Einzelkritik: RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0)

Die Extraklasse von Nicolas reicht nicht für einen Punkt

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Gladbacher Frustration in Leipzig (Foto: Maja Hitij - Getty Images)

Moritz Nicolas zeigte am Samstag in Leipzig eine herausragende Leistung und hielt seine Mannschaft lange Zeit im Spiel. Doch letztlich reichte die Extraklasse des Torwarts nicht für einen Punkt, weil vor ihm zu wenig zusammenlief. Die Einzelkritik:

Moritz Nicolas: Ganz klar „Man of the Match". Nahezu im Alleingang brachte der 28-Jährige RB zur Verzweiflung. Gleich mehrere Bälle der Kategorie „Unhaltbar" parierte er mit herausragenden Reflexen. Auch darüber hinaus machte Nicolas ein fehlerloses Spiel und empfahl sich einmal mehr für höhere Aufgaben. Beim Tor des Tages war er absolut chancenlos. Note 1,0.

Joe Scally: War von Beginn an ein Schwachpunkt auf der rechten Abwehrseite, weil er sich gleich mehrfach durch einfache Körpertäuschungen der Gegenspieler irreleiten ließ. Einsatzwillen konnte man dem 23-Jährigen nicht absprechen, aber die mangelhafte Antizipation konnte er damit nicht kompensieren. Im Aufbauspiel fehlte die Klarheit, was sich in einer Passquote von nur 66% widerspiegelt. Gelungen war lediglich die Flanke zur Kopfballchance von Castrop. Nach der Pause wurde er einige Male von Diomande düpiert, und auch beim Gegentor ging es für ihn zu schnell. Zur Ehrenrettung von Scally muss aber herausgestellt werden, dass Bewegung und Torschuss von Diomande überragend waren. Note 5,0.

Nico Elvedi: Bot eine stabile Leistung in der Viererkette, die im weiteren Verlauf der Partie immer mehr zu einer Fünferkette wurde. Elvedi klärte einige Male, blieb standhaft in den direkten Duellen und behielt auch am Ball die Ruhe. In zwei, drei Situationen baute er mit guten Vertikalpässen auf. Bemerkenswert war der feine Lupferpass auf Castrop vor dessen Großchance. Bei einigen der Leipziger Möglichkeiten war der Schweizer zwar auch nur Zuschauer, was aber nichts mit offensichtlichen Fehlern zu tun hatte. Einen solchen leistete er sich erst in der Nachspielzeit, als er – anscheinend ziemlich entkräftet – einen krassen Fehlpass in die Füße von Baumgartner spielte, was Stöger letztlich korrigieren konnte. Note 3,0.

Kevin Diks: Da RB von Anfang an viel über Borussias linke Seite kam, war Diks in mehreren kniffligen Situationen gefordert, nachdem Ullrich überlaufen worden war. Der 29-Jährige verteidigte gewohnt robust und solide und wurde einmal von Nicolas zurecht „gefeiert", als er per Kopf klärte. Mit seiner Präsenz trug Diks dazu bei, dass die Null stand. Dass er sich in der zweiten Halbzeit eine Adduktorenverletzung zuzog und in der 62. Minute ausgewechselt werden musste, war eine klare Schwächung für Borussia. Note 3,0.

Lukas Ullrich: Stand etwas überraschend in der Startelf und spielte Linksverteidiger in der Viererkette. Der 22-Jährige erlebte einen ganz bitteren Nachmittag. Schon in der ersten Situation stolperte er ohne Gegnereinwirkung über die eigenen Beine. Danach wurde er von Diomande mehrfach überlaufen und geriet ins Straucheln. Auch bei seinen Ausflügen nach vorne kam Ullrich nicht richtig in die Spur. Die Auswechslung nach 33 Minuten war hart, aber alternativlos. Bleibt zu hoffen, dass Ullrich diesen Rückschlag verarbeiten kann, nachdem es zuletzt ohnehin alles andere als gut für ihn gelaufen ist. Ohne Note.

Philipp Sander: Spielte aufgrund der Systemumstellung zunächst im defensiven Mittelfeld neben Engelhardt. Dort agierte er relativ unauffällig. Nach der Auswechslung von Ullrich rückte Sander zusehends nach hinten, sodass sich die letzte Reihe im weiteren Verlauf als Fünferkette formierte. Sander spielte solide, klärte zweimal und eroberte einige Bälle. Am Ball war er relativ passsicher, ohne eine wirklich nennenswerte Aktion zu kreieren. Probleme bekam er, wenn die Leipziger mit Tempo anliefen – aber da war Sander einer unter vielen Borussen, die den Überblick verloren. Note 4,0.

Yannick Engelhardt: Obwohl zu Beginn ein Mann mehr im Mittelfeld war, gab es einige Lücken, die Engelhardt nicht immer schließen konnte. Er war fleißig, aber in einigen Situationen fehlte die Handlungsschnelligkeit. Seine beste Szene hatte der 25-Jährige in der 25. Minute, als er bei einem Leipziger Konter nach einer Ecke den Ball ablief und klärte. Es dürfte auch die Situation gewesen sein, bei der er mit erstaunlichen 35,09 km/h „geblitzt" wurde. Damit rangiert Engelhardt aktuell auf Platz 33 der schnellsten Bundesligaspieler der Saison und ist nach Rocco Reitz (35,63 km/h) der zweitschnellste Gladbacher in dieser Saison. Da stellt sich schon die Frage, warum Engelhardt diese Schnelligkeit nicht mal öfter einbringt. In Leipzig arbeitete er solide, ohne wirkliche Akzente zu setzen. Kleinere Nachlässigkeiten blieben folgenlos. In der 76. Minute unterlief ihm ein haarsträubender Fehler im eigenen Strafraum, der ebenfalls ohne direkte Folgen blieb. Note 4,0.

Franck Honorat: War zu Beginn vollkommen unsichtbar und trat auch danach nicht nachhaltig in Erscheinung. In einer Mischung aus Lust- und Teilnahmslosigkeit lief Honorat über den Platz. Eroberte er Mitte der ersten Halbzeit nach einem eigenen Fehler den Ball noch vehement zurück, ließ er es mit zunehmender Spieldauer sichtlich schleifen. Nach der Pause, als er mit seinem Tempo mal für Entlastung hätte sorgen können, blieb der 29-Jährige auf Tauchstation. Eine etwas zu weite Flanke zur Halbchance von Tabaković war die schmale Ausbeute. Note 5,0.

Rocco Reitz: Begann an seiner künftigen Wirkungsstätte in einer offensiveren Rolle als gewohnt. Reitz war engagiert und durchaus ein belebendes Element im Gladbacher Spiel. Mit zunehmender Dauer, als Sander wieder in der Abwehrkette agierte, rückte auch Reitz eine Position zurück. Dort machte er ein vernünftiges Spiel, ohne aber spielerische Akzente setzen zu können. Im nächsten Jahr wird ihm zugutekommen, dass es dafür bei RB andere Spieler gibt. In Gladbach gibt es sie nicht, und daher blieb das Offensivspiel der Borussen nach der Pause nur ein laues Lüftchen. Die beiden Banner („Wer das hier will, darf niemals unser Kapitän sein" – „Keine Akzeptanz für Reitz") im Gästeblock waren eine Reaktion der Fans auf den bevorstehenden Wechsel, mit der er leben muss. Note 3,5.

Jens Castrop: Durfte links in offensiver Rolle starten, was sich gut anließ. Castrop war auffällig und hatte neben einem Kopfball nach Scally-Flanke die Großchance zur Gladbacher Führung. Den starken Lupferpass von Elvedi nahm Castrop gut an, bekam den Ball aber nicht ganz unter Kontrolle und scheiterte an Torwart Vandevoordt. Nach der Auswechslung von Ullrich wurde Borussias bester Offensivakteur ausgebremst, weil er nun als Linksverteidiger gefragt war. Dort sah er gegen Diomande deutlich besser aus als Ullrich. Klasse, wie Castrop in der zweiten Halbzeit im Strafraum eine Hereingabe von Diomande verhinderte – ein Musterbeispiel für unbedingten Willen in der Defensivarbeit. Note 3,0.

Haris Tabaković: Kehrte wieder in die Startelf zurück und rechtfertigte seine Nominierung hauptsächlich durch seine Kopfballstärke im eigenen Strafraum. Bei mehreren Leipziger Standards hatte Tabaković die Lufthoheit und klärte. Als Mittelstürmer wurde er nur einmal in Szene gesetzt, als er die etwas zu weite Flanke von Honorat nicht mehr aufs Tor lenken konnte. Im Getümmel nach dem Lattenschuss von Chiarodia war Tabaković ebenfalls involviert, aber hier klärte Schlager vor der Linie. Dass der 31-Jährige kein Stürmer ist, der Bälle festmacht oder im Stile eines Harry Kane Spielmacherqualitäten besitzt, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Entsprechend kam in diesen Bereichen auch nichts von Tabaković. Note 4,0.

Hugo Bolin (32. Minute für Ullrich): Hatte unmittelbar nach seiner Einwechslung die Chance zur Führung, aber sein Flachschuss von der Strafraumgrenze wurde vor der Linie geblockt. Im weiteren Verlauf war der 22-Jährige hauptsächlich damit beschäftigt, fleißig die Wege nach hinten zu machen. In den direkten Duellen wirkte er defensiv wie offensiv noch etwas „leichtgewichtig", aber sein Potenzial war ohne Zweifel erkennbar. Mit seiner Halbfeldflanke bereitete Bolin den Lattentreffer von Chiarodia vor. Note 3,5.

Fabio Chiarodia (62. Minute für Diks): Fügte sich ordentlich ein, konnte einige Male klären und wirkte aufmerksam. Doch dann folgte die Aktion, als er links in Höhe der Mittellinie klären wollte und den Ball unglücklich quer zu Baumgartner spitzelte, der wiederum Diomande auf die Reise zum Tor des Tages schickte. Pech hatte Chiarodia auch wenige Minuten später, als ihm der Ball im Strafraum vor die Füße fiel, er ihn aber nicht zum Ausgleich ins Tor, sondern an die Latte hämmerte. Ohne Note.

Wael Mohya (85. Minute für Honorat): Hatte in der Nachspielzeit noch zwei, drei Aktionen, in denen er sich nicht durchsetzen konnte. Ohne Note.

Kevin Stöger (85. Minute für Castrop): Hatte immerhin noch 12 Ballkontakte, ohne noch etwas Nennenswertes bewirken zu können. In der Nachspielzeit blockte er nach dem Elvedi-Fauxpas im eigenen Strafraum gegen Baumgartner. Ohne Note.

Shuto Machino (85. Minute für Engelhardt): Kam nur noch auf drei Ballkontakte. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik.de

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