Ernüchterung nach der missglückten Premiere

»Wir strotzen nicht vor Selbstvertrauen«

von von Marc Basten und Nadine Basten
Es wird komplizierter für Eberl & Co. (Archivfoto: Team2 Sportphoto)

Es wird komplizierter für Eberl & Co. (Archivfoto: Team2 Sportphoto)

Die Premiere in der Champions League ist für Borussia Mönchengladbach gehörig in die Hose gegangen. Mit dem 0:3 in Sevilla war die Fohlenelf am Ende noch gut bedient. All das, was das Team in der Vergangenheit ausgezeichnet hat, wurde in Andalusien vermisst.

Dass Borussia die Champions League ›rocken‹ würde, davon haben kühnste Optimisten vielleicht in der Sommerpause geträumt. Spätestens seit dem verpatzten Ligaauftakt und den deutlich zutage getretenen Problemen wurde das ›Abenteuer Königsklasse‹ als eine Art Bonuswettbewerb eingeordnet, bei dem man sich vielleicht etwas von der verlorengegangenen Sicherheit zurückholen könnte. Doch nach dem Dienstagabend in Sevilla ist klar: Die Champions League taugt für diese Borussia nicht als Jungbrunnen.

So klingen die Statements von Sportdirektor Max Eberl nach dem Abpfiff schon ein wenig wie der Griff nach dem berühmten Strohhalm. »In der ersten Halbzeit waren die Ansätze da und daran müssen wir festhalten«, so Eberl. Mit einem 0:0 hatte man sich in die Pause gerettet. Freilich mehr schlecht als recht. »Mit dem Ergebnis konnten wir zufrieden sein«, meinte Lucien Favre. »Aber Sevilla hatte im ersten Durchgang schon drei sehr gute Chancen und wir vielleicht eine«.

Favre hatte sein Team nominell nur dahingehend verändert, als dass für den verletzten Martin Stranzl Ibrahima Traoré auflief. Doch der Schweizer nahm im Vergleich zum Hamburg-Spiel viele interne Verschiebungen vor, die nicht wirklich etwas bewegten. Jeder Spieler war sichtlich mit sich selbst und dem Rucksack beschäftigt, den er geschultert hatte. Hilfestellung für den Nebenmann, Gladbachs Basis des Erfolgs, war nicht drin.

»Die Mannschaft muss gemeinschaftlich verteidigen und gemeinschaftlich angreifen«, beschwor Eberl. Doch offensiv wie defensiv blieb fast alles Stückwerk. »Kindliche Naivität« hatte der Sportdirektor nach dem HSV-Spiel ausgemacht. In Sevilla gab es davon zur Genüge.

So kamen auch die drei Elfmeter zustande, die Borussia letztlich das Genick brachen. Der erste Strafstoß wurde durch einen Fehler des total indisponierten Lars Stindl eingeleitet. »Natürlich war da der Ballverlust von Stindl und Tony muss früher attackieren, der Spieler darf sich nicht drehen und flanken«, analysierte Lucien Favre die Situation, in deren Folge der Schiedsrichter einen (unberechtigten) Elfmeter gegen Yann Sommer pfiff. »Vitolo ist der beste Schauspieler der Welt, das wusste ich seit langem«, meinte Favre.

Wenige Augenblicke später kam Vitolo erneut in der Box zu Fall. Diesmal war der Kontakt mit Brouwers deutlich. »Aber dass er da so einfach in den Strafraum laufen kann ... unglaublich«, wunderte sich Favre. Später besorgte Jantschke den dritten Elfmeter und schließlich besiegelte Sommer die Pleite mit einem halben Eigentor.

»Wir hatten zu wenig Ballbesitz, um das Spiel wie noch vor einigen Monaten zu kontrollieren«, so Favre. Als die Spanier sich nach dem 2:0 zurückzogen und die Gladbacher etwas mitspielen ließen, blieben diese harmlos. »Sevilla hat verdient gewonnen, keine Frage. Wir haben derzeit keine ideale Situation, das ist klar«.

»Im Moment strotzen wir nicht vor Selbstvertrauen, aber das müssen wir uns wieder holen«, forderte Max Eberl. Der erhoffte Befreiungsschlag war die Dienstreise nach Sevilla nicht und selbst als kleiner Mutmacher taugt die Premiere in der Champions League nicht. Dennoch bringt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. »Es geht weiter«, sagte Eberl. Am Samstag ist Derby - unter den wohl miesesten Voraussetzungen, die man sich vorstellen kann.

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