Moritz Nicolas: Für ein Duell gegen den Tabellenzweiten wurde der 28-Jährige erstaunlich selten auf die Probe gestellt – und doch strahlte er über die gesamten 90 Minuten jene Ruhe aus, die einer Hintermannschaft Sicherheit gibt. Den einzigen wirklich gefährlichen Abschluss, einen Schuss von Inacio kurz vor der Halbzeit, entschärfte er ohne nennenswerte Mühe. Bei einem Eckball griff er entschlossen ein und faustete den Ball mit gutem Timing weg, ansonsten segelten die wenigen weiteren Versuche der Gäste am Gehäuse vorbei. Fußballerisch präsentierte sich Nicolas gewohnt souverän – seine Abschläge und langen Bälle waren mehr als ordentlich. Das zwölfte Zu-Null in dieser Saison ist ein Wert, der nicht vom Himmel fällt; Nicolas hat daran auch an einem ruhigen Abend seinen Anteil. Note 2,0.
Philipp Sander: Der 28-Jährige zeigte sich von Beginn an als verlässlicher Rückhalt rechts in der Abwehrkette – mit gesunder Härte in den Zweikämpfen, die dem Gegner deutlich spürbar war, und der notwendigen Wachsamkeit. Im Spielaufbau überzeugte er mit einem gezielten Pass auf Tabaković. Nicht ganz so überzeugend waren jene Momente, in denen er im eigenen Strafraum mit Ball am Fuß etwas zu unbekümmert agierte – das einmal zu oft kann teuer werden. Kurios auch sein Einwurfverhalten: Sander legte auffällig weite Wege zurück, um auf die andere Seite zu gelangen, nahm dort aber nur den schlichten kurzen Einwurf, den auch jeder Nebenmann problemlos hätte ausführen können. Er hatte die meisten Ballkontakte und sein Einfluss auf das Spiel war insgesamt durchaus konstruktiv – eine konzentrierte, griffige Vorstellung. Note 2,5.
Nico Elvedi: Der 29-Jährige zeigte eine der stärksten Gladbacher Einzelleistungen der laufenden Saison und ließ Dortmunds Guirassy nie zur Entfaltung kommen – nahezu jedes Infight-Duell entschied der Schweizer Innenverteidiger klar für sich. Sein Stellungsspiel war von einer Souveränität, die dem Dortmunder Angriffsspiel jede Tiefe raubte, bevor sie überhaupt entstehen konnte. Auch nach Ballgewinnen blieb Elvedi gewohnt ruhig – seine Passquote passte nahtlos ins Gesamtbild. Dass er mit einem sehenswerten Treffer fast auch noch offensiv aufgetrumpft hätte, bleibt eine Randnotiz, denn er stand knapp im Abseits. Der einzige Wermutstropfen war die fünfte Gelbe Karte für ein „Muss-Foul“ zur Kontervermeidung, die ihn nun für das nächste Spiel sperrt – an seiner überragenden Leistung änderte sie jedoch nichts. Es war klar seine beste Saisonvorstellung. Note 1,0.
Fabio Chiarodia: Dass der 20-Jährige trotz der vollständigen Fitness von Kevin Diks in der Startelf blieb, war eine Vertrauensentscheidung von Trainer Polanski – und Chiarodia rechtfertigte sie über weite Strecken. Mehrfach zeigte er Ansätze von instinktsicherer Abwehrarbeit: Er kam schnell vor seinen Mann, antizipierte früh und gewann den Ball in Situationen, in denen er in der Vorsaison noch ins Hintertreffen geraten wäre. Auch in den direkten Duellen wirkte er robuster, kompromissloser – das Pech-Etikett, das ihn bislang begleitet hat, scheint er endgültig abgelegt zu haben. Ein zu kurz geratener Pass auf Reitz blieb folgenlos, war aber ein Hinweis darauf, dass im Spielaufbau noch Luft nach oben ist. Wenn ihm gar nichts einfiel, wählte er lieber den unkomplizierten Weg ins Aus oder weit nach vorne, was pragmatisch war, aber nicht immer überzeugend. Nach etwas mehr als einer Stunde signalisierte er körperliche Probleme, sodass er nach 70 Minuten ausgewechselt wurde. Note 3,0.
Frank Honorat: Der 29-Jährige zeigte auf der rechten Schiene eine seiner stärkeren Saisonleistungen – mit jener Spritzigkeit und Direktheit, die ihn in besseren Phasen ausgezeichnet hat. Seine Körpersprache wirkte von Beginn an engagiert, was sich in konkreten Aktionen niederschlug. Mehrfach kam er im Tempo-Dribbling an den Strafraum, um eine Abschlussmöglichkeit zu suchen. Mit etwas mehr Übersicht sollte er daraus mehr machen können. Aber Honorat war an drei Großchancen beteiligt – er bereitete jeweils die erste Chance von Tabaković, die Kopfballmöglichkeit von Engelhardt sowie die Gelegenheit für Reitz vor. In der kurzen Dortmunder Drangphase nach etwa einer Stunde sorgte er mit seinen Konterläufen für Entlastung und band gegnerische Kräfte. Note 2,5.
Rocco Reitz: Von der ersten Minute an war der 23-Jährige einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz – ständig in Bewegung, immer anspielbar und mit viel Energie. Seine geschossene Hereingabe auf Tabaković war keine schlechte Idee, auch wenn sie ungenutzt blieb. Stark war ein kraftvoller Lauf mit Ball am Fuß, an dessen Ende er Honorat in Szene setzte und damit die Großchance für Tabaković einleitete. Ein Schussversuch des Kapitäns nach Vorarbeit von Bolin wurde geblockt, dann traf er nach Vorarbeit von Honorat den Ball nicht richtig und ließ damit die Chance zur Führung ungenutzt. Diese bereitete er dann jedoch mit seinem blitzschnellen herrlichen Pass auf Tabaković entscheidend vor. Reitz vereinte an diesem Abend die Rollen des Taktgebers, der Arbeitsbiene und des Motors in einer Person und sammelte die meisten Torschussvorlagen aller Feldspieler. Einen Reitz in dieser Verfassung wird man in der nächsten Saison vermissen. Note 1,5.
Yannik Engelhardt: Gegen den BVB war der 25-Jährige auf der Sechs einer der verlässlichsten Bausteine im Gladbacher Spiel. Mit viel Laufbereitschaft störte er Dortmunder Kombinationen schon im Ansatz und schnitt viele Passwege vorzeitig ab – nicht spektakulär, aber wirkungsvoll. Dass er auch mit dem Ball unter Druck die Ruhe bewahrte, fiel angesichts der Intensität des Spiels positiv auf. Zweimal fehlte nicht viel zum eigenen Treffer: Ein Kopfball nach der Honorat-Ecke flog haarscharf am Tor vorbei, im zweiten Durchgang klatschte ein schön gekurvter Schlenzer aufs Tornetz. Den wichtigsten Moment des Abends bereitete Engelhardt dann aber doch noch mit vor – nach einem beherzten Zweikampfgewinn leitete er mit dem Pass auf Reitz das Tor des Tages ein. Note 2,5.
Kevin Stöger: Der 32-Jährige war über weite Strecken tatsächlich das, was man landläufig einen Dreh- und Angelpunkt nennt – wobei er diesen Begriff gelegentlich allzu wörtlich nahm: Nicht jede seiner Drehungen im Zentrum war zwingend notwendig, und in einigen Situationen ließ er sich etwas zu viel Zeit bei der Entscheidungsfindung. Auf der anderen Seite standen Momente echter Klasse, wie der präzise Steilpass in die Tiefe, mit dem er Joe Scally mustergültig auf die Reise schickte. Auch kämpferisch war dem Österreicher wenig vorzuwerfen: Kurz vor der Pause bediente er Honorat noch im Liegen mit einem couragierten letzten Einsatz. Die Gelbe Karte für ein taktisches Foul war notwendig und kalkuliert. Nach 70 Minuten wurde er von Reyna abgelöst. Note 3,0.
Wael Mohya: Der 18-Jährige zeigte von Anfang an, dass er bereit ist, Arbeit zu investieren – bis zu seiner Auswechslung legte er die meisten Kilometer aller Gladbacher zurück, was seinen unbedingten Einsatzwillen unterstreicht. Taktisch wertvoll war sein Gespür für Räume: Mohya schuf damit Platz für Scally auf der linken Seite. Körperlich hatte er es nicht leicht – die Verteidiger kochten ihn das eine oder andere Mal in Zweikämpfen ab, ohne dass er den Faden verlor. Positiv ins Auge stach seine Bereitschaft, mutig in Luftduelle zu gehen, was er überraschend konsequent durchhielt. Der Applaus des Publikums bei seiner Auswechslung in der 65. Minute klang lauter, als die Leistung es streng betrachtet rechtfertigte. Doch für den Youngster ist die Spielpraxis unter solchen Bedingungen Gold wert. Note 3,0.
Joe Scally: Weil Castrop gesperrt fehlte, rückte der 23-Jährige auf die linke Schiene – eine ungewohnte Rolle, die er sich aber wie bei seinem Bundesligadebüt 2021 schnell zu eigen machte. Mit viel Tempo suchte Scally immer wieder den Weg nach vorne, auch mit dem Ball am Fuß und teils auf eigene Initiative, was der Offensive der Borussia vor allem in der ersten Halbzeit spürbar Schwung verlieh. Der erste Torschuss der Gladbacher ging auf sein Konto, als er aus dem Lauf das lange Eck anvisierte. Ein Versuch, Tabaković nach einem guten Antritt zu erreichen, gelang nicht. Defensiv dagegen zeigte er sich konzentriert und zweikampfstark, ohne unnötige Risiken einzugehen – eine erwachsene Gesamtleistung. Note 2,0.
Haris Tabaković: Mit einem sehenswerten Ballgewinn leitete der 31-Jährige früh einen Gladbacher Angriff ein und setzte Mohya gekonnt in Szene. In der Ballsicherung zeigte er sich verbessert und spielte sauber ab. Wenn Gladbach in der ersten Halbzeit über die linke Seite kombinierte, wählte er im Zentrum allerdings nicht immer die günstigste Einlaufposition, um sich als Abnehmer anzubieten. Nach Reitz-Vorarbeit scheiterte er aus kurzer Distanz an Kobel – angesichts der kurzen Reaktionszeit kein Vorwurf. Pech hatte Tabaković nach der Pause, als er nach Honorat-Vorlage den Ball knapp am Pfosten vorbeibugsierte. Mit einer ungenauen Ablage initiierte er ungewollt einen potenziell gefährlichen Dortmunder Konter. Sein Treffer des Tages war dann Kaltschnäuzigkeit pur – cool versenkt, mit anschließender Gelber Karte für das Trikotausziehen. Note 2,5.
Hugo Bolin (65. Minute für Mohya): Brachte neuen Schwung und Dynamik ein – stark war sein Lauf über links zur Grundlinie mit dem Zuspiel auf Reitz. Der 22-Jährige zeigte einige richtig gute Vorwärtsaktionen, mit denen er etwas initiieren wollte. Das alles nicht einfach drauflos, sondern auch den Doppelpass suchend. Ohne Note.
Kevin Diks (70. Minute für Chiarodia): Brachte mit Ruhe, Disziplin und der nötigen Konsequenz weitere Sicherheit in den Defensivverbund. Ohne Note.
Giovanni Reyna (70. Minute für Stöger): Konnte gegen seinen Ex-Klub ein wenig mit seiner Ballsicherheit punkten, hatte aber letztlich keine bemerkenswerte Aktion bei seinen 15 Ballkontakten. Ohne Note.
Shuto Machino (90.+1 für Tabaković) und Robin Hack (90.+1 für Reitz): Uhrendreher. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

