Emotional war es im Borussia-Park vor allem vor dem Anpfiff, als Alassane Plea offiziell verabschiedet wurde. Der Franzose bedankte sich bei den Anhängern und hatte dabei Tränen in den Augen. Kurz durfte man noch einmal in Erinnerungen schwelgen, ehe der Fokus wieder auf das Match gegen RB rückte.
Eugen Polanski hatte die gleiche Elf ins Rennen geschickt wie in der Vorwoche und auch die taktische Ausrichtung blieb unverändert. Eine stabile Grundordnung, gemeinsames Verschieben gegen den Ball und eine gewisse Flexibilität im Spiel nach vorne. Jens Castrop war wie schon in Heidenheim nicht der klassische Schienenspieler auf der rechten Seite, sondern tauchte oft in den Halbräumen oder sogar zentral in der Spitze auf – zumindest über weite Strecken der ersten Halbzeit.
Disziplin statt Spektakel
Borussia hatte ordentliche Ballbesitzphasen und einige vielversprechende Ansätze, doch im Angriffsdrittel stockte es. Fehlendes Tempo, falsche Entscheidungen – und nicht zu vergessen: ein äußerst diszipliniert verteidigender Gegner. Der Tabellenzweite aus Leipzig war ebenfalls sehr um Kontrolle bemüht und bot in der Defensive kaum etwas an.
Die Statik in der ersten Halbzeit war klar: wechselnde Ballbesitzphasen, ohne dass eines der beiden Teams ins Risiko ging. Es entwickelte sich ein intensiver Abnutzungskampf und ein Warten auf den ersten großen Fehler eines Gegners. Den gab es jedoch nicht, sodass die Partie für den neutralen Zuschauer langweilig oder zumindest sehr unspektakulär daherkam.
Erinnerungen an Favre-Zeiten
Aus Gladbacher Sicht war es allerdings erfreulich festzustellen, dass sich die Mannschaft nicht locken ließ und am Matchplan festhielt, auch wenn gelegentlich ein Raunen auf den Rängen zu vernehmen war. Ein wenig fühlte man sich an die Favre-Zeiten erinnert, als diszipliniertes Verteidigen im Block über allem stand.
Dass Borussia unter Polanski diese Basics wiederbelebt hat, war der Schlüssel für die erfolgreichen letzten Wochen. Bei der Siegesserie kam allerdings auch noch einiges an Spielglück hinzu, das am Freitagabend allenfalls bedingt vorhanden war. Denn als in der 47. Minute mit der ersten klaren Torchance der vermeintliche Führungstreffer fiel, hatten die Gladbacher einfach Pech, dass Honorat mit dem großen Zeh im Abseits gestanden haben soll.
VAR im Mittelpunkt
Es gab also wieder einmal eine VAR-Diskussion und die Frage, ob man der Technik wirklich vertrauen kann, wenn es um solche Millimeterentscheidungen geht, war natürlich berechtigt. »Ich habe die Linie gesehen und konnte es fast nicht glauben«, sagte Eugen Polanski, der sich ja schon zuvor als VAR-Gegner geoutet hatte. »Ich weiß nicht, ob das immer auf die Hundertstelsekunde stimmt.«
Es geht schließlich nicht nur darum, auf welcher Linie sich der Spieler befindet, sondern auch um den exakten Moment, in dem der Ball gespielt wird. Und hier gibt es ohne Chip und Sensoren im Ball keine vollständige Klarheit. Deshalb erscheinen solch extrem knappe Entscheidungen letztlich immer zumindest zweifelhaft.
Korrektur nach Elfmeterpfiff
Ein zweites Mal an diesem Abend kam der VAR nach dem Elfmeterpfiff des Schiedsrichters zum Einsatz, als Machino getroffen wurde. Hier gab es dann keine ernsthaften Zweifel daran, dass der Eingriff sinnvoll war. Denn die TV-Bilder belegten, dass Orban Machino zwar traf, aber zuvor klar den Ball gespielt hatte.
Dass sich die Borussen in dem Moment ärgerten, war verständlich, aber im Nachgang waren sich alle einig, dass es tatsächlich kein Elfmeter war. Über diese beiden »Aufregerszenen« hinaus passierte im Leipziger Sechzehner aber so gut wie nichts, während es auf der anderen Seite mehr als einmal brenzlig wurde. RB hatte spätestens nach einer Stunde das Kommando übernommen, ohne dabei aber das Visier vollständig zu öffnen.
Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung
Der Tabellenzweite schaffte es nicht, den Druck so zu erhöhen, dass die Borussen ins Wanken gerieten. Ein Schuss von Harder wurde von Nicolas stark pariert und dann war da der Kracher von Raum, der am Lattenkreuz landete. In diesem Augenblick war dann auch das Spielglück wieder zu den Borussen zurückgekehrt.
Mit viel Bereitschaft und Disziplin brachten die Gladbacher das torlose Remis über die Zeit. Auch wenn Eugen Polanski anschließend von einigen unzufriedenen Gesichtern in der Kabine sprach, war man sich doch einig, dass dieser Punkt ein gerechtes Resultat war und vor allem die Borussen damit gut leben können. Nach drei Siegen in Folge nun ein Punkt gegen den Tabellenzweiten – das ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.
von Marc Basten

