Es gibt Fußballspiele, die durch wenige Schlüsselszenen entschieden werden. So war es auch am Dienstagabend im Borussia-Park beim Pokalspiel gegen den KSC. Alexander Blessin hatte fünf Veränderungen in der Startelf vorgenommen, und über dem Stadion lag die große Frage, ob die Mannschaft den Rückenwind aus dem Stuttgart-Spiel mitnehmen würde oder ob der Coup doch nur eine Eintagsfliege war.
Bevor die Frage wirklich beantwortet werden konnte, gab es die erste Schlüsselszene des Abends. Nach einem etwas wilden Beginn folgte in der 7. Minute eine sehenswerte Kombination mit dem Führungstreffer als Abschluss. Über die Stationen Batz, Chiarodia, Batz, Sander, Scally, Bolin, Konoplia, Machino, Scally und Hack lief der Ball, bis er im Karlsruher Tor lag. »Das war einfach hervorragend herausgespielt und wir haben die Dynamik gehalten«, freute sich Blessin.
Sanders Platzverweis verändert die Statik
Die frühe Führung gab Sicherheit, und die Borussen kontrollierten das Geschehen eine knappe halbe Stunde lang. »Dann hatten wir ein paar Probleme, besonders im Zentrum, wo unsere Abstände zu groß waren«, sagte Blessin. »Final war es dann die dritte oder vierte Situation, wo es über das Zentrum geht und wir die Rote Karte kassieren.« Sander stand schlecht zum Ball und zu seinem Gegenspieler Fukuda, hielt diesen dann an der Hüfte fest und rang ihn zu Boden. Der Platzverweis nach VAR-Eingriff war zwar hart, weil Chiarodia möglicherweise noch hätte eingreifen können, aber es gibt auch Argumente, die für eine Notbremse sprechen.
»Ich glaube schon, dass wir es in unserer Staffelung mit den Sechsern und den drei Verteidigern zusammen besser lösen können«, erklärte Blessin. »Wir standen viel zu weit weg und haben einen Tick geschlafen.« Sander entschied sich für den Zugriff, um das Tor zu verhindern. »Es muss im Sekundenbruchteil eine Entscheidung getroffen werden, aber im Prinzip sage ich immer: Lass sie schießen«, sagte Blessin. »Es sind 16 Meter, wo ich nicht weiß, was danach passiert. Wir haben immer noch einen Torhüter. Deshalb gibt mir ein Spiel mit elf Mann – vielleicht auch, wenn es 1:1 steht – immer noch ein besseres Gefühl.«
Der Todesstoß in Unterzahl
Doch nach diesem zweiten Schlüsselmoment des Abends hieß es: Kein Gegentor, aber über 50 Minuten Unterzahl. Bis zur Pause hatten die Gladbacher die eine oder andere kritische Situation zu überstehen. Nach dem Seitenwechsel wurde klar auf ein 5-3-1 umgestellt, und zu einem mehr als günstigen Zeitpunkt folgte der dritte und letzte Schlüsselmoment des Abends. Der eingewechselte Ullrich antizipierte glänzend bei einem Querpass der Karlsruher, preschte gemeinsam mit Hack nach vorne und verwertete dessen gut getimtes Abspiel mit einem kompromisslosen Schuss zum 2:0 nach 49 Minuten.
»Dieses Tor war entscheidend und so etwas wie der Todesstoß«, sagte Blessin. »Man hat gemerkt, dass sich der KSC danach nicht mehr davon erholt hat.« Die Borussen überließen dem Gegner den Ball und verteidigten in Unterzahl mit viel Leidenschaft. Diese Eigenschaft war für Gladbacher Mannschaften in den vergangenen Jahren alles andere als selbstverständlich. Doch es wurde wieder gemeinschaftlich gearbeitet, einander geholfen und gepusht. Die Körpersprache der Spieler war eine komplett andere als in den ersten Saisonspielen.
Die Basics stehen, der Weg bleibt weit
»Wir haben jetzt die Basics gesetzt«, so Blessin. »Das ist eine Benchmark, und darunter können wir nichts verhandeln. Was Laufleistung und Intensität anbelangt, zeigen die letzten zwei Spiele, dass das der einzige Weg ist, wie wir bestehen können. Das geht nur über mannschaftliche Geschlossenheit, und da helfen dir natürlich solche Willenssiege wie heute.«
Stuttgart war also keine Eintagsfliege, aber der Weg für Borussia ist noch weit. »Ich will die Euphorie nicht bremsen, aber wir haben immer noch nur drei Punkte«, sagte Blessin. »Es ist wichtig, dass wir da nachlegen und Schritt für Schritt das Selbstvertrauen zurückbekommen.« Schon am Samstag gegen Paderborn gibt es die nächste Bewährungsprobe für die ›neue‹ Borussia.
von Marc Basten

