7. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach

3:2! Unfassbar, aber wahr: Borussia gewinnt in Stuttgart

Created by 7. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - TSG Hoffenheim

Joe Scally - Tor und Assist in Stuttgart (Foto: Christian Kaspar-Bartke - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach hat völlig überraschend den ersten Saisonsieg eingefahren. Am Freitagabend setzten sich die Fohlen nach frühem Rückstand und einem späten Anschlusstreffer der Stuttgarter dank der Tore von Scally, Machino und Mohya mit 3:2 durch und schöpfen wieder Hoffnung im Abstiegskampf.

Borussias Trainer Alexander Blessin musste neben den bereits bekannten neun Ausfällen kurzfristig auch auf Kevin Diks verzichten, der aus persönlichen Gründen fehlte. Gegenüber der Niederlage gegen Hoffenheim nahm der Trainer zwei Veränderungen in der Startelf vor: Für Diks und Lidberg begannen Hashioka und Machino. Josiah Kaled Uwakhonye (19) und Lion Schweers (30) ergänzten den Spieltagskader.

Die Partie begann für die Borussen so, wie man es erwarten und befürchten musste. Der VfB ergriff die Initiative, und bereits nach fünf Minuten stand es 1:0. Der aufgerückte Sander verlor ein Kopfballduell, Chiarodia und Neuhaus attackierten Pejčinović nicht energisch genug, und Demirovic zog aus knapp zwanzig Metern einfach mal ab. Nicolas war nicht optimal postiert, kam zwar noch an den Ball, lenkte ihn aber ins eigene Tor.

Auch in der Folgezeit war Stuttgart das klar bestimmende Team. Die Borussen verloren den Ball spätestens nach drei Stationen wieder, und im Defensivzweikampf blieben sie durchweg zu passiv. Der VfB hatte weitere Chancen durch Pejčinović (15.), Assignon (17.) und Hendriks (19.) und hätte frühzeitig die Weichen für einen ungefährdeten Heimsieg stellen können.

Scally holt Borussia per Hacke zurück ins Spiel

Doch allmählich berappelten sich die Borussen, und die Stuttgarter ließen es ihrerseits etwas schleifen. So gab es in der 32. Minute eine erste Halbchance für Gladbach, als Machino ein Bolin-Zuspiel nur knapp verpasste. Nach einem kurz ausgeführten Freistoß von Bolin kam der Ball über Neuhaus zu Chiarodia, dessen Direktabnahme in den Armen des Stuttgarter Keepers landete (37.). Die Borussen wirkten in dieser Phase etwas couragierter und belohnten sich: Uno eroberte den Ball, und Mohya lief über links in den Strafraum und passte zurück auf Ullrich, dessen Flanke zunächst abgewehrt wurde. Uno zog am Sechzehner direkt ab, und Scally gab dem Ball geschickt mit der rechte Hacke die entscheidende Richtungsänderung, sodass Seimen im Tor des VfB machtlos war (38.).

Der Ausgleich beflügelte die Gladbacher sichtlich, die nun gefährlicher waren und nachsetzten. Nach einer starken Balleroberung von Uno probierte es Neuhaus mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, den Seimen so gerade noch zur Ecke lenken konnte (45.+4). Wenige Augenblicke später gab es die Riesenchance für die Borussen im Anschluss an einen Ballgewinn von Sander. Bolin passte in die Mitte auf Mohya, der nach einem ersten geblockten Schussversuch nochmals abziehen konnte und den Ball an die Latte setzte. Den Rebound köpfte der überraschte Bolin aus kurzer Distanz freistehend am leeren Tor vorbei (45.+6).

Mohya bereitet vor und Machino trifft

Die Borussen hatten zwar nur 36 Prozent Ballbesitz im ersten Durchgang, hatten sich das Remis zur Pause durch die Leistungssteigerung in den letzten zwanzig Minuten jedoch redlich verdient. Im Gegensatz zu den meisten anderen Spielen in dieser Saison kamen die Gladbacher wach und mutig aus der Kabine. Und sie erwischten die Stuttgarter auf dem falschen Fuß. Mohya setzte sich links im Strafraum an der Grundlinie bei einem Dribbling frech gegen Sauer und Assignon durch und passte kurz auf Machino, der den Ball am Fünfmeterraum wuchtig in den linken Winkel knallte (51.).

Borussia hatte das Spiel gedreht, und die Fans beider Lager wähnten sich im falschen Film. Stuttgart reagierte: Mit Leweling, Undav und El Khannouss kamen frische Qualitätsspieler von der Bank. Doch die Gladbacher hielten weiter kämpferisch dagegen, und plötzlich wurde selbst ein Florian Neuhaus zu einem echten Fighter. Der VfB hatte eine brandgefährliche Situation, doch Sander konnte Demirovic kurz vor der Linie noch so behindern, dass der Angreifer den Ball nicht ins Tor bugsieren konnte (64.).

Mohya vollendet per Kopf

Auf der anderen Seite verteidigte Ullrich gut nach vorne und brachte Mohya in Position. Der zog von links in den Strafraum und schoss aufs lange Eck. Seimen griff am Ball vorbei, aber Hendriks klärte auf der Linie. Den Abpraller am langen Pfosten vermochte Scally zunächst nicht an den Stuttgartern vorbeizuspielen, aber im dritten Versuch chippte er die Kugel klasse Richtung linker Pfosten, wo Mohya sie per Kopf zum 3:1 für Borussia über die Linie drückte (66.).

Man musste es zweimal lesen: Borussia führte mit zwei Toren beim VfB Stuttgart. Doch noch war genug Zeit auf der Uhr, und die Frage war, ob die bislang so labilen Gladbacher dem zu erwartenden Druck standhalten könnten. Die Borussen warfen zumindest alles in die Waagschale, und endlich war da eine Mannschaft zu sehen, die sich wehrte und mit allen Mitteln konsequent verteidigte. Dennoch hatte der VfB genügend Qualität, den Borussen gefährlich zu werden. So lenkte Nicolas einen Freistoß von Stiller mit einer sehenswerten Flugeinlage zur Ecke (83.).

Den Sieg über die Ziellinie gebracht

Zwei Minuten später lag der Ball aber zum zweiten Mal im Gladbacher Tor. Nach einer Chipflanke von Leweling in den Strafraum setzte sich Demirovic in der Luft gegen den eingewechselten Herold und Machino durch und köpfte zum 2:3-Anschlusstreffer ein (85.). Es folgte eine heiße Schlussphase, in der Nicolas zunächst einen Schuss von El Khannouss stark zur Ecke lenkte (90.+1), dann aber am Fünfer einen Ball durch die Hände flutschen ließ und großes Glück hatte, dass die Stuttgarter nicht profitieren konnten (90.+3).

Und dann ertönte der Schlusspfiff, und aufseiten der Gladbacher gab es kein Halten mehr. Der erste Saisonsieg, mit dem nun wirklich niemand ernsthaft gerechnet hat, war geschafft. Unter dem Strich war es sogar ein verdienter Erfolg, aber das ist ohnehin nur nebensächlich. Viel wichtiger ist, mit diesem Coup den Sturz ins Bodenlose zumindest abgefedert zu haben und Hoffnung und Selbstvertrauen schöpfen zu können.

 

Kurzstatistik zum Spiel:

VfB Stuttgart: Seimen - Assignon (55. El Khannouss), Jeltsch (90. Chabot), Hendriks, Mittelstädt - Karazor (64. Prömel), Stiller, Sauer (55. Leweling), Führich - Pejcinovic (55. Undav), Demirovic

Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Hashioka, Sander, Chiarodia (76. Herold) - Scally (70. Konoplia), Uno, Neuhaus, Ullrich - Mohya (70. Hack), Bolin (85. Nguefack) - Machino (85. Schweers)

weiter im Kader: Batz (ETW), Stöger, Danfa, Uwakhonye

Tore: 1:0 Demirovic (5.), 1:1 Scally (38.), 1:2 Machino (51.), 1:3 Mohya (66.), 2:3 Demirovic (83.)

Gelbe Karten: Sauer, Karazor - Neuhaus 

Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck

Zuschauer: 47.000

 


von Marc Basten

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