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Kevin Diks: Aufstieg zum Abwehrchef

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Kevin Diks (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Kevin Diks brauchte ein paar Wochen Anlaufzeit, um in Gladbach anzukommen – dann entwickelte sich der Neuzugang aus Kopenhagen zum Abwehrboss mit Führungsanspruch einer wackligen Borussia.

Als Kevin Diks im vergangenen Sommer vom FC Kopenhagen an den Niederrhein wechselte, war klar, dass Borussia Mönchengladbach nicht nur einen soliden Verteidiger, sondern idealerweise auch einen mentalen Fixpunkt für die wankelmütige Defensive suchte. In seiner ersten Bundesliga-Saison benötigte der indonesische Nationalspieler zwar eine gewisse Eingewöhnungszeit, doch im Verlauf des Jahres entwickelte er sich zu genau diesem Anker – robust in den Duellen, präsent im Stellungsspiel und mit wachsendem Führungsanspruch auf und neben dem Platz.

Am zweiten Spieltag in Stuttgart gab er sein Startelfdebüt in der Bundesliga. Das war zwar ordentlich, legte aber offen, dass Timing und Passschärfe in der Bundesliga noch justiert werden mussten. Besonders schmerzhaft war der Auftritt gegen Bremen, als er auf der rechten Seite ungewohnt wacklig wirkte, einen Elfmeter verursachte und sich mit mehreren Fehlpässen einen gebrauchten Tag leistete. Spätestens nach der wilden 4:6-Niederlage gegen Frankfurt war klar, dass Diks noch Anpassungsarbeit vor sich hatte, um dem deutlich höheren Tempo und der Intensität der Liga dauerhaft standzuhalten.

Vom „Stranzl light“ zum Fixpunkt

Ab dem sechsten Spieltag änderte sich das Bild, weil Diks seinen Rhythmus fand und in die Rolle hineinschlüpfte, die man sich in Gladbach von ihm erhofft hatte. In der Einzelkritik wurde er als „Stranzl light“ bezeichnet – ein Verteidiger, der nicht spektakulär, aber unglaublich verlässlich agiert, Zweikämpfe kompromisslos führt und das Spiel vor sich sehr gut liest. Besonders in der Heimpartie gegen RB Leipzig wuchs er zum Abwehrchef heran, gewann nahezu alle wichtigen Duelle, ordnete seine Nebenleute lautstark und überzeugte mit Timing und Mut im Vorwärtsverteidigen. Seine Kopfballstärke im eigenen Strafraum wie bei Offensivstandards wurde zu einem wesentlichen Baustein der phasenweise wieder stabileren Defensive der Borussia.

Eine Besonderheit in Diks’ Premierensaison war seine Rolle als erster Elfmeterschütze – eine Aufgabe, die er sich nicht hat zuschieben lassen, sondern aktiv an sich zog. In den brisanten Duellen, unter anderem gegen Köln, trat er vom Punkt an und blieb bemerkenswert ruhig, wenn der Druck am größten war. Seinen vorläufigen Saisonhöhepunkt erlebte er am 24. Spieltag gegen Union Berlin, als er die Mannschaft nach der Pause nach vorne peitschte und in der Nachspielzeit per Strafstoß den Siegtreffer erzielte. In einer Abwehrkette, die insgesamt zu oft ins Wanken geriet, war Diks über weite Strecken der verlässlichste Faktor – einer, der voranging, wenn um ihn herum die Nerven flatterten.

Rückschläge, Pausen – und der nächste Entwicklungsschritt

Ganz ohne Rückschläge verlief die Spielzeit für den 29-Jährigen dennoch nicht, kleinere muskuläre Probleme sowie Sperren warfen ihn im Saisonendspurt zeitweise zurück. Wenn er fehlte, wurde allerdings deutlich, welche Lücke seine Präsenz – sowohl im Luftduell als auch in der Kommunikation – hinterließ. Zum Abschluss gegen Hoffenheim meldete er sich noch einmal eindrucksvoll zurück, krönte seine Vorstellung mit einem Treffer der Marke „Tor des Monats“ und untermauerte damit seinen Status als Abwehrchef und inoffizieller Lautsprecher der letzten Linie. Bei 30 Einsätzen, davon 28 mit Note, und einem Durchschnitt von 3,20 legte Diks eine mehr als ordentliche Premierensaison hin. 

Unterm Strich hat Diks die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern im Verlauf der Saison klar übertroffen: Aus dem anfangs noch etwas unsicheren Neuzugang ist ein torgefährlicher Abwehrchef geworden, der Verantwortung übernimmt und in engen Phasen vorangeht. Seine Entwicklung, die Parallelen zu früheren Abwehrleitwölfen am Niederrhein aufweist, macht ihn zu einem der wichtigsten Transfers der Saison. Für die kommende Spielzeit gilt: An einem fitten Kevin Diks führt in der Startelf kein Weg vorbei, und es wäre keine Überraschung, wenn er im Mannschaftsgefüge noch mehr Führungsaufgaben übernimmt und als einer der zentralen Taktgeber fungiert.


von Marc Basten

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