Kann Raffael die Last schultern?

Auf Raffael kommt es an

von von Marc Basten
Raffael kommt gut durch die Vorbereitung (Foto: TORfabrik.de)

Raffael kommt gut durch die Vorbereitung (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach hat mit Raffael einen Angreifer, dessen Qualitäten unbestritten sind. Ihn braucht die Fohlenelf wie keinen Zweiten - und zwar in Topverfassung. Kann der Brasilianer die mit 32 noch konstant abrufen?

Die Offensivabteilung von Borussia Mönchengladbach ist nominell stark besetzt, dennoch wird sie von vielen als die Problemzone ausgemacht. Fakt ist, dass die Mannschaft insgesamt zu wenig Tore aus dem Spiel heraus erzielt, gerade im Verhältnis zur Anzahl der herausgespielten Chancen.

Das hat in der vergangenen Rückrunde ein besseres Abschneiden in allen drei Wettbewerben gekostet. Ein Grund dafür war, dass Topstürmer Raffael gerade in der ›Crunch-Time‹ fehlte bzw. unter den Folgen einer von Verletzungen durchzogenen Spielzeit litt.

Dabei hatte es für den Brasilianer so gut angefangen. Bei der Gala gegen Bern in den Play-Offs zur Champions League attestierten wir ihm ein ›sagenhaftes Spiel‹. Die Note 1,0 erhielt er in dieser Saison nur noch ein weiteres Mal - beim denkwürdigen Heimspiel gegen den FC Barcelona. Die zwei Partien zuvor in Leipzig und gegen Ingolstadt hatte Raffael wegen muskulärer Probleme verpasst, doch beim Highlight gegen Barça stand er wieder auf dem Platz.

Ein hoher Preis für eine Weltklasse-Halbzeit

Was Raffael da abzog, verdiente ohne den geringsten Zweifel das Prädikat Weltklasse. Wer sich die erste Halbzeit nochmal anschaut, wird mit der Einschätzung übereinstimmen, dass an diesem Abend im September 2016 der beste Raffael aller Zeiten wirbelte. Leider war diese Gala kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit beendet - Raffael musste mit einem Muskelfaserriss ausgewechselt werden.

Angesichts der Vorgeschichte bleibt die Feststellung, dass man mit Raffaels Einsatz gegen Barcelona bewusst ein hohes Risiko eingegangen ist, wofür ein hoher Preis gezahlt wurde. Raffael fehlte in den sechs folgenden Partien und fand anschließend, als die Mannschaft kollektiv im Abwärtsstrudel steckte, nicht zur gewohnten Leistungsstärke.

Nach dem Jahres- und Trainerwechsel ließ er zunächst beim torlosen Auftakt in Darmstadt eine Mega-Chance liegen, ehe er eine Woche später beim so wichtigen Auswärtssieg in Leverkusen bei der Aufholjagd eine Hauptrolle einnahm. Doch bevor es richtig losging, erwischte es den Brasilianer erneut. Probleme mit dem Oberschenkel kosteten ihn fünf Pflichtspiele, u.a. verpasste er das 4:2 in Florenz.

Die Mannschaft konnte den Qualitätsverlust nicht auffangen

Als er wieder zur Verfügung stand, begann die besagte heiße Phase der Saison. Doch Raffael war der fehlende Rhythmus deutlich anzumerken. Als er sich gerade zu stabilisieren schien, erlitt er beim Derby in Köln eine Innenbanddehnung im Knie. Ohne Raffael verpatzte die Mannschaft den Schlussspurt Richtung Europa und verlor das Halbfinale gegen Frankfurt. Erneut fehlte er fünf Spiele am Stück.

Am Ende der Mammutsaison kam Borussias wichtigster Angreifer nur in 31 von 51 Partien zum Einsatz. 13 Tore sind wettbewerbsübergreifend zwar noch ein ordentlicher Wert, doch auffangen konnte die Mannschaft den Qualitätsverlust nicht.

So begleitet die Fohlenelf anderthalb Wochen vor dem Pflichtspielauftakt zur Saison 2017/2018 die bange Frage: Kann Raffael die Last schultern? Er ist weiterhin der Topstürmer, aber er ist immerhin schon 32 Jahre alt. Nach einer Saison mit vielen hartnäckigen Verletzungen wäre es recht mutig davon auszugehen, dass er diesmal beschwerdefrei durchs Jahr kommt.

Raffael zweifelt nicht an seinem Körper

Die bisherige Vorbereitung macht zumindest Hoffnung, dass Raffael in stabiler und guter Verfassung starten kann. Der Brasilianer lässt die oft anstrengenden Einheiten meist mit leicht melancholischem Gesichtsausdruck über sich ergehen und ist weit davon entfernt, sich den Titel des ›Trainingsweltmeisters‹ einzuheimsen. Aber die Belastungssteuerung scheint zu funktionieren, Raffael wirkt von Woche zu Woche fitter.

Dieter Hecking ist diesbezüglich entspannt. »Da brauchen wir überhaupt nicht drüber zu reden, Raffa weiß genau, was er braucht. Er weiß, wo er im Training dran ziehen muss und wo er vielleicht auch mal fünfe gerade sein lassen kann. Das ist Raffa. Aber wir alle wissen, was er für unser Spiel bedeutet. Immer wenn es gefährlich wird, ist er irgendwo beteiligt. Das ist eine Qualität, die haben nur ganz wenige.«

Raffael selber spricht von noch »guten Jahren«, die er vor sich hat. Er zweifelt nicht daran, dass sein Körper mitspielen wird. Für Borussia wird es eminent wichtig sein, dass der Brasilianer fit bleibt und beständig auf hohem Niveau spielen kann. So außergewöhnlich wie damals gegen Barcelona muss es gar nicht sein.

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