Einzelkritik: SV Sandhausen - Borussia Mönchengladbach 0:1

Weitergekommen unter erschwerten Bedingungen

von Einzelkritik: SV Sandhausen - Borussia Mönchengladbach 0:1

Denis Zakaria beglückwünscht Marcus Thuram zum Tor des Tages (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach ist nach einem komplizierten Spiel unter erschwerten Bedingungen in Sandhausen in die zweite Pokalrunde eingezogen. Dass vor allem fußballerisch noch viel Luft nach oben ist, zeigt auch die Einzelkritik.

Yann Sommer: Führte die Mannschaft als Kapitän aufs Feld und unterstrich im Verlauf der Partie seine gute Form. Zwar wurde er nicht so gravierend gefordert wie beim letzten Test gegen Chelsea, doch Borussias Keeper musste schon einige Male seine Klasse unter Beweis stellen. So parierte er die Distanzschüsse von Förster und Linsmayer, die als Aufsetzer aufgrund der Bodenverhältnisse anspruchsvoll waren. Nach der Pause hatte er bei einem Abschluss außerhalb des Sechzehners Mühe und ließ den Ball prallen - zum Glück war kein Sandhauser zum Rebound zur Stelle. Zwei weitere Pflichtaufgaben löste der Schweizer, ehe er in der Nachspielzeit bei einem hohen Ball Schwierigkeiten hatte, die Situation aber bereinigen konnte. Note 2,5.

Stefan Lainer: Begann mit einem Fehlpass und hatte dann eine ›Fast-Chance‹, die zur ersten Ecke führte. Ausgangspunkt dieser Szene war eine gelungene Balleroberung des Österreichers. Insgesamt wählte Lainer die Momente mit Bedacht, in denen er nach vorne preschte. Es gab nur wenige Situationen, in denen er richtig weit aufrückte. Am Ball war er nicht sonderlich auffällig - gelungene Flachpässe im richtigen Tempo wechselten sich mit missratenen Anspielen ab. Im zweiten Durchgang verstolperte er einmal den Ball, was einen Gegenangriff zur Folge hatte. In der Endphase klärte Lainer zweimal aufmerksam bei flachen Hereingaben. Wie sich schon in der Vorbereitung angedeutet hatte, baute der Österreicher im Schlussdrittel der Partie nicht ab, sondern legte sogar zu. Note 3,5.

Matthias Ginter: Eine sehr konzentrierte und abgeklärte Vorstellung des Nationalspielers. Räumte in Zusammenarbeit mit Elvedi unzählige lange Bälle ab, die von den Gastgebern an den Gladbacher Sechzehner geschlagen wurden. Ginter gab sich keine Blöße bei der Verteidigungsarbeit. Im Spielaufbau ging er zwei-, dreimal energisch mit über die Mittellinie. Dagegen missrieten mehrfach seine Versuche, mit langen Bällen einen Abnehmer zu finden. Nach einer halben Stunde wurde er an der Außenlinie von Scheu böse abgeräumt - das Sprunggelenk wurde in Mitleidenschaft gezogen. In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs rasselte er im Luftkampf mit Sommer zusammen und musste behandelt werden, weil ihm die Luft wegblieb. Ginter biss auf die Zähne und spielte ohne Fehl und Tadel durch. Note 2,0.

Nico Elvedi: Nach den Wacklern bei der Generalprobe gegen Chelsea stand der Schweizer in Sandhausen unter besonderer Beobachtung. Diesmal leistete er sich keine Nachlässigkeiten, sondern blieb über die volle Distanz fokussiert und wachsam. Die zahlreichen hohen und weiten Anspiele des Zweitligisten an den Borussenstrafraum räumte Elvedi im Duett mit Ginter in stoischer Ruhe ab. In den Zweikämpfen war er eng am Mann und als es nötig wurde, griff er gegen Gislason auch mal zum Foulspiel. Im Spielaufbau war er deutlich zurückhaltender als Nebenmann Ginter - dafür fanden nahezu alle Anspiele einen Mitspieler. Stark, wie Elvedi Anfang der zweiten Halbzeit aufmerksam einen Ball abfing und nach einem kurzen Antritt das Spiel mit einem perfekt getimten Pass auf Thuram eröffnete. So etwas sollte er sich ruhig öfter zutrauen. Note 2,0.

Oscar Wendt: Hatte seine liebe Mühe und teilweise auch Not mit der ›Zöpfchen-Fraktion‹ auf Sandhausens rechter Seite. Sowohl Gislason als auch Diekmeier drängten mit Tempo und Körperlichkeit nach vorne und brachten Wendt mehrfach in Verlegenheit. Zwei-, dreimal blockte der Schwede rechtzeitig, jedoch ließ er auch einige Hereingaben zu einfach zu. Dass Diekmeier trotz Begleitung durch Wendt bis zur Grundlinie kommt und den Ball vors Tor bringt, darf nicht sein. Im zweiten Durchgang klärte er zwar einmal per Hacke, doch zwei arg lässige Verteidigungsversuche missrieten. Im weiteren Verlauf der Partie fand Wendt einige Male den Anschluss nach ganz vorne, ein guter flacher Rückpass von der Grundlinie hätte fast zu einer Torchance geführt. Note 4,0.

Tobias Strobl: Als Sechser nahezu durchgehend im Brennpunkt des Geschehens. Er bestritt viele Zweikämpfe und wurde hier und da zu Foulspielen genötigt, um Schlimmeres zu verhindern. Bei eigenem Ballbesitz wurde er meist sehr zeitig unter Druck gesetzt, so dass ein ruhiger Aufbau kaum möglich war. In Bedrängnis war einiges an Streuung in Strobls Passspiel. Mehreren präzisen flachen Eröffnungen stand auch eine gewisse Anzahl an Bällen ins Niemandsland gegenüber. Perfekt war die gechippte Hereingabe mit Unterschnitt aus dem Halbfeld auf Thuram zum Tor des Tages. Im zweiten Durchgang kamen die Gastgeber einige Male zu einfach zentral durchs Mittelfeld, ohne dass Strobl Zugriff bekam. Stabiler wurde das Gebilde, als nach der Einwechslung von Johnson umgestellt wurde und Zakaria als zweiter Sechser neben Strobl spielte. Strobl musste zwar bis in die Nachspielzeit ackern - und stand auch bei einem Gerangel mit Türpitz seinen Mann -, ließ aber nichts mehr anbrennen. Note 3,5.

Denis Zakaria: Als rechter Achter konnte er im engmaschigen Mittelfeld nur sehr selten seine gefürchteten Antritte starten. Zakaria mischte zwar mit, hatte aber nur wenige auffällige Szenen. Die erste war eine gute scharfe Hereingabe von rechts, die Thuram in der Strafraummitte knapp verpasste. In der Defensive gelangen ihm mehrere Balleroberungen, im Spiel nach vorne blieb Zakaria weitestgehend wirkungslos. Als nach der Einwechslung von Johnson umgestellt wurde, rückte er in die Mitte als zweiter Sechser neben Strobl. Zakaria sorgte aus dieser Position heraus für Stabilität und war zudem Ausgangspunkt einiger vernünftiger Spielzüge. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Als Achter auf der linken Seite auffälliger als sein Pendant Zakaria. Mit schnellen Abspielen sorgte er auch in der Phase, als Sandhausen sehr hoch verteidigte, für Lösungsansätze. Mehrfach spielte er den ersten gelungenen Vertikalpass, musste dann aber mit ansehen, wie der Angriff verpuffte. Aus einer gelungenen Balleroberung von Hofmann folgte nach einer guten Viertelstunde ein Freistoß, den er etwas zu zentral in die Arme des Torwarts schoss. Auch die Ecken - nicht ungefährlich - wurden von Hofmann getreten. Am Spielzug zum 1:0 war er mit dem Pass auf Assistgeber Strobl beteiligt. Nach einer gelungenen Kombination startete Hofmann bis zum Fünfer durch, sein Schuss aufs kurze Eck wurde abgewehrt. Kurz vor dem Pausenpfiff wurde er im Luftkampf von Gislason abgedrängt und knallte unkontrolliert auf den Rasen. Die Folge: Das Spiel war für Hofmann beendet, der mit einem Innenbandriss im rechten Knie länger ausfallen wird. Note 2,5.

Florian Neuhaus: Als zentraler Mann in der Mittelfeldraute zunächst fast ausschließlich in der eigenen Hälfte gebunden. Die hoch positionierten Gastgeber sorgten dafür, dass sich Neuhaus in vielen Defensivzweikämpfen wiederfand. Die nahm er zwar an, doch vor allem Gislason konnte sich durchsetzen, weil Neuhaus zu zaghaft agierte. Im Gladbacher Umschaltspiel war bei Neuhaus mehrfach Endstation, weil er die Bälle nicht sichern konnte bzw. zu unpräzise weiterspielte. Erst nach und nach kam er etwas besser in die Partie, blieb bei seinen Aktionen jedoch eher unglücklich. So spielte er nach einem eigentlich vielversprechenden Dribbling links im gegnerischen Strafraum einen ›Missverständnis-Pass‹ zum abwesenden Adressaten Wendt. Aufgrund der verletzungsbedingten Auswechslung von Hofmann zur Pause rückte Neuhaus auf dessen Position, Embolo übernahm derweil die Neuhaus-Rolle. Als Johnson kam und auf 4-2-3-1 umgestellt wurde, spielte Neuhaus wieder zentral. Bei einigen Kombinationsansätzen war Neuhaus beteiligt, eine ›Schuss-Hereingabe‹ aus spitzem Winkel zehn Minuten vor Schluss war seine auffälligste Offensivaktion. Ansonsten missriet eine Freistoßflanke von halbrechts genauso wie der Versuch eines Schlenzers. Note 4,0.

Alassane Plea: Begann schon frühzeitig, sich aufgrund des hoch angreifenden Gegners fallenzulassen, um Bälle abzuholen. Der erste Versuch missglückte, als er mit einem viel zu großen Wendekreis agierte und den Ball verlor. In der Folgezeit zog er jedoch einige Male sehr geschickt auf und startete mit Ball am Fuß durch. So bereitete er u.a. die Beinahe-Möglichkeit von Lainer vor und beschwor zwei-, drei weitere gefährliche Situationen herauf. Als Zielspieler für lange Bälle konnte er sich dagegen weniger behaupten, bei einem Konter legte er sich das Leder zu weit vor und wurde gestoppt. Plea machte viele Wege und auch wenn er keinen Torabschluss hatte, so strahlte er doch eine gewisse Gefahr aus. Im Verlauf der zweiten Halbzeit brachte er eine sehr gefährliche Freistoßflanke von halbrechts vors Tor, zwei Minuten später geriet eine Freistoßhereingabe von links flach und schwach. Note 3,5.

Marcus Thuram: War in der Anfangsphase kein Faktor, bekam kaum Anspiele und lief meist nur vergeblich hinterher. Erstmals in Abschlussnähe kam er nach einer scharfen Hereingabe von Zakaria, als ein Sandhauser noch gerade eben dazwischenfunkte. Perfekt war sein Kopfball zum Tor des Tages nach der feinen Flanke von Strobl. Thuram spekulierte richtigerweise auf den Stellungsfehler des Gegenspielers und traf dann mustergültig per Flugkopfball ins lange Eck. Halbfeldflanke, Kopfball, Tor - eine Rarität bei Borussia. Im weiteren Verlauf brachte Thuram in einigen Situationen seine Wucht und Körperlichkeit ein. Ärgerlicherweise übersah der Schiedsrichter ein Foulspiel an Thuram, als dieser nach Zakaria-Anspiel alleine aufs Tor hätte zulaufen können. Nach der Pause startete der Franzose ein schönes Dribbling über rechts in den Strafraum, blieb in letzter Instanz jedoch hängen. Auch nach einem Konter, als er sich zunächst stark behauptete, wurde er noch entscheidend gestört. In der 62. Minute wurde Thuram durch Johnson ersetzt. Note 3,5.

Breel Embolo: Kam zur zweiten Halbzeit für den verletzten Hofmann und rückte auf die zentrale offensive Position in der Mittelfeldraute, während Neuhaus die Hofmann-Rolle übernahm. Embolo kam nur schwer in Tritt und stellenweise lief das Spiel komplett an ihm vorbei. Wie es gehen könnte, zeigte er mit einer guten Ballbehauptung auf der halbrechten Seite, bei seinem Zuspiel in die Box reagierte Neuhaus allerdings zu spät. Nach der Einwechslung von Johnson und der Systemanpassung rückte Embolo im offensiven Dreiermittelfeld auf die rechte Seite. Dort gefühlt öfter eingebunden, ohne sich wirklich in Szene setzen zu können. In der Endphase, als er mit Johnson die Seite getauscht hatte, wurde er von Diekmeier fies gecheckt und bekam kurz darauf noch einen versteckten Tritt auf den Knöchel. Das hatte der Schiedsrichter nicht gesehen und weil sich Embolo fürchterlich aufregte, sah er Gelb. Er musste schließlich von den Mitspielern und Trainer Rose aus der ›Gefahrenzone‹ gezogen und geschubst werden. Note 4,0.

Fabian Johnson: Kam nach einer Stunde für Thuram und übernahm im neu gebildeten Dreiermittelfeld hinter der einzigen Spitze Plea und vor der Doppelsechs die linke Seite. Er brauchte keine lange Anlaufzeit, auch wenn zu Anfang ein Pass im Seitenaus landete. Johnson war fleißig in der Defensive und ging bei nahezu jedem Spielzug mit nach vorne. Zwei- oder dreimal war er der Adressat von guten Zuspielen, ohne dass er den Angriff abschließen konnte. Note 3,5.

László Bénes: Kurzeinsatz in der Nachspielzeit für Zakaria, als an der Uhr gedreht wurde. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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