Einzelkritik: Istanbul Basaksehir - Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:0)

Viele Unzulänglichkeiten bei Borussias Auftritt in Istanbul

von Einzelkritik: Istanbul Basaksehir - Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:0)

Die Borussen-Startelf vom Spiel in Istanbul (Foto: Ozan Kose / AFP / Getty Images)

Borussia hatte gegen Istanbul Başakşehir mehr vom Spiel, doch Unsauberkeiten und zu wenig Struktur sorgten dafür, dass es um ein Haar die zweite Niederlage in der Europa League gesetzt hätte. Überzeugen konnten die Borussen in Istanbul nicht.

Yann Sommer: Verhinderte mit einer wirklich tollen Parade eine ganz frühe Führung der Türken, als er den Gewaltschuss von Aleksic parierte. Auch Visca fand zunächst seinen Meister im Schweizer, als er von rechts abschließen durfte. Bei seinem Treffer machte es Visca dann besser und ließ Sommer keine Chance. Bei einem Flatterball aus der Distanz hatte Sommer das Glück des Tüchtigen. Im Verlauf der zweiten Halbzeit wurde er nur noch bei einem Flachschuss ernsthaft geprüft, den er sicher parierte. Note 2,0.

Stefan Lainer: Vom Einsatzwillen her ist ihm nichts vorzuwerfen, er setzte bei Ballverlusten direkt nach. Das ist lobenswert, doch die Vielzahl der Ballverluste stimmt nachdenklich. Da die Hausherren den Österreicher oft gemeinsam bearbeiteten, wurde deutlich, dass Lainer unter Druck wenig Lösungen findet. Das war u.a. bei einem einfach ins Aus geschlagenen Ball zu sehen. Das fehlende Selbstvertrauen an diesem Abend zeigte sich auch bei einem hohen Ball, den er freistehend nicht annahm, sondern blind nach vorne köpfte - zum Gegner. Beim Gegentor kam er dem Torschützen noch am nächsten, konnte aber nicht mehr eingreifen. Note 4,0.

Matthias Ginter: Hatte im Spielaufbau wechselenden Erfolg mit seinen Seitenverlagerungen, machte es insgesamt aber solide. Defensiv war es zeitweise sehr wackelig – zu oft werden aus ‚toten‘ Situationen doch noch plötzlich Gefahrenherde. Dann reichte schon eine Hereingabe aus dem Halbfeld, um für Panik zu sorgen – auch bei Ginter. Er blieb zwar in einigen Duellen standhaft, dennoch muss er im Verbund mehr organisieren. Dabei ist mehr gefragt, als den Mitspieler nach einem Stellungsfehler anzupflaumen – wie es Ginter mit Lainer machte. Beim Gegentor schaltete er zu spät, um Visca, der in Ginters Rücken entwischte, noch stellen zu können. Gegen Ende der Partie verschätzte er sich in der Annahme, dass der Ball ins Seitenaus trudeln würde, was nicht der Fall war. Note 4,5.

Nico Elvedi: Begann mit einem unnötigen Fehlpass im Spielaufbau und nur wenig später unterlief ihm ein weiteres Abspiel in die Füße eines Gegners. Phasenweise wirkte Elvedi arg teilnahmslos, was sich auch dadurch bemerkbar machte, dass er das ein oder andere Mal bei Flanken wie in Schockstarre verharrte. Bei einem langen, hohen Ball köpfte er unter leichtem Druck zu kurz in Richtung Wendt. Sah Gelb für ein Foul im Mittelfeld, als er auf dem Rückweg nach einer eigenen Standardsituation einen Umschaltangriff unterbinden wollte und zu spät kam. Note 4,5.

Oscar Wendt: Trat wie zuletzt schon die Ecken von der rechten Seite, die vom Torwart ziemlich einfach gepflückt werden konnten. Auf links holte Wendt selber eine Ecke heraus. In einer Situation ließ er sich von Calcara vernaschen, später verlor er nach einem langen Schlag ein Laufduell. Vor dem 0:1 war Wendt mit seinem Ballverlust ursächlich beteiligt. Im Spiel nach vorne war er zwar eingebunden, ohne jedoch nachhaltig etwas bewegen zu können. Um eine frische Offensivbrise zu bringen, wurde er eine Viertelstunde vor Schluss durch Bensebaini ersetzt. Note 4,5.

Denis Zakaria: Diesmal wieder als alleiniger Sechser aufgeboten, war Zakaria Borussias bester Feldspieler. Er versuchte, sich mehrmals bei Anspielen mit Körpertäuschungen zu lösen, um den direkten Weg nach vorne einzuschlagen. Das gelang nicht immer, dennoch brachte er so Dynamik ins Spiel. Als ‚Abfangjäger‘ war Zakaria sehr stark. Er hatte viele Balleroberungen und wenn es darum ging, bei Umschaltsituationen von Başakşehir lang geschlagene Bälle abzufangen, konnte ihm kein Gegner das Wasser reichen. Mit hohem Tempo und riesigen Schritten hielt er seinen Kollegen mehrmals den Rücken frei. Note 3,0.

Christoph Kramer: Rechts in der Raute aufgeboten, war er in der Anfangsphase eigentlich recht gut im Spiel. Er gewann seine Zweikämpfe und gefiel durch solides und sicheres Auftreten. Seine Flanke auf den Kopf von Thuram führte zu Borussias bester Chance im ersten Durchgang. Ein Sololauf in den Sechzehner versandete, weil sich Kramer den Abschluss nicht zutraute und den Moment für ein Abspiel verpasste. Im Verlauf der ersten Halbzeit wurde er unruhiger, hatte Probleme bei der Ballverarbeitung und war weniger dicht am Mann. Sah Gelb in einer Situation, als seine Aktion vom Schiedsrichter zunächst nicht geahndet wurde, dann aber das Kommando vom vierten Offiziellen kam. Unmittelbar darauf wurde Kramer durch Herrmann ersetzt. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Hatte schon in der eigentlich guten Phase zu Beginn seine Probleme mit Positionierung und Timing. Am Ball oft suchend, fehlerbehaftet und wenig intuitiv. Regelrecht nervig sind seine ‚Quadratmeterdribblings‘, bei denen er in kürzester Zeit mehrere Drehungen am Ball macht und nicht vorankommt. Er verpasst das Abspiel und verzettelt sich dann stillstehend. Neuhaus hatte ein paar Aktionen am und im Strafraum, die ohne Abschluss blieben. Nach einem Schuss in den Pulk reklamierte er nach einem ‚Flipperball‘ Handspiel, was aber nicht geahnet wurde. Nach der Hereinnahme von Herrmann zentral neben Zakaria positioniert, ohne nennenswerte Impulse setzen zu können. Note 5,0.

Breel Embolo: Mit einem technisch feinen und funktionellen Trick spielte er sich in der Anfangsphase frei und bediente Plea mustergültig. Wenig später erneut mit einem perfekten Anspiel zu Plea in die Spitze, der jedoch beide Male nichts daraus machte. Im weiteren Verlauf hatte Embolo noch zwei, drei gute Szenen, ehe er unauffälliger wurde. Zur zweiten Halbzeit übernahm er die Position von Plea neben Thuram und als später umgestellt wurde, war er die einzige Spitze. Dort weniger in Erscheinung getreten, abgesehen von einem Tempolauf über den halben Platz, mit dem er eine Ecke herausholte. Als Anspielstation nur halbherzig von den Mitspielern gesucht. In einer Aktion über die rechte Seite hätte er den Ball eigentlich locker mitnehmen können, schoss das Leder jedoch ideenlos auf die verwaiste Gegenseite. Note 3,5.

Marcus Thuram: Tankte sich einmal gut durch über die rechte Seite, wartete dann aber zu lange mit dem Zuspiel auf Lainer. Thuram hatte die einzig wirkliche Chance der ersten Halbzeit, als er nach Kramer-Flanke wuchtig aufs Tor köpfte, doch der Keeper konnte den Ball zur Ecke lenken. Ansonsten wenig wirkungsvoll, weil er sich mit Ungenauigkeiten selbst aus dem Rhythmus brachte und auch manchen sinnbefreiten Laufweg machte. Nach der Systemumstellung im Verlauf der zweiten Halbzeit auf der rechten Seite unterwegs, aber sehr schwerfällig und ohne Gefahr heraufzubeschwören. Note 4,5.

Alassane Plea: Hätte in den ersten sieben Minuten für einen deutlich entspannteren Abend sorgen können. Zwei perfekte Pässe bekam er von Embolo in den Lauf gespielt. Flach und von der Geschwindigkeit her ideal, doch Plea scheiterte kläglich bei der Mitnahme, wodurch zwei dicke Chancen zunichtegemacht wurden. Später setzte er einen Schuss aus der Drehung am Tor vorbei, einen Freistoß schoss er in die Mauer und den Nachschuss neben den Kasten. Plea spielte weiter unsauber und mit ungewohnt vielen technischen Unzulänglichkeiten. Verletzte sich kurz vor der Pause am Sprunggelenk und blieb zur zweiten Halbzeit draußen. Note 5,0.

Raffael: Ersetzte Plea im zweiten Durchgang und übernahm die Embolo-Position hinter den Spitzen. Er begann mit einer zu kurzen Freistoßflanke, die anschließende Ecke geriet zu lang. Danach mit einer ordentlichen Leistung, weil er versuchte, spielerische Akzente zu setzen. Entweder durch Kombinationen und Doppelpässe – auch wenn einige zu durchsichtig waren – oder durch Einzelaktionen, wie bei seinem guten Solo. Schoss einige gute Ecken und bereite mit einem ruhenden Ball den Ausgleich vor. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Wurde für Kramer eingewechselt und übernahm zunächst kurz dessen Position, ehe er links in die Dreierreihe hinter Embolo rückte. Er mühte sich, zeigte Einsatz und holte sich auch eine Gelbe Karte ab, fand sich aber nicht wirklich zurecht. Beim Tor spekulierte er richtig und stand da, wo er stehen musste. So sorgte für den wichtigen Ausgleich. Ohne Note.

Ramy Bensebaini:Löste Wendt in der letzten Viertelstunde ab. Er gewann einen Ball mit einem Sprint in der Rückwärtsbewegung durch eine klassische Grätsche. Bensebaini brachte fraglos Schwung, wobei er sowohl im Passspiel als auch bei Flanken das Visier nicht gut eingestellt hatte. In der Nachspielzeit lieferte er mit seinem Lattenschuss den Assist zum Ausgleich. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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