Daniel Batz: Der 35-Jährige war in Hamburg der beste Gladbacher und hielt sein Team lange im Spiel. Nach dem Fauxpas von Scally reagierte er gegen Daka mit einem herausragenden Reflex. Beim Distanzschuss zum 0:1 streckte er sich vergebens, und gegen Adeline bewahrte er die Borussia mit einer starken Parade vor dem schnellen zweiten Gegentor. Vor der Pause parierte er mit zwei weiteren Glanztaten, beim 1:2 aus kurzer Distanz war er ebenso machtlos wie beim Traumtor von Grönbaek, der den Ball in den Winkel setzte. Nach einem Querschläger von Chiarodia in der Schlussphase war Batz noch einmal Retter in der Not. Zudem wirkte er bei hohen Bällen souverän und war als mitspielender Torwart eine verlässliche Anspielstation. Insgesamt war das eine deutliche Bewerbung für weitere Einsätze als Nummer 1. Note 2,0.
Ko Itakura: Der 29-Jährige feierte als rechter Innenverteidiger der Dreierkette sein Startelfcomeback nach der Verletzungspause und wirkte von Beginn an wenig spritzig. Beim 0:1 rückte er nur zaghaft vor und ließ Muheim unbedrängt schießen. Nach einer Ullrich-Flanke hatte er in der 19. Minute per Kopf eine gute Chance, der Ball wurde jedoch vor der Linie geklärt, wobei zuvor auch auf Foul gegen ihn entschieden worden war. Defensiv köpfte Itakura einige Bälle weg und fing das eine oder andere Anspiel an den Strafraum ab. Die Gelbe Karte bekam er, als er nach einem eigenen Abspielfehler korrigieren wollte und kurz vor der Strafraumgrenze einen Gegenspieler zu Fall brachte. Wenig später sah der Japaner ganz schlecht aus, als er auf der rechten Seite vor einer großen HSV-Chance getunnelt wurde. Trotz der Verwarnung blieb er nach der Pause auf dem Platz, leistete sich dann aber weit weg vom eigenen Tor ein dummes und für einen Routinier unentschuldbares Foul. Der Platzverweis veränderte den weiteren Spielverlauf entscheidend. Note 5,0.
Philipp Sander: Als Kapitän und zentraler Innenverteidiger der Dreierkette machte der 28-Jährige es im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich, war aber nicht der große Organisator, den die Abwehr an diesem Tag gebraucht hätte. Am Boden gewann er die meisten Zweikämpfe, in der Luft hatte er dagegen mehrfach das Nachsehen. Auch im Spielaufbau blieb er zurückhaltend: Seine Eröffnungen beschränkten sich auf Querpässe, vertikale Zuspiele in die Spitze gab es keine. Beim zweiten Gegentor bekam er gemeinsam mit Neuhaus den Passweg auf Grönbaek nicht rechtzeitig geschlossen. Vor dem dritten Gegentor wollte Sander aus dem Strafraum heraus auf Uno klären, legte den Ball aber unglücklich für den Torschützen Grönbaek auf. Nachdem er die Kapitänsbinde an Diks abgegeben hatte, rückte er nach den Wechseln in der Schlussphase ins defensive Mittelfeld vor. Note 4,0.
Fabio Chiarodia: Der 21-Jährige hatte früh die Chance, sich mit einem Distanzschuss in Szene zu setzen, vergab sie aber. In der Defensive arbeitete er dagegen ordentlich: Mehrfach rückte er aufmerksam heraus, gewann dadurch einige Bälle und klärte auch in brenzligen Situationen entschlossen. Sicher wirkte er dabei nicht durchgehend, doch er blieb seiner Linie treu und drosch den Ball im Zweifel lieber humorlos ins Seitenaus als ins Risiko zu gehen. Im Spielaufbau offenbarte der Italiener hingegen weiterhin Schwächen, denn seine Versuche, steil zu spielen, misslangen durchweg. In der Schlussphase hatte Chiarodia zudem Glück, dass Batz seinen Querschläger mit einer Rettungstat ausbügelte. Note 4,0.
Joe Scally: Der US-Amerikaner erwischte einen denkbar schlechten Start, als er eine Kopfballrückgabe genau in die Füße von Daka spielte, was nur deshalb ohne Folgen blieb, weil Batz herausragend reagierte. Nach einer Viertelstunde hatte er nach Vorarbeit von Mohya an der Strafraumgrenze freie Bahn, setzte den Schuss aber schwach und weit am Tor vorbei. Eine Minute vor der Pause belohnte er sich dennoch mit dem Ausgleich: Aus 17 Metern traf Scally den Ball nicht richtig, doch nach leichter Abfälschung von Hack trudelte er ins linke Eck. Nach dem Platzverweis agierte der 23-Jährige zunächst rechts in der Abwehrkette und rückte nach der Einwechslung von Diks wieder eine Position nach vorne. Kurz darauf bot sich ihm nach dem Führungstreffer der Hamburger die Großchance zum Ausgleich, doch aus sechs Metern schoss er Bornauw an. Note 4,0.
Zento Uno: War wie gewohnt umtriebig und machte weite Wege, blieb aber vor allem in der Spielfortsetzung in der gegnerischen Hälfte oft sehr unglücklich. Seine Entscheidungsfindung muss sich definitiv verbessern. Stark war sein Schuss von halbrechts in der 21. Minute, den Heuer Fernandes mit einer Klasseparade zur Ecke lenkte. Etwas später scheiterte Uno knapp mit seinem Flachschuss von links, der am langen Pfosten vorbeiging. Dass im defensiven Mittelfeld die Abstände mehrfach zu groß waren, kann man dem 22-Jährigen nur bedingt vorwerfen. In der 81. Minute machte er Platz für Castrop. Note 4,0.
Florian Neuhaus: Es bleibt das ungelöste Rätsel, warum Neuhaus weiterhin in der Rolle als zweiter Sechser aufgeboten wird. Bezeichnend die Situation in der 5. Minute, als er zunächst den Ball gewann und ihn dann postwendend wieder verlor. Der 29-Jährige konnte einige Ballgewinne forcieren, aber er lief auch mehrfach der Musik hinterher – so in der Entstehung der Hamburger Großchance in der 13. Minute. Für Stabilität im zentralen defensiven Mittelfeld konnte Neuhaus nicht sorgen. Das zeigte sich auch beim zweiten Gegentor, als er den Passweg zu Grönbaek nicht schließen und nicht mehr eingreifen konnte. Offensiv zeigte er ein paar Ansätze bei Vorstößen nach vorne. Ein Schuss im Anschluss an eine abgewehrte Ecke flog knapp vorbei (21.), in der Schlussphase brachte er aus sehr guter Position nur ein Schüsschen aus der Distanz zustande – auch das war an diesem Abend ein Unterschied zum HSV. Am Ende in vorgezogener Rolle hatte er noch eine gute Chance nach Lidberg-Pass, blieb aber an Heuer Fernandes hängen. Note 4,0.
Lukas Ullrich: Gab in der 8. Minute einen ersten Torschuss ab, verfehlte das Ziel aber knapp. Danach machte der 22-Jährige eine relativ unauffällige Partie. Er verteidigte zumeist seriös, und dass er den Hamburger Angriff vor dem ersten Gegentor über seine Seite nur stören, aber nicht komplett unterbinden konnte, kann man Ullrich nicht anlasten. Vorne brachte er die Flanke zur letztlich abgepfiffenen Itakura-Chance, und an der Entstehung des Ausgleichs war er mit seiner Flanke in Richtung Hack ebenfalls beteiligt. Nach der Pause in Unterzahl beschränkte sich Ullrich auf die Defensivarbeit, wo er bis auf zwei kleinere Wackler keine Probleme hatte. Bei einem Vorstoß wurde er klar gefoult, was der Schiedsrichter nicht ahndete, und fiel dabei auf die Schulter. Kurz darauf wurde Ullrich ausgewechselt und Honorat übernahm. Die schmerzhafte Diagnose folgte: Schlüsselbeinbruch und eine lange Zwangspause. Note 4,0.
Robin Hack: Startete auffällig in die Partie, als er sich an der Mittellinie gut durchsetzte und für Machino auflegte. Danach schoss er eine Fahrkarte aus der Distanz (17.), und kurz darauf probierte er es mit einem Schuss von der Strafraumgrenze, den Heuer Fernandes parieren konnte. Beim Ausgleichstor fälschte er den Ball wohl noch ganz leicht ab. Offensiv war es okay, was der 28-Jährige zeigte. Dagegen ließ seine Aufmerksamkeit im Spiel gegen den Ball mehrfach zu wünschen übrig. Der HSV überlagerte oft die rechte Gladbacher Seite, und Hack arbeitete nicht mit der notwendigen Intensität zurück. Das zeigte sich auch beim ersten Gegentor, als er zu spät realisierte, wie viel Raum Muheim vor sich hatte. Nach dem Platzverweis musste Hack bereits in der 58. Minute vom Feld, weil mit Diks ein neuer Innenverteidiger benötigt wurde. Note 4,0.
Wael Mohya: Stand natürlich nach seiner Berufung zur Nationalmannschaft im Fokus. Hier und da sah es so aus, als ob der 17-Jährige etwas befangen wirkte. Doch er bereitete mit einem schönen Dribbling eine Chance für Scally vor und konnte mehrere Eins-gegen-Eins-Situationen für sich entscheiden. Mehrfach wusste Mohya aber auch mangels Abspielmöglichkeiten nicht wohin und lief sich fest. Zehn Minuten vor dem Ende versuchte er es mit einem Schlenzer, der am Tor vorbeiflog. In der Rückwärtsbewegung war Mohya bemüht, die Räume zuzulaufen, was nicht immer gelang. An der Laufbereitschaft lag es jedenfalls nicht, denn der Youngster lief über 11 Kilometer. Note 4,0.
Shuto Machino: Hatte die erste Chance des Spiels, als er nach Vorarbeit von Hack neben das Tor schoss. Hier wäre ein Abspiel auf Mohya wohl die bessere Entscheidung gewesen. Danach war vom Japaner nicht viel zu sehen, auch wenn er im Kombinationsspiel mehrfach eingebunden war. Sein Anlaufverhalten war nicht so gut wie zuletzt, wobei dem Offensivpressing insgesamt die Intensität fehlte. In Unterzahl arbeitete Machino defensiv mit, für Entlastungskonter fehlte es ihm an Tempo und Durchsetzungsvermögen. Seine beste Aktion war das Antizipieren von Bornauws Fehlpass und die anschließende Vorbereitung von Scallys großer Ausgleichschance. In der 81. Minute übernahm Lidberg. Note 4,0.
Kevin Diks (56. Minute für Hack): Übernahm die Itakura-Position rechts in der Dreierkette. Diks brachte etwas mehr Dynamik auf den Platz, traf aber gelegentlich die falsche Entscheidung beim Herausrücken. Dennoch ist es wichtig, dass der 30-Jährige nach dieser eigenartig langen Spielpause wieder zur Verfügung steht. Ohne Note.
Jens Castrop (81. Minute für Uno): Spielte links in der Ullrich-Rolle. Ein Steilpass-Versuch geriet zu lang, und nach einem nicklig geführten Zweikampf sah Castrop Gelb. Allerdings nicht für das Foul, sondern für das anschließende Meckern. Ohne Note.
Franck Honorat (81. Minute für Ullrich): Versuchte sich bei seinem Comeback mit ein paar Antritten über rechts, die jedoch verpufften. Meistens musste er den Rückwärtsgang einlegen, um hinten auszuhelfen, was bekanntlich nicht die Kernkompetenz von Honorat ist. Ohne Note.
Isac Lidberg (81. Minute für Machino): Bereitete noch die Neuhaus-Chance vor, konnte sich darüber hinaus nicht in Szene setzen. Auffällig, dass Lidberg trotz seiner Größe in mehreren Luftduellen zweiter Sieger blieb. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

