Kein Investor, keine fremden Anteile, alles aus eigener Kraft – diesen Standpunkt hat Borussia Mönchengladbach seit mehr als 20 Jahren vertreten. Doch die sportliche und wirtschaftliche Realität der Bundesliga verlangt nach neuen Gedanken – und Gladbachs neuer Finanzchef Stefan Stegemann denkt erkennbar laut nach.
Im »FohlenPodcast – Standpunkte« äußerte sich Stegemann bemerkenswert offen über alternative Finanzierungsmodelle für den Verein. Als Vorbilder nannte er gleich mehrere Klubs: »Wir sehen beim HSV, dass dort Genossenschaftsmodelle wirksam werden. Wir sehen es bei Schalke 04, dem FC St. Pauli.« Die Botschaft dahinter ist klar: Borussia könnte ähnliche Wege gehen.
Kein Ausverkauf – aber Offenheit für neue Modelle
Dabei geht es Stegemann nicht um einen bedingungslosen Ausverkauf. Ein potenzieller Investor müsse zu Borussia und den Werten des Vereins passen, betonte er. Und er stellte klar: Ohne die Mitglieder geht nichts. Ein Verkauf von Klubanteilen ist nur mit Zustimmung der Mitgliederversammlung möglich – das schließt unerwünschte Akteure aus und ist ein wichtiges Signal an die Fanszene, die solchen Themen traditionell skeptisch gegenübersteht.
Die Notwendigkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen, ist dabei keine Spekulation, sondern harte Realität. Gladbachs Bilanzen der vergangenen Jahre zeigen: Ohne signifikante Transfererlöse bleibt die finanzielle Wende schwierig. Darauf zu vertrauen, dass Borussia wie Eintracht Frankfurt in Serie Mega-Transfers realisiert und sich so dauerhaft finanziert, wäre keine zukunftsfähige Strategie. Externe Geldquellen müssen erschlossen werden – daran führt kein Weg vorbei.
Namenssponsor als erster Schritt
Ab der kommenden Saison trägt der Borussia-Park erstmals seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 einen Namenssponsor – das Stadion heißt künftig »ista-Borussia-Park«. Das ist Schritt eins. Ein Investor könnte Schritt zwei sein.
Stegemanns Aussage ist dabei bewusst ambivalent gehalten. Er schließt nichts aus, verspricht aber auch nichts: »Borussia braucht es nicht unbedingt. Aber wenn man davon träumt, sich in der Bundesliga besser zu platzieren oder europäisch spielen zu wollen, dann hilft so etwas natürlich schon.« Das ist kein Werbeprospekt für einen Investoren-Deal – aber eben auch keine Absage.
Damit reiht sich Gladbach in eine wachsende Zahl von Bundesligisten ein, die das Thema nicht mehr tabuisieren. Auch Stegemanns erklärtes Ziel, eine neue Leistungskultur im Verein zu etablieren, gehört zu diesem Umdenken – intern wie extern. Angepackt werden muss es, um Borussia Mönchengladbach fit für die Zukunft zu machen.
von Marc Basten

