Karriereschub für die Schweizer Nationalmannschaft?

Nico Elvedi als Innenverteidiger - Es lässt sich gut an!

von Karriereschub für die Schweizer Nationalmannschaft?

Nico Elvedi jubelt nach Coup von München. (Foto: Sebastian Widmann / Bongarts / Getty Images)

Drei Spiele hat Nico Elvedi bislang in dieser Saison als Innenverteidiger absolviert. Dabei machte der Schweizer eine mehr als passable Figur. Er scheint zu bestätigen, was Trainer und Sportdirektor in ihm sehen.

Vor ein paar Tagen ist Nico Elvedi 22 Jahre alt geworden, beim Coup in München bestritt er bereits sein 150. Pflichtspiel für die Fohlenelf. Das ist eine eindrucksvolle Zahl für den Schweizer, der 2015 als 18-Jähriger zur Borussia gekommen ist.

André Schubert hievte Elvedi Ende 2015 in die Bundesliga - auch damals ging es gegen die Bayern. Im Borussia-Park bekam er es bei seinem Debüt erst mit der Rakete Coman zu tun, dann als Sahnehäubchen noch mit Ribery. Als rechter Mann der Dreierabwehrkette neben Christensen und Nordtveit bestand der Youngster seine Feuertaufe.

Seitdem ist er Stammspieler. Als mit André Schubert auch die Dreierkette aus Mönchengladbach verschwand, wurde Elvedi hauptsächlich als Rechtsverteidiger aufgeboten. Zwar galt er von ›Haus aus‹ als Innenverteidiger, doch diese Rolle übte er in Gladbach nur vertretungsweise aus. Auch wenn er bei der Schweizer Nationalmannschaft als Innenverteidiger gesehen wird - aber trotz Nominierung weder bei der Europa-, noch bei der Weltmeisterschaft zum Einsatz kam - überraschte die offensive Ankündigung von Dieter Hecking vor dieser Saison, Elvedi künftig in der Innenverteidigung einzuplanen.

Kann Elvedi Innenverteidiger? Zweifel schienen angebracht

Diese Versetzung hätte es laut Hecking auch dann gegeben, wenn Yannik Vestergaard im Sommer nicht gewechselt wäre. Die Verpflichtung von Michael Lang als Rechtsverteidiger unterstrich das Vorhaben - Elvedis Zukunft sollte im Abwehrzentrum liegen. Eine durchaus interessante, aber auch nicht risikolose Betrachtungsweise.

Obwohl Elvedi als solider Basisspieler gilt, ist er nicht unumstritten. Immer wieder mal leistete er sich Unkonzentriertheiten und Stellungsfehler. Trotz seiner Größe von 1,87 Metern hatte er Probleme mit dem Timing im Kopfballspiel. Und nun sollte er den Hünen Vestergaard ersetzen? Zweifel schienen angebracht.

Zu allem Überfluss gab es in der Saisonvorbereitung keine Gelegenheit, dass sich das neue Innenverteidigerduo Ginter und Elvedi einspielen konnte. Nach seinem, aufgrund der WM verspäteten, Trainingseinstieg hatte Elvedi zunächst Knieprobleme und dann setzte ihn eine Blinddarm-OP außer Gefecht. Wieder genesen, stand er gegen Schalke und in Berlin zwar auf dem Platz - aber als Rechtsverteidiger.

Überraschend stabil im Kopfballspiel

Der Auftritt in Berlin geriet zu einem mittelschweren Desaster für Elvedi, der bei allen vier Treffern der Hertha schlecht aussah (Note 5,0). Vier Tage später gegen Frankfurt stand er wieder in der Startelf - als Innenverteidiger. Und auch in den folgenden beiden Auswärtsspielen in Wolfsburg und München agierte Elvedi neben Ginter in der Defensivzentrale.

Dort fand er sich - besonders unter dem Aspekt der schlechten Leistung in Berlin - erstaunlich gut zurecht. Gegen die Eintracht gefiel er mit seinem Stellungsspiel und der ruhigen und besonnenen Spieleröffnung - und einem Kopfballaufsetzer zum 3:1-Endstand. Auch in Wolfsburg stand er seinen Mann, genauso wie in München. Er zeigte keine Nerven, behielt am Ball die Ruhe und präsentierte sich auch beim Kopfballspiel ausgesprochen stabil.

Es ist eben doch ein Unterschied, ob ein Rechtsverteidiger mit einrückt um irgendwo aushilfsweise zu retten, oder ob ein Innenverteidiger zentral bei klarer Raumaufteilung das Geschehen vor sich hat und reagieren kann.

Gibt es auch einen Schub für die Nationalmannschaftskarriere?

Natürlich wird es noch ein paar Spiele dauern, bis man absehen kann, ob sich Ginter & Elvedi als das 1-A-Innenverteidigerduo bewähren. Es lässt sich jedoch schon mal ganz gut an.

Die Festlegung auf die Rolle als Innenverteidiger könnte Nico Elvedi auch einen Schub in der Schweizer Nationalmannschaft geben. Dort stand er zuletzt im Schatten von Akanji (Dortmund) und Schär (Ex-Hoffenheim). Letzterer wechselte im Sommer nach Newcastle, kam aber in acht Partien in der Premiere League nur einmal zum Einsatz. Es könnte also gut sein, dass Elvedi am Freitag (gegen Belgien) und Montag (gegen Island) auch für die ›Nati‹ den nächsten Schritt machen wird.

 


von Marc Basten

 

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