Nachdreher aus dem Olympiastadion

»In vier Minuten zwei solche Tore einzufangen, ist einfach dumm«

von Nachdreher aus Berlin

Dieter Hecking beobachtet den Zweikampf zwischen Thorgan Hazard und Valentio Lazaro (Foto: Odd Andersen / AFP / Getty Images)

Ernüchterung bei Borussia Mönchengladbach nach der verdienten Niederlage in Berlin. Die fehlende Griffigkeit im Spiel der Fohlenelf gab allen Beteiligten im Anschluss Rätsel auf. Gladbach machte es Hertha viel zu einfach.

»Von Beginn an war irgendwie der Wurm drin«, sagte Matthias Ginter nach dem Schlusspfiff im Berliner Olympiastadion. Dieser Satz des Nationalspielers war die passende Umschreibung des Auftritts der Fohlenelf in der Hauptstadt, der so gar nichts von dem hielt, was man sich im Vorfeld davon versprach.

»Schon vor unserem Elfmetertor kamen die Berliner mehrfach sehr einfach zu Chancen«, sagte Dieter Hecking und auch Patrick Herrmann entdeckte als Beobachter auf der Bank die großen Lücken im Defensivverbund der Borussia: »Es war nur eine Frage der Zeit, bis einer reingeht«.

Trotzdem gelang der Fohlenelf wie aus dem Nichts der Führungstreffer durch den Hazard-Elfmeter. »Das war sicherlich glücklich, weil wir davor schon viele Fehler gemacht haben«, sagte Matthias Ginter. Ein Grund, den Vorsprung direkt wieder herzuschenken, war das allerdings nicht. »Wir müssen danach einfach abgezockter spielen«, ärgerte sich Herrmann.

Doch stattdessen luden die Gladbacher die Berliner zu einem Doppelpack nach dem gleichen Schema ein: Unbedrängte Flanke von Gladbachs rechter Seite, keine Staffelung in der Mitte, Kopfball - Tor. Ganz simpel, aber effektiv. Besonders Nico Elvedi wirkte völlig überfordert, wobei Hecking den Schweizer in Schutz nahm. »Es waren nicht nur die Außenverteidiger. Als Mannschaft müssen wir das besser verteidigen auf den Außenbahnen«. Das sah auch Ginter so: »Ich will jetzt niemanden an den Pranger stellen. Es gehören immer mehrere dazu.«

»Wir waren nicht kompakt genug und haben nicht gut zusammengearbeitet«

»In vier Minuten zwei solche Tore einzufangen, ist einfach dumm«, bemerkte Jonas Hofmann. Die Borussen hatten noch Glück, dass sie in dieser Phase von Berlin nicht gänzlich abgeschossen wurden. In der Pause sollte dann alles auf null gestellt werden, Hecking nahm gleich zwei Wechsel vor. »Wir hatten dann die Riesenchance von Plea, als er allein vor Jarstein steht«, sagte der Coach. »Da hätten wir das 2:2 machen können.«

Doch stattdessen fingen sich die Borussen den vorentscheidenden Konter zum 1:3. »Es war zu einfach für Hertha«, ärgerte sich Thorgan Hazard. »Wir waren heute nicht aggressiv genug und hätten mehr Zweikämpfe gewinnen müssen.« Zwar kam der VfL durch den Kopfballtreffer von Plea nochmals heran, doch Duda sorgte für die Entscheidung. Auch beim vierten Berliner Tor war die Gladbacher Gegenwehr ungenügend. »Wir waren nicht kompakt genug und haben nicht gut zusammengearbeitet«, monierte Hazard.

»Der Trainer hat auch in der Halbzeit gesagt, dass wir viel zu wenig Zweikämpfe gewinnen und wir bissiger und aggressiver sein müssen«, sagte Jonas Hofmann. »Wir hatten teilweise gar keinen Zugriff. Es war generell heute einfach nicht genug.«

So schlichen die Borussen mit ratlosen Minen durch die Katakomben des Olympiastadions in Richtung Mannschaftsbus. Wenn die Gladbacher etwas Positives aus Berlin mitnehmen konnten, dann die Tatsache, dass es am Mittwoch bereits weitergeht. »Jetzt müssen wir nicht alle eine Woche dran knabbern, sondern schnell die Lehren draus ziehen und zeigen, dass das heute untypisch für uns war«, sagte Matthias Ginter. Klar ist, dass man auch gegen Frankfurt mit einer Zweikampfquote von 39 Prozent nicht bestehen kann.

 


von Nadine Basten, Jan van Leeuwen und Marc Basten

 

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