Das Heimspiel gegen Union Berlin vor zwei Wochen hatte schon so etwas wie Finalcharakter, und nach dem ‚Streich-Spiel' bei den Münchener Bayern steht mit der Partie gegen den FC St. Pauli das nächste Endspiel auf dem Programm. Freitagabend, Flutlicht, und für Borussia geht es im Borussia-Park ums nackte Überleben – nicht mehr und nicht weniger.
Ein kurzer Blick auf die Tabelle reicht aus, um festzustellen, dass Borussia gegen die Hamburger unbedingt den zweiten Heimsieg in Folge benötigt. Dabei ist es zweitrangig, ob dieser Sieg mit begeisterndem Fußball oder einer eklig dreckigen Spielweise erreicht wird. In Mönchengladbach zählt im zu Ende gehenden Winter die B-Note längst nicht mehr. Der Druck auf dem Kessel ist enorm, aber mit vollen Hosen wollen die Gladbacher nicht auflaufen.
»Wir können mit Druck umgehen«
»Ich bin total positiv und freue mich auf morgen Abend«, gibt Sportchef Rouven Schröder die Marschrichtung vor. »Wir haben vernommen, dass St. Pauli den Ball so ein bisschen zu uns rüberspielt – von wegen, der Druck liegt bei Borussia. Den Ball nehmen wir gerne auf. Wir können mit Druck umgehen und brauchen ihn, um Höchstleistungen zu erzielen. Morgen soll der Bessere gewinnen – und das werden wir sein.«
Ins gleiche Horn stieß Trainer Eugen Polanski. »Wir erkennen alle die Lage und wissen, wie die tabellarische Situation ist. Druck ist immer sehr negativ behaftet. Aber am Ende stehe ich morgens auf und will der Beste sein in dem, was ich mache. Es ist eher ein positives Wollen als ein Müssen.« So wie es zuletzt gegen Union Berlin auch war. »Da haben wir das Stadion mitgenommen und am Ende verdient gewonnen. Das wollen wir im besten Fall morgen genauso machen – über eine gute Leistung, über eine gute Haltung, über Energie, aber auch über die Fans.«
Es gibt kein Trainerthema
Polanski muss gegen St. Pauli auf den gesperrten Rocco Reitz verzichten, dafür kommt Yannik Engelhardt zurück. Die Abwehrkette stellt sich derweil von selbst auf, da Kota Takai weiterhin nicht fit ist. Außer dem Japaner fehlen nur die Langzeitverletzten Hack, Kleindienst und Ngoumou. Letzterem bescheinigte Polanski zwar »echt große Schritte«, doch der Franzose werde laut Polanski noch »sehr lange brauchen«. Tim Kleindienst hat der Trainer für diese Saison noch nicht komplett abgeschrieben. »Man muss sich damit nicht auseinandersetzen, glaube ich. Grundsätzlich sind wir mit Tim im Plan und mitten im Prozess. Ich sehe täglich, wie er da ist. Er hat leuchtende Augen, ist aber auch ein bisschen genervt. Aber das hilft ihm auch, diesen Prozess so schnell voranzutreiben.«
Vor der Partie gegen St. Pauli und dem Derby am darauffolgenden Wochenende machte die Information die Runde, dass diese beiden Spiele auch für Polanski persönlich Endspiele sein könnten. Von einem Ultimatum will Rouven Schröder allerdings nichts wissen. »Da es kein Trainerthema gibt, muss ich das auch nicht zuschließen oder irgendetwas dazu sagen. Öffentlich haben wir das nie besprochen – und gleichzeitig ist es für uns inhaltlich auch kein Thema. Wir sind grundsätzlich von Eugen überzeugt, das habe ich immer betont.« Klar ist aber auch, dass in der Länderspielpause vor dem Heidenheim-Spiel etwas passieren müsste, falls die Partien gegen St. Pauli und Köln in einer Vollkatastrophe enden.
Ein Verbleib von Reitz »ist sehr, sehr unwahrscheinlich«
Es ist also in mehrerlei Hinsicht wichtig, sich auf das Heimspiel gegen St. Pauli zu fokussieren. Störenden Themen wie der Zukunft von Rocco Reitz sollte man daher nicht die Tür öffnen. Doch da RB Leipzig offensichtlich vorgeprescht ist, muss Rouven Schröder auch hier Stellung beziehen: »Rocco hat für uns einen eminent wichtigen Wert, es ist aber noch nichts entschieden. Dass Rocco im nächsten Jahr noch bei uns ist, ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Davon kann man ausgehen, weil wir uns als Verein auch orientieren und absichern müssen.«
»Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das noch ewig lang hinzieht«, so Schröder weiter. »Es ist wichtig, dass eine Entscheidung getroffen wird. Dafür stehen wir auch: transparent mit den Dingen umzugehen. Natürlich ist eine gewisse Emotionalität dabei, aber es ist kein Thema in der Mannschaft. Totale Professionalität – das gehört zum Job dazu.« Und zum Job der Spieler gehört auch, am Freitagabend im Borussia-Park alles dafür zu tun, dass Reitz im Sommer keinen Absteiger verlässt.
von Marc Basten

