Bei Borussia Mönchengladbach wurde vor der Saison einmal mehr der Umbruch ausgerufen. Mittlerweile acht Neuzugänge – Batz, Herold, Leopold, Konoplya, Lidberg, Uno, Leszczynski und Hashioka –, zwei neue Co-Trainer sowie weitere Veränderungen im Staff sollen diesen Umbruch tragen. »Wir haben viele neue Spieler dazu bekommen, weil wir ein Stück weit den Charakter der Mannschaft verändern wollten«, sagte Trainer Eugen Polanski am Mittwochmittag in der Presserunde am Tegernsee.
Das bedeutet neben der Implementierung eines festen Spielsystems im 4-2-3-1 vor allem einen Mentalitätswechsel. Die Zeiten, in denen sich Borussia Mönchengladbach über fußballerische Klasse definierte, sind definitiv vorbei. »Diese Spielphilosophie, dieser schöne Fußball, taktisch und technisch gut, wurde immer nach außen getragen«, so Polanski. »Wir haben aber gemerkt, dass für uns die Grundbasis einfach auch Intensität sein muss.« Auch, weil sich die Rahmenbedingungen erheblich verändert haben. »Wir können einfach nicht mehr die Transfers wie vor fünf Jahren machen mit Thuram oder Koné und einer individuellen Klasse, die sich auf jeden Fall durchsetzt.«
Vom Anspruch zur Realität
In Gladbach muss man akzeptieren, dass die Borussia mittlerweile ein gewöhnlicher Bundesligist ist, der sich im Mittelfeld der Liga behaupten muss. Polanski formuliert sein persönliches Saisonziel entsprechend defensiv: »Es ist das Minimalziel, Zwölfter zu werden, so wie es im letzten Jahr war. Mit einer anderen Art und Weise. Und das ist, glaube ich, schon das, was wahrscheinlich auch realistisch sein kann für uns als Verein, als Mannschaft. Das schließt den Weg nach oben trotzdem nicht aus.«
Auch für dieses Minimalziel ist mehr Resilienz gefragt, wie schon Polanskis Vor-Vorgänger Daniel Farke erkannt hatte. Von dieser Robustheit soll nicht mehr nur geredet werden, sondern sie muss endlich auf den Platz kommen. »Ich glaube, dass jeder Neuzugang jetzt erstmal gezeigt hat, dass wir schon gut gescoutet haben, was die Qualität angeht, aber auch vor allem diesen Charakter-Wesenszug verändert haben. Sie bringen einfach einen anderen Spirit rein«, so Polanski.
Höhere Belastung, großer Kader
Diese Veränderungen zu orchestrieren, ist die Aufgabe von Polanski und seinem neuen Trainerteam. Einfach ist das nicht, zumal bis auf Ersatztorwart Batz keiner der Neuzugänge Bundesligaerfahrung mitbringt. Die ersten Trainingswochen und Testspiele geben noch wenig Aufschluss darüber, wie weit die Mannschaft bereits ist. Klar erkennbar ist allerdings, dass die Trainingsintensität höher liegt als in den Vorjahren und verstärkt im körperlichen sowie konditionellen Bereich gearbeitet wird. Auch im Athletikbereich wolle man eine »andere Ansprache« pflegen, wie Polanski betonte. »Vielleicht einen etwas härteren Ton.«
Bislang ziehen die Spieler mit. Der aufgeblähte Kader muss in den kommenden Wochen allerdings noch deutlich ausgedünnt werden. »Wir sind jetzt gerade mit 26 Feldspielern am Kreis. Das ist zu viel, definitiv zu viel.« Auf einen Profi wird Polanski am Kreis zunächst einmal verzichten müssen: Jens Castrop verletzte sich beim abendlichen Kick gegen den FC Rottach-Egern an der Schulter und musste mit Kreislaufproblemen und starken Schmerzen an der Schulter ins Krankenhaus gebracht werden. Die Verletzung überschattete den lockeren Aufgalopp der Fohlen, die gegen den Kreisligisten mit 15:0 (7:0) gewannen und Ex-Profi Patrick Herrmann noch einen Kurzeinsatz ermöglichten.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach (HZ 1): Olschowsky – Hashioka, Meiser, Elvedi, Herold – Uno, Stöger – Mohya, Danfa, Fleck – Lidberg
Borussia Mönchengladbach (HZ 2): Sippel – Scally, Sander (67. Diks), Leopold, Ullrich – Neuhaus, Castrop (67. Bolin) – Honorat (78. Herrmann), Machino, Biber – Kleindienst
Tore: 0:1 Mohya (4.), 0:2 Lidberg (19.), 0:3 Danfa (33.), 0:4 Danfa (35.), 0:5 Mohya (37.), 0:6 Stöger (39.), 0:7 Uno (42.), 0:8 Machino (48.), 0:9 Castrop (49.), 0:10 Kleindienst (50.), 0:11 Neuhaus (53.), 0:12 Castrop (56.), 0:13 Machino (72.), 0:14 Honorat (77.), 0:15 Kleindienst (84.)
Zuschauer: 2.050
von Marc Basten

