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Kevin Stöger: Kreativgeist zwischen Anspruch und Effizienz

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Kevin Stöger (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Kevin Stöger polarisierte in seiner zweiten Gladbacher Saison: Zwischen genialen Momenten und unnötiger Verspieltheit wurde der 32-Jährige im Abstiegskampf doch noch zum stabilisierenden Faktor.

Nach seinem ersten Jahr am Niederrhein sollte Kevin Stöger in seiner zweiten Saison endgültig zu dem Spielgestalter werden, der Borussias Mittelfeld Struktur und Kreativität verleiht. Früh zeigte sich, dass er über Ideen verfügt, die nicht jeder im Kader hat – ebenso aber, dass er dazu neigt, den komplizierten Weg zu suchen. 

In den ersten Wochen stand er deshalb häufig im Zentrum der Kritik: zu umständlich, zu wenig Klarheit in seinen Aktionen, zu oft verzettelt, ohne dem Spiel echten Mehrwert zu bieten. Einem Glanzpunkt am 4. Spieltag in Leverkusen (Note 2,5) folgte bereits am 5. Spieltag gegen Frankfurt ein Totalausfall, bei dem er defensiv wie offensiv keinen Zugriff fand (Note 5,0). Der verschossene Elfmeter gegen den FC Bayern passte in dieses Bild eines Kreativgeists, der sich selbst im Weg steht.

Vom Sorgenkind zum Edeljoker

Im weiteren Saisonverlauf fand sich Stöger zunehmend in der Rolle des Edeljokers wieder, in der sich Licht und Schatten abwechselten. Mal war er Motor einer Schlussoffensive, mal enttäuschte er durch unnötige Ballverluste und mangelnde Präzision. Einen Wendepunkt markierte sein Startelf-Comeback am 21. Spieltag zuhause gegen Leverkusen, als Eugen Polanski im Abstiegskampf verstärkt auf Stögers Erfahrung setzte – und dieser das Vertrauen mit einer bissigen Leistung und klugen Pässen in die Tiefe rechtfertigte. 

In der Folge übernahm er auch defensivere Aufgaben im zentralen Mittelfeld – dort zwar weiterhin kein geborener Defensivspieler, aber mit spürbarer Stabilität im Zentrum, die die Mannschaft gerade in dieser nervösen Phase dringend brauchte.

Höhepunkte im Saisonendspurt

Das letzte Saisondrittel hielt für Stöger einige Höhepunkte bereit. Herausragend war sein Freistoßtor im »Arango-Style« gegen St. Pauli, mit dem er in einem engen Spiel den Unterschied machte. Er entwickelte sich zum Dreh- und Angelpunkt im Gladbacher Zentrum, wobei er zwar gelegentlich noch zu viel Zeit für die Entscheidungsfindung benötigte, aber mit Momenten echter Klasse – etwa einem präzisen Steilpass gegen Dortmund – Wirkung erzielte.

Zum Saisonabschluss gegen Hoffenheim lieferte er eine auffällig »unstögerische« Leistung ab: ohne unnötige Pirouetten, dafür extrem präsent und schnörkellos.

Bilanz einer wechselhaften Saison

Kevin Stöger kam in fast allen Saisonphasen zum Einsatz und pendelte dabei zwischen Startelf und Bank. Bei 15 benoteten Partien und 14 weiteren Kurzeinsätzen ohne Note erreichte er seine beste Bewertung von 2,5 am 4. und 34. Spieltag, während der 5. Spieltag mit einer 5,0 sein Tiefpunkt blieb. Mit einer Durchschnittsnote von 3,63 lieferte er eine solide, aber unbeständige zweite Saison ab.

Unterm Strich musste Stöger lernen, sein Spiel zugunsten der Mannschaftseffektivität zu vereinfachen – eine Entwicklung, die gerade im Abstiegskampf Wirkung zeigte und die Rettung mit begünstigte. Die Zukunft des noch bis zum 30.06.2027 gebundenen Mittelfeldspielers bleibt trotzdem ungewiss: Angesichts der nötigen Kaderveränderungen zählt er zu den Kandidaten, die den Verein im Sommer verlassen könnten.


von Marc Basten

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