Die 1:3-Niederlage von Borussia Mönchengladbach beim Hamburger SV war eines dieser typischen Borussenspiele der letzten Monate. Wieder einmal war der Torwart der mit Abstand beste Mann. Es ist schon erstaunlich, dass die Borussia offensichtlich nur auf dieser Position über gehobenes Bundesliga-Niveau verfügt. Denn Daniel Batz, der den immer noch angeschlagenen Moritz Nicolas vertrat, machte ein überragendes Spiel und sorgte dafür, dass die Niederlage nicht noch deutlicher ausfiel.
Dass der 35-Jährige zu so vielen Rettungstaten genötigt wurde, widerlegt auch die im Nachgang der Partie getätigten Aussagen, wonach Borussia defensiv eigentlich ein ordentliches Spiel gemacht haben soll. So war es nicht, denn der HSV kam aufgrund der fehlenden Kompaktheit viel zu einfach zu großen Torchancen. Dass die Gastgeber, die in dieser Saison offensiv bislang alles andere als gut unterwegs waren, am Ende drei Tore geschossen haben, lag neben der unzureichenden Defensivarbeit auch an den beiden Sonntagsschüssen aus der Distanz, die Gladbach bis ins Mark trafen. Allerdings gilt auch hier die Einschränkung, dass diese Schüsse zwar für Batz unhaltbar waren, es aber nicht angehen kann, dass die Schützen so frei Maß nehmen konnten.
Gute Ansätze, kaum Ertrag
Auf der anderen Seite muss man hervorheben, dass die Gladbacher mit Ball durchaus einige gute Ansätze zeigten. Sie kamen dabei gegen eine ebenfalls alles andere als sattelfest wirkende Hamburger Hintermannschaft zu einer großen Anzahl an Abschlüssen, die man normalerweise in einem Auswärtsspiel nicht hat. Doch es fehlten ganz klar die Effektivität und die Klarheit im Torabschluss, sodass vieles verpuffte. Trainer Alexander Blessin bemängelte anschließend berechtigterweise, dass man im offensiven Ausspielen von Umschaltmomenten sehr unsauber gewesen sei. Obwohl die Borussen nicht kompakt genug verteidigten und im Angriff harmlos blieben, hätte dieses Spiel nicht verloren werden müssen.
Der Knackpunkt war die Gelb-Rote Karte von Ko Itakura kurz nach Wiederbeginn. Der Japaner, der überraschenderweise wieder in der Startelf stand, zeigte bereits im ersten Durchgang zahlreiche Unsicherheiten und bewegte sich nach seiner ersten Gelben Karte auf sehr dünnem Eis. Dass er sich dann zu diesem absolut dummen Foul weit außerhalb der Gefahrenzone hinreißen ließ, ist unerklärlich für einen so erfahrenen Spieler. Damit erwies er seiner Mannschaft natürlich einen Bärendienst und sorgte entscheidend dafür, dass es die nächste Niederlage setzte.
Mitschuld des Trainerteams
Eine gewisse Mitschuld muss man auch dem Trainerteam geben, weil es Itakura angesichts der Vorbelastung und der vielen Wackler nicht zur Pause ausgewechselt hat. Blessin gab anschließend zu, dass es wohl besser gewesen wäre, und musste zähneknirschend eingestehen, Itakuras Souveränität überschätzt zu haben. Hinzu kommt, dass ohnehin eine Auswechslung des Japaners nach einer Stunde geplant war. Andererseits muss man die Entscheidungsfindung des Trainers auch relativieren, denn er muss wirklich davon ausgehen können, dass ein 29-jähriger Routinier wie Itakura sich im Griff hat und nicht solch einen Anfängerfehler leistet.
Der Platzverweis war der Anfang vom Ende für die Hoffnungen der Gladbacher. Sie bemühten sich in Unterzahl zwar und hatten durch Scally auch noch die hundertprozentige Chance zum erneuten Ausgleich, waren aber spätestens nach dem zweiten Traumtor aus der Distanz endgültig geschlagen. Das Endergebnis ist für Borussia überaus ärgerlich, da der HSV alles andere als ein übermächtiger Gegner war und ohne den Platzverweis mindestens ein Punkt möglich gewesen wäre. Doch so war es ein bitterer Rückschritt, und der Mini-Aufschwung ist schon wieder dahin.
von Marc Basten

