Da sind sie also wieder in Rottach-Egern, die Gladbacher Borussen. Die Örtlichkeiten sind bekannt, die Stimmung am Trainingsplatz ist relaxed, und gefühlt hat der zähe Abstiegskampf dem in den letzten Jahren stetig gewachsenen Event-Charakter des Sommer-Camps keinen Abbruch getan. Also alles »tutti« am Tegernsee – wie jedes Jahr.
Immerhin gibt es diesmal eine ganze Menge neuer Spieler zu sehen, aber wo der Weg der Borussia hinführt, ist noch nicht zu erkennen. Auch nach drei Testspielen ist man nicht viel schlauer als zuvor. Kapitän Tim Kleindienst, der beim letzten Spiel in Rostock sichtlich unzufrieden mit der Herangehensweise war, nutzte am Montag nach dem Vormittagstraining die Gelegenheit für einen ersten Weckruf.
Mehr Feuer gefordert
»Das Training heute hätte gut und gerne intensiver sein können oder müssen«, sagte er. »Von der Intensität her war es jetzt nicht das zufriedenstellendste Training. Ab morgen muss da schon wieder ein bisschen mehr Feuer rein, weil wir hier noch etwas erarbeiten wollen.« Es gehe darum, so Kleindienst, die »Prinzipien in der Offensive, der Defensive und im Umschaltspiel zu erarbeiten«. Der 30-Jährige fordert, dass man deutlich intensiver spielen und eine ganz andere Zweikampfhärte auf den Platz bringen müsse. »Wir dürfen nicht mehr so brav sein, sondern müssen unangenehm und eklig sein. Es ist immer noch Bundesliga und kein Freizeitkick.«
Mit Lari-Fari-Training ist es nicht getan. »In kleinen Spielformen wie beim Fünf-gegen-Fünf muss es rascheln«, sagt Kleindienst. Da dürfe man nicht zurückziehen, sondern müsse auch mal einen abbekommen und den Ellenbogen des Gegenspielers spüren. »Durch dieses gegenseitige Leiden und etwas Provozieren entsteht eine andere Intensität im Training.« Und das ist die Voraussetzung, um später im Wettkampf zu bestehen.
Kommunikation als Baustelle
Kleindienst sprach ebenfalls die bislang mangelhafte Kommunikation während eines Spiels an. »Es braucht klare Ansagen. Jeder muss auf dem Platz reden, nicht nur ich. Der Torwart steuert den Innenverteidiger, und das geht immer weiter nach vorne. Deshalb müssen alle den Mund aufmachen.«
Dass sich etwas bewegt bei Borussia, ist alleine schon aufgrund der vielen Neuzugänge unumgänglich. »Natürlich habe ich den Eindruck, dass sich etwas verändert«, sagt Kleindienst. »Weil sich etwas verändern muss. Wir haben neue Spieler, die eine andere Dynamik und andere Eigenschaften haben. Ich meine schon, dass sich da etwas tut.« Doch wohin das alles führt, ist im Moment nicht abzusehen. Umso wichtiger ist es, die verbleibenden Wochen bis zum Saisonstart richtig zu nutzen. Das entspannte Ambiente in Rottach-Egern dürfen die Zaungäste genießen, aber Trainer und Mannschaft müssen das Gerede von Veränderungen in die Tat umsetzen.
von Redaktion TORfabrik.de

