Vier Punkte aus den letzten beiden Spielen und dazu noch das Weiterkommen im Pokal – Borussia Mönchengladbach durchlebt aktuell die beste Phase der laufenden Spielzeit. Zu hoch hängen darf man das natürlich nicht, denn der Saisonstart war katastrophal, und an den Folgen werden die Fohlen auch noch lange zu knabbern haben.
Aber dieser »Mini-Aufschwung« hat die Hoffnung zurück nach Mönchengladbach gebracht. Auch die zwei Punkte, die man im Heimspiel gegen den SC Paderborn liegen gelassen hat, haben die etwas positivere Stimmung in und um Mönchengladbach nicht getrübt. Endlich ist die Mannschaft in der Liga ohne Gegentor geblieben, und die Schießbude scheint geschlossen. Damit ist eines der ersten Teilziele von Alexander Blessin erreicht.
Kleiner Aufschwung, große Baustellen
Doch noch hat der Coach die Borussia nicht über den Berg geführt, auch wenn es mittlerweile in vielen Bereichen positive Signale gibt. Ab und an scheint Blessin immer noch etwas überrascht, wie fragil die Spieler teilweise sind. So musste er einräumen, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gegen Paderborn auch deshalb abgebaut hat, weil es das dritte Spiel in einer Woche war.
Das sagt einiges über die Physis der Spieler aus, was mit dem von Blessin geforderten höchst intensiven Fußball nicht so wirklich zusammenpasst. Die Frage, ob in diesem Bereich im laufenden Spielbetrieb viel aufgeholt werden kann und ob die Spieler von ihrer Veranlagung überhaupt dazu in der Lage sind, bleibt offen. Das gilt auch mit Blick auf die vielen Verletzungen. Auch vor der Reise nach Hamburg hat sich die Personalsituation nicht verbessert.
Personalsorgen vor der Reise
Zwar kehren mit Kevin Diks und Franck Honorat zwei wichtige Spieler zurück, dafür fällt Nicolas Kühn wieder aus und hinter Daiki Hashioka steht ein großes Fragezeichen. Wie am Donnerstag zu erfahren war, wird es beim Japaner wegen muskulärer Probleme wohl nicht reichen. Damit müsste trotz der Rückkehr von Diks in der Abwehrkette wieder improvisiert werden: Philipp Sander dürfte dort erneut gefragt sein.
Dadurch wird Sander auch nicht auf der Sechs neben Uno spielen können. Jens Castrop wäre eine Option, und auch wenn Blessin diese Variante nicht ausschloss, war doch herauszuhören, dass Castrop nach der langen Pause eher noch kein Kandidat für die Startelf ist. Damit wird Florian Neuhaus wohl weiter neben Uno auflaufen.
Wenig Spielraum in der Offensive
Auch in der Offensive sind die Variationsmöglichkeiten eingeschränkt. Da Bolin weiter ausfällt und Machino seine Sache zuletzt sehr ordentlich gemacht hat, spricht einiges dafür, mit Hack, Machino und Mohya zu starten. Lidberg wäre dann als Stoßstürmer in der Hinterhand und Honorat könnte von der Bank Tempo ins Spiel bringen.
Wie dem auch sei – Borussia ist in Hamburg gefordert. Das liegt schlichtweg an der Konstellation dieses Traditionsduells. Der HSV muss ganz klar als einer der direkten Konkurrenten im Abstiegskampf bezeichnet werden, und von daher wird es im Volksparkstadion ein Spiel auf Augenhöhe geben. Borussia hat die Chance, nicht nur Boden gutzumachen, sondern die Hamburger auch wieder richtig tief in den Schlamassel zu ziehen.
Zählbares als Ziel
Angesichts der kommenden Aufgaben nach der Länderspielpause wäre es einmal mehr schon fast überlebenswichtig, mit etwas Zählbarem die Heimreise anzutreten. Das wäre dann ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und würde etwas Druck vom Kessel nehmen.
von Marc Basten

