehmende Passivität nicht durchbrechen. In der Schlussphase trieb der 28-Jährige die Mannschaft zwar an, blieb damit aber letztlich erfolglos. Note 3,5.

Florian Neuhaus: Der 29-Jährige stand etwas überraschend in der Startelf und meldete sich in der Anfangsphase mit einem zu schwach geratenen Distanzschuss. Kurz darauf holte er einen Freistoß vor dem gegnerischen Strafraum heraus. Danach war von ihm deutlich weniger zu sehen. Gegen den Ball machte er es ordentlich, sein Ballgewinn ermöglichte die Fortsetzung des Angriffs zum Ausgleich durch Scally. Das harte Einsteigen gegen Skhiri an der Außenlinie war gerade noch vertretbar, obwohl der Kölner sich dabei schwer verletzte. In der Spieleröffnung und -gestaltung kam nichts Nennenswertes von Neuhaus. Bis zu seiner Auswechslung in der 68. Minute brachte er es nur auf 29 Ballkontakte, was für einen Spieler auf dieser zentralen Position deutlich zu wenig ist. Dazu leistete er sich auf Höhe der Mittellinie einen Ballverlust, der den Gegenangriff zum Kölner Siegtreffer ermöglichte. Note 4,5.

Lukas Ulrich: Auf der linken Außenbahn trat er stabiler auf als in den vergangenen Wochen. Im eigenen Strafraum klärte er zweimal konsequent, bevor daraus Gefahr entstehen konnte. Nach vorne schaltete sich Ulrich mehrfach im Sprinttempo mit ein. In der letzten Instanz wurde er in der einen oder anderen Situation jedoch kopflos. Die Leistungssteigerung des 22-Jährigen war dennoch klar erkennbar. Seine Hereingabe von links, die in der Mitte noch von einem Kölner verlängert wurde, führte zum zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer durch Scally. In der Schlussphase scheiterte Ulrich nach Vorarbeit von Mohya mit einem Flachschuss mit rechts am Kölner Keeper. Note 3,5.

Hugo Bolin: War viel unterwegs und an zahlreichen kleineren Aktionen beteiligt. Nachhaltige Akzente setzte er damit aber nicht. Seine Schussversuche wurden entweder geblockt, oder er blieb im Gewühl hängen. Dem 23-Jährigen fehlte diesmal die letzte Konsequenz im Abschluss. Am Einsatz gab es nichts auszusetzen, denn er suchte bis tief in die Nachspielzeit immer wieder den Weg nach vorne. Unter dem Strich blieb der Schwede trotzdem unter seinen Möglichkeiten. Note 4,0.

Robin Hack: Auf der halblinken Position war er sehr umtriebig und ständig anspielbar. Besonders ansprechend wirkten die Situationen, in denen sich der 28-Jährige zurückfallen ließ und anschließend mit Tempo das Mittelfeld überbrückte. Was Hack jedoch abging, war die richtige Entscheidungsfindung am und im gegnerischen Strafraum. So blieben viele gute Ansätze ohne Ertrag. Bis zu seiner Auswechslung in der 63. Minute zeigte er dennoch einen engagierten Auftritt, ohne den letzten Punch zu entwickeln. Note 3,5.

Isac Lidberg: Er ersetzte den verletzten Kleindienst in der Sturmmitte, konnte sich aber überhaupt nicht in Szene setzen. Das lag zum einen an fehlenden Anspielen, zum anderen an seiner Positionierung. Mehrfach nahm er sich bei eigenen Angriffen selbst aus dem Spiel. An Laufbereitschaft und Einsatzwillen in den Zweikämpfen war dem 28-Jährigen nichts anzulasten. Dennoch wirkte er über weite Strecken unglücklich. So auch bei seiner gut gemeinten, aber schlecht ausgeführten Kopfballabwehr genau vor die Füße von Johannesson, der mit einem Sonntagsschuss das erste Kölner Tor erzielte. In der 64. Minute machte Lidberg Platz für Machino. Note 5,0.

Shuto Machino (64. Minute für Lidberg): Bekam seine Chance in der Sturmmitte und ließ sie auf fast schon klägliche Art liegen. Zwölf Ballkontakte führten zu sechs Ballverlusten. Er bot sich selten an und stand oft im Weg, statt Räume zu öffnen. So hart es klingt, aber nach der Einwechslung von Machino spielte Borussia faktisch mit einem Mann weniger. Ohne Note.

Wael Mohya (64. Minute für Hack): Kaum war der 17-Jährige auf dem Platz, fiel der zweite Kölner Treffer. Trotz dieser undankbaren Ausgangslage ließ er sich nicht beirren und belebte das Gladbacher Spiel über die linke Seite. Auch von überhart einsteigenden Gegenspielern ließ er sich nicht den Schneid abkaufen. Dass der Schiedsrichter nicht einmal im Ansatz Anstalten machte, ihn zu schützen, war schwer nachvollziehbar. Seinen Distanzschuss in der 73. Minute parierte Schwäbe relativ einfach, hier fehlte es an Wucht. Stark war dagegen die Vorbereitung der Chance von Ulrich: Mohya ließ zwei Kölner stehen und passte von der Grundlinie zurück in den Strafraum. Ohne Note.

Zento Uno (68. Minute für Neuhaus): Kam unmittelbar nach dem erneuten Rückstand für Neuhaus ins Spiel und übernahm dessen Position im Mittelfeld. Bei seinem Bundesligadebüt hinterließ der Japaner sofort einen mehr als ordentlichen Eindruck. Er eroberte Bälle und überzeugte mit schnellem, direktem und vertikal ausgelegtem Passspiel. Uno war präsent und kam am Ende auf fast so viele Ballaktionen wie Neuhaus, obwohl er deutlich weniger Zeit auf dem Platz hatte. Mit einem Dropkick, der kurz vor der Linie von Krauß geklärt wurde, hätte der 22-Jährige fast den Ausgleich erzielt. Wenn er körperlich richtig fit ist, gehört er nach diesem ersten Einsatz in die Startelf. Ohne Note.

Fritz Fleck (80. Minute für Hashioka): Kam in der Schlussphase und feierte sein Bundesligadebüt auf der rechten Außenbahn. Der 19-Jährige hinterließ in der kurzen Zeit einen bleibenden Eindruck. Er gefiel mit Leichtigkeit, guter Technik und einer selbstverständlichen Ballbehauptung auch unter Druck. Künftig gerne mehr davon. Ohne Note.

Fabio Chiarodia (80. Minute für Leszczynski): Für den Italiener war es das Saisondebüt. Er kam immerhin noch auf 21 Ballkontakte, ohne dabei groß aufzufallen. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik.de

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