Vor dem Spiel in Stuttgart

Husarenritt nach Stuttgart: Gladbach zwischen Chancenlosigkeit und Sensation

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Kann nicht zaubern - Gladbachs Trainer Alexander Blessin (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Kann Borussia Mönchengladbach nach sechs Auftaktniederlagen in Folge ausgerechnet beim VfB Stuttgart (Freitag, 20.30 Uhr) die Wende einleiten? Alles spricht gegen die Elf von Alexander Blessin, doch gerade darin liegt der Funke Hoffnung begründet.

Geht es nach der allgemeinen Stimmungslage in und um Mönchengladbach, könnten sich die Borussen die Reisekosten zum Auswärtsspiel nach Stuttgart sparen. Unisono herrscht bei Fans und Beobachtern die Überzeugung vor, dass die Gladbacher die Dienstreise unter der Rubrik »außer Spesen nichts gewesen« verbuchen müssen. Zu ernüchternd ist die Lage nach dem katastrophalen Saisonstart mit sechs Niederlagen in sechs Partien. Wer bitte kann ernsthaft glauben, dass beim Champions-League-Teilnehmer aus Stuttgart ein oder gar drei Punkte vom Laster fallen könnten?

Vielmehr stellen sich alle darauf ein, dass am Freitagabend Bundesligageschichte geschrieben wird. Noch nie ist eine Mannschaft in mehr als 60 Jahren mit sieben Niederlagen in Folge in eine Saison gestartet. Die Fohlen sind auf dem allerbesten Weg, den neuen Minusrekord aufzustellen. Und wer den VfB Stuttgart am Dienstag in der Königsklasse gegen das vom »irren« Diego Simeone gepushte Atlético Madrid hat spielen sehen, dem dürfte jede Fantasie fehlen, wie ausgerechnet diese labile Gladbacher Mannschaft dort bestehen soll.

Keine Rückkehrer aus dem Lazarett

Für Alexander Blessin ist die Fahrt nach Stuttgart immerhin noch eine Rückkehr in die Heimat. Aber für viel Gefühlsduselei ist beim 53-Jährigen kein Raum – zu ernst ist die Situation bei seinem neuen Arbeitgeber. Nach der Niederlage gegen Hoffenheim fand er klare Worte, und eine gewisse Fassungslosigkeit konnte er nicht unterdrücken. Am Donnerstag bei der Pressekonferenz gab er sich kämpferischer, ohne dabei etwas schönzureden. Auch wenn er es nicht so deutlich aussprach, war doch klar zu erkennen, dass Blessin ein Stück weit überrascht ist, wie groß die Probleme der Mannschaft sind und wie wenig echte Qualität er zur Verfügung hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Personalsituation vor dem Spiel beim VfB nicht gebessert hat. Neun Spieler stehen auf der Ausfallliste: Enzo Leopold (Kreuzbandriss), Isac Lidberg (muskuläre Probleme), Tim Kleindienst (Muskelfaserriss), Jan Leszczyński (Kniestauchung), Ko Itakura (Muskelfaserriss), Franck Honorat (Muskelverletzung), Jens Castrop (Trainingsrückstand nach Schulter-OP), Fritz Fleck (schwere Zerrung) und Nicolas Kühn (Trainingsrückstand nach Muskelbündelriss). Itakura und Honorat stehen zwar vor der Rückkehr ins Teamtraining, Castrop könnte nächste Woche erstmals im Kader stehen und bei Leszczyński ist Blessin »vorsichtig optimistisch«, aber für das Stuttgart-Spiel bleiben sie alle außen vor.

Geschlossen durch das Tal der Qualen

»Wir wollen nicht lamentieren«, sagt Blessin, aber natürlich ist die dünne Personaldecke auch ein Grund für die Misere. Viele Optionen hat der Trainer nicht und so steht zu befürchten, dass sowohl Florian Neuhaus als auch Shuto Machino am Freitagabend in der Startelf stehen. Zur Frage unserer Redaktion, ob er Neuhaus immer noch als Sechser sehe, relativierte Blessin etwas, sprach davon, dass sich Neuhaus »bemüht«, und sagte schließlich: »Er kann das.« Auch an Machino scheint der Trainer mangels Alternativen festhalten zu wollen. Er schloss ein System mit »falschem Neuner« eher aus und lobte Machino für die Energie, die er gegen Hoffenheim auf den Platz gebracht hat. Sollte Blessin also mit einem klaren Mittelstürmer spielen wollen, gibt es zu Machino kaum Alternativen. Iaia Manco Danfa wird zwar wieder im Kader stehen, einen Einsatz des 19-Jährigen von Beginn an schloss der Trainer allerdings aus.

Blessin deutete zwar eine mögliche Überraschung bei der Aufstellung an, aber wer auch immer letztlich auf dem Platz stehen wird – den Husarenritt nach Stuttgart wird man nur mit einer absoluten Willensleistung und mannschaftlicher Geschlossenheit überstehen können. Blessin sprach erneut von »Intensität und der Bereitschaft zu leiden«. »Hasenfüße brauchen wir nicht«, unterstrich er. Um sich aus dieser prekären Situation trotz aller Widrigkeiten zu befreien, braucht es eine ganze Menge – vor allem aber die Bereitschaft, endlich gemeinsam, ohne Kompromisse und mit aller Willenskraft zu verteidigen. »Geschlossen durch das Tal der Qualen gehen«, umschrieb es Blessin anschaulich. Und in Stuttgart die Chance nutzen, die eigentlich nicht vorhanden ist.

 


von Redaktion TORfabrik.de

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