Topspiel bei den kriselnden Bayern

Hecking: »Es ist schwierig für mich zu greifen«

von Topspiel bei den kriselnden Bayern

Dieter Hecking muss sich Gedanken machen, wie er die Schieflage bei den Bayern ausnutzen kann (Foto: Christof Koepsel / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach tritt am Samstag (18.30 Uhr) zum Topspiel bei Bayern München an. Die Voraussetzungen für einen Coup beim Rekordmeister scheinen günstig wie selten. Oder auch nicht.

Vier Punkte hat Borussia Mönchengladbach in der englischen Woche geholt. Es war alles dabei: Niederlage, Sieg und Remis. Rundum glücklich waren die Borussen damit nicht, aber doch recht zufrieden. Exakt die gleiche Punktausbeute hatte der FC Bayern in diesem Zeitraum. Doch im Gegensatz zur Fohlenelf ist von Zufriedenheit keine Spur - im Gegenteil. Spätestens seit dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam in der Champions League macht das Wort ›Krise‹ an der Isar die Runde.

Mit dem Selbstverständnis der Bayern sind die Sieglosspiele gegen Augsburg, Berlin und Ajax nicht zu vereinbaren. Doch auch ohne die ureigene bayerische Überheblichkeit einzubeziehen, muss man feststellen: Etwas stimmt da nicht beim Rekordmeister.

Die latente Verunsicherung bei den Bayern ist natürlich in Mönchengladbach nicht verborgen geblieben. »Sie merken, irgendetwas passt gerade nicht«, sagt Dieter Hecking. »Sie sind auf der Suche, was nicht passt.«

»Sich darauf zu verlassen, wäre fatal«

Aus Sicht von Hecking vermissen die Bayern derzeit ihre Leichtigkeit. »Das ist etwas, was man in München nicht so kennt. Sie haben selten eine Phase, in der sie mal drei Pflichtspiele nacheinander nicht gewinnen können.« So viel steht fest: In München herrscht eine gewisse Irritation vor.

Doch was bedeutet das nun für die Gladbacher? »Es ist nie verkehrt, wenn man eine Mannschaft erwischt, die darüber nachdenkt, was im Moment nicht so rund läuft«, sagt Hecking. Doch gleichzeitig darf man die Schieflage in München nicht überbewerten. »Sich darauf zu verlassen, wäre fatal«, weiß Hecking. »Es ist eine Mannschaft, die das sofort abrufen kann. Es ist schwierig für mich zu greifen.«

Von daher richtet sich der Fokus der Borussen weniger auf die möglicherweise gestörten Befindlichkeiten beim Gegner, sondern vielmehr auf die eigenen Möglichkeiten. »Mein Ansatz ist: Wie kann ich meine Mannschaft auf Bayern München einstellen, dass sie mutig und leidenschaftlich spielt und alles abruft, was sie in den ersten sechs Spielen der Bundesligasaison gezeigt hat«, sagt Hecking.

Jonas Hofmann wird nach seiner mehr oder weniger freiwilligen Pause in Wolfsburg wieder auflaufen wollen

Neben der Einstellung wird es auch auf die Aufstellung der Borussen ankommen. Wie gewohnt lässt sich Hecking im Vorfeld nicht in die Karten blicken. Klar ist lediglich, dass Raffael aufgrund der anhaltenden muskulären Probleme an der Wade nicht mit nach München fahren wird. Ebenso wird Jordan Beyer daheim bleiben, nachdem die Beschwerden an der Hüfte aus dem Frankfurt-Spiel noch nicht abgeklungen sind. Josip Drmić, der ohnehin in den Planungen keine übergeordnete Rolle spielte, trainiert weiterhin wegen Rückenproblemen nicht mit.

Ansonsten sind alle Spieler fit und mehr als nur elf Profis melden nachhaltig ihre Ambitionen auf einen Platz in der Anfangself an. Während die Abwehrkette wohl so stehen bleibt, ist der Zweikampf zwischen Kramer und Strobl um die Sechserposition offen. Jonas Hofmann wird nach seiner mehr oder weniger freiwilligen Pause in Wolfsburg wieder auflaufen wollen, ebenso werden weder Neuhaus noch Zakarai ihren Platz aus freien Stücken hergeben. Vorne dürfte es eine Überlegung sein, Johnson als Stabilitätsspieler einzubauen, allerdings haben es sowohl Hazard als auch Herrmann in Wolfsburg sehr ordentlich gemacht.

Fakt ist, dass Borussia Mönchengladbach in einer speziellen Situation in München antritt. Es gilt das auszunutzen, was die Bayern unweigerlich anbieten werden. Ob das so viel sein wird, dass es zu einem Coup reicht, wird sich zeigen. Auf keinen Fall jedoch dürfen sich die Gladbacher im Larifari-Stil als dankbarer Aufbaugegner abschießen lassen.

 


von Marc Basten

 

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