Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - FC Sevilla 4:2 (1:0)

Hochrisikofußball mit Happyend

von Redaktion TORfabrik.de
Fabian Johnson nach seinem Treffer (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Fabian Johnson nach seinem Treffer (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach lieferte sich mit dem FC Sevilla einen offenen Schlagabtausch. Die Gladbacher riskierten viel und wurden für ihren Mut belohnt. Jeder Borusse ging an seine körperlichen Grenzen.

Yann Sommer: Verhinderte in der Anfangsphase mit einem Blitzreflex gegen Konoplyanka aus kurzer Distanz das 0:1. Konnte sich über Beschäftigung nicht beklagen und wehrte die Bälle ab, die auf sein Tor kamen. Bei beiden Gegentreffern war er machtlos. Als mitspielender Keeper aufmerksam und zweimal bei langen Bällen rechtzeitig draußen. Mit etwas riskanten Abschlägen brachte er jeweils Dahoud und Wendt in Schwierigkeiten. Ein nennenswerter Wackler unterlief ihm nach der Pause, als er bei einem Freistoß von halbrechts ins Leere faustete. Note 3,0.

Julian Korb: Defensiv mit Schwerstarbeit gegen den dribbelstarken Konoplyanka. Da er sehr offensiv orientiert war - phasenweise verteidigte Drmić hinter dem wie ein Rechtsaußen positionierten Korb - musste er weite Wege zurücklegen. Nicht immer kam er rechtzeitig. Vorne mit zwei, drei butterweichen Flanken, die keinen Abnehmer fanden. Vor der Pause kam er plötzlich frei zum Schuss, verzog aber deutlich. Nach dem Wechsel ständig vorne mit dabei. Tolle Drehung und Übersicht beim Assist zum Treffer von Johnson. Note 2,5.

Andreas Christensen: Spielte einmal hinter Korb ins Seitenaus, ein anderes Anspiel geriet zu kurz, als er auf die rechte Seite weiterleiten wollte. Diese beiden Schönheitsfehler blieben ohne Folgen. Ansonsten zeigte der Däne eine fast schon gewohnt reife Leistung. Mehrfach trat er als ›Kontertöter‹ in Erscheinung, weil er im richtigen Moment antizipierte. Sein Timing, nicht nur beim Kopfball, war hervorragend. Aufgrund der allgemeinen Ausrichtung musste er mehrfach in Laufduelle gegen die schnellen Spanier, bei denen er nicht immer entscheidend stören konnte. Note 2,5.

Håvard Nordtveit: Gab eine nachhaltige Bewerbung für den Job in der Innenverteidigung ab. Er brachte Tempo mit, wodurch er mehrfach Bälle ablaufen konnte. Nordtveit wusste mit gutem Stellungsspiel zu gefallen, in den Zweikämpfen ging er hart, aber fair zu Werke. Ein paar Ungenauigkeiten unterliefen ihm im Bemühen, schnell zu klären. Im Spielaufbau solide, nur aus einem Fehlpass resultierte echte Gefahr und schließlich eine Ecke für Sevilla. Note 2,5.

Oscar Wendt: Wie sein Pendant Korb auf der anderen Seite sehr ›hoch‹ positioniert und damit mehrfach in der Verlegenheit, bei Umschaltmomenten der Spanier zu einer Alles-oder-Nichts-Aktion greifen zu müssen. Die Eroberungen und Störerfolge hielten sich die Waage zu den Momenten, wo er den Gegenspieler nicht mehr einfangen konnte. Vorne mit der Ablage vor dem 1:0 auf Xhaka, nachdem er eine Direktabnahme ›angedroht‹ hatte. Wiederholt mit auffällig guter Ballbehandlung, als er nicht einfach zu kontrollierende Bälle mit großer Selbstverständlichkeit verarbeitete. Ging weite Wege und musste am Ende ›beißen‹. Hob beim ersten Gegentor das Abseits auf, weil er einen Schritt zu spät rausrückte. Note 2,5.

Mo Dahoud: Seine Ballbehandlung und vor allem sein Passspiel waren herausragend. Eine Statistik weist eine 100%ige Quote bei 40 gespielten Pässen aus. Hatte Mut zu schießen, zwei Versuche aus dem Lauf waren jedoch deutlich zu hoch angesetzt. Dahoud legte wieder große Laufwege zurück, gerade bei Umschaltaktionen von Sevilla hetzte er tapfer hinterher. Hierbei wurde sein Manko deutlich: Er war fast immer nah dran und gewillt, den Ball zu erkämpfen. Sehr oft hatte er die Kugel ›so gut wie‹, doch letztlich ging der Gegner als Sieger hervor. Bei der Balleroberung muss er zulegen - hier stimmen Aufwand und Ertrag noch längst nicht. Note 3,0.

Granit Xhaka: Hielt sich in Bezug auf Scharmützel mit den Gegenspielern und Diskussionen mit dem Schiedsrichter wohltuend zurück. In den wenigen ›kribbeligen‹ Momenten hatte er sich rechtzeitig im Griff. Litt im Mittelfeld zeitweise darunter, dass durch die eher lockere Grundordnung bei Umschaltaktionen der Spanier Löcher da waren, die er nicht alle stopfen konnte. So blieb Xhaka nach einem Ballverlust von Raffael schon fast resigniert stehen. Doch insgesamt machte es der Kapitän gut und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Im Spiel nach vorne nicht kopflos. Sein Schuss von halblinks geriet zur unfreiwilligen Vorlage für Stindl zum 1:0. Spielte mehrfach im Aufbau kurz und schnell ab, vor allem auf Stindl. Stark sein Knaller nach der Pause, der den spanischen Keeper zu einer Glanzparade zwang. Unnötig, aber nicht mehr relevant, war das Foul zum Elfmeter in der Nachspielzeit. Note 3,0.

Ibrahima Traoré: Eine Ecke war der Lohn für das erste Dribbling, ein abgefälschter Schuss wurde gefährlich für Sevilla. Zeigte dann eine Verletzung an und wollte ausgewechselt werden. Nach Behandlung spielte er zunächst weiter, ein Schuss verfehlte das Tor deutlich. Nach 13 Minuten dann doch ausgewechselt. Ohne Note.

Fabian Johnson: Erneut eine starke Partie des US-Nationalspielers. Er legte weite Wege zurück und korrigierte mehrfach mit seinen Sprints für bereits überspielte oder nicht rechtzeitig in Position gekommene Kollegen. Nach der Pause rannte er in einer Aktion mit Ball blind in den Mann, obwohl auf links ein Mitspieler frei war. Gab in der Anfangsphase einen Linksschuss ab, erzielte dann mit rechts den wunderschönen Treffer zum 2:0. Note 2,5.

Raffael: Wie schon gegen Hannover fehlte in vielen Aktionen die letzte Überzeugung. Er lief sich fest oder verlor doch recht einfach den Ball. Eine misslungene Direktverlagerung wäre fast tödlich gewesen, er versuchte, mit einer Grätsche noch zu retten. Vorne mit den meisten Torschüssen, u.a. nach einer spanisch anmutenden Kombination. Doch es fehlte der letzte Kick. Großartig, wie er im Strafraum einen Haken schlug, doch dann mit schwachem Abschluss das 3:0 verpasste. Das holte er kurz darauf nach, als er den Ball gut mitnahm und abrundete. Note 3,5.

Lars Stindl: Man kann nur den Hut ziehen vor dem ›Freiheitskämpfer‹ Stindl. Er suchte ständig die Räume, kein Weg war ihm zu weit. Vorne überall zu finden, aber auch in der Defensive immer wieder dabei. Großartig, wie er hinten links sauber aushalf und mehrfach energisch den Ball eroberte. Stindl hat ein Gespür für die Situation, deshalb kommt er trotz des großen Aktionsradius so oft in Abschlusssituationen. Wie beim 1:0, als er plötzlich da war. Oder beim 4:1, als er einfach trocken abzog. Ganz fein der Assist auf Raffael, als er einen Schuss andeutete und dann mit perfekter Geschwindigkeit passte. Note 1,5.

Josip Drmić: Kam früh für Traoré und übernahm etwas überraschend dessen Rolle auf der rechten Seite. Agierte auf der ungewohnten Position mit viel Elan, mit seiner Balleroberung und der kurz darauf erfolgten weiten Flanke auf Wendt stand er an der Basis des 1:0. Er behauptete Bälle, leitete sie mit Bedacht weiter und gewann einige Kopfballzweikämpfe. Aussichtslos sein Soloversuch nach der Pause - das hatte was von ›Josip gegen den Rest der Welt‹. Dennoch ein ordentliches Spiel des Schweizers in nicht geläufiger Rolle, der fleißig mit nach hinten arbeitete. Note 3,0.

Marvin Schulz: Ersetzte Dahoud in den letzten zehn Minuten, wo es nochmal recht chaotisch hin und her ging. Hatte nur drei Ballkontakte und war ansonsten damit beschäftigt, Räume zuzulaufen. Konnte das entscheidende Anspiel vor dem 1:3 nicht verhindern. Ohne Note.

Nico Elvedi: Kam in den letzten vier Minuten, weil Sevilla ›groß‹ gewechselt hatte als zusätzlicher Kopfballspieler. Ohne Note.

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