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Nico Elvedi: Abwehranker zwischen Wachheit und Wacklern

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Nico Elvedi (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Nico Elvedi entwickelte sich in dieser Saison zum gereiften Abwehrchef, der seine Konzentrationsschwächen weitgehend abstellte – auch wenn zwischendurch alte Muster wieder durchbrachen.

Nico Elvedi blickt auf eine Saison zurück, in der er sich zwischen Weltklasse-Auftritten und Rückfällen in alte Lethargie bewegte und dennoch so stabil wirkte wie lange nicht. Als dienstältester Profi und zeitweiser Kapitän war er der zentrale Fixpunkt der Gladbacher Defensive und übernahm sichtbar mehr Verantwortung als in den Vorjahren. Zu Saisonbeginn zeigte er dabei Licht und Schatten: Am 4. Spieltag in Leverkusen lieferte er eines seiner besten Spiele in zehn Jahren Gladbach ab, glänzte als stabiler Abwehrchef und erhielt folgerichtig die Note 1,5. Kurz darauf folgten jedoch desaströse Auftritte gegen Frankfurt (5. Spieltag) und Union Berlin (7. Spieltag), in denen er träge und desorientiert wirkte, maßgeblich zu Gegentoren beitrug und mit jeweils 5,0 abgestraft wurde – verbunden mit der Kritik, als Führungsspieler nicht griffig genug zu sein.

Im weiteren Verlauf der Hinrunde stabilisierte sich Elvedi merklich und fand zu einer Konstanz, die man in dieser Ausprägung lange nicht mehr von ihm gesehen hatte. Zwischen dem 9. und 13. Spieltag bestach er durch starkes Stellungsspiel, Handlungsschnelligkeit und eine außergewöhnliche Passsicherheit, wie die 96 Prozent angekommener Pässe gegen St. Pauli eindrucksvoll unterstrichen. In den Partien gegen Heidenheim und Leipzig (jeweils Note 2,0) agierte er als souveräner Organisator der Abwehrkette, der nicht nur wegverteidigte, sondern auch im Aufbauspiel klare Akzente setzte. In Mainz wurde zudem auffällig, dass er an Robustheit und Körperlichkeit zugelegt hat – ein weiterer Baustein auf dem Weg zu dem gereiften Innenverteidiger, als der er sich im Saisonverlauf präsentierte.

Reifeprüfung im Saisonendspurt

Mit dem Winter kehrten jedoch die Schwankungen zurück und erinnerten daran, dass Elvedi seine alten Muster noch nicht vollständig abgelegt hat. Gegen Wolfsburg (14. Spieltag) und Hoffenheim (17. Spieltag) zeigte er erneut sein zweites Gesicht, wirkte schwerfällig und schläfrig und leistete sich amateurhafte Fehler, die jeweils in einer 5,0 mündeten. Auch in großen Spielen wie gegen Bayern (25. Spieltag) fehlte ihm in entscheidenden Momenten die letzte Konsequenz, obwohl er phasenweise sehr wachsam agierte. 

Im Saisonendspurt legte der Schweizer dann jedoch eine bemerkenswerte Reifeprüfung ab. Den absoluten Höhepunkt markierte der 32. Spieltag gegen Dortmund, als Elvedi eine seiner stärksten Einzelleistungen überhaupt ablieferte und den gegnerischen Topstürmer Guirassy praktisch komplett aus dem Spiel nahm, was ihm die Bestnote 1,0 einbrachte. Zum Saisonabschluss gegen Hoffenheim bestätigte er diesen Eindruck mit einer weiteren starken Vorstellung, in der er auch im Spielaufbau mutiger und vertikaler agierte als in vielen Jahren zuvor.

Ein Abwehrspieler von internationalem Format

Die statistische Bilanz unterstreicht seinen Status als Dauerbrenner und Abwehranker. Elvedi wurde in 33 Spielen benotet, verpasste lediglich eine Partie aufgrund einer Gelbsperre und verkörperte damit die verlässlichste Konstante in der Gladbacher Hintermannschaft. Seine beste Note von 1,0 stammt aus dem Dortmunder Schlüsselspiel, während vier Totalausfälle mit 5,0 (5., 7., 14. und 17. Spieltag) dokumentieren, dass die Aussetzer nicht vollständig verschwunden sind. Mit einer Durchschnittsnote von 3,11 steht am Ende eine statistisch gute Saison, in der die positiven Ausschläge deutlich schwerer wiegen als die Ausreißer nach unten.

Schlussendlich hat sich Nico Elvedi so reif präsentiert wie nie zuvor in seiner Gladbacher Zeit. Wenn er seine volle Konzentration über 90 Minuten hält, ist er ein Abwehrspieler von internationalem Format – das haben mehrere eindrucksvolle Leistungen in dieser Saison bewiesen. Gerade seine Präsenz in der Schlussphase lässt ihn als gestandenen Leader erscheinen, den Borussia auch künftig gut gebrauchen könnte. Vorausgesetzt, der so oft gehegte Wechselwunsch des mittlerweile 29-Jährigen erfüllt sich nach seinem starken Auftritt bei der Weltmeisterschaft nicht doch noch.


von Marc Basten

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