Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Wolfsberger AC 0:4 (0:3)

Albtraum statt magischer Europapokal-Nacht

von Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Wolfsberger AC 0:4 (0:3)

Dieses Team schrieb unfreiwillig Geschichte in Mönchengladbach: Die 0:4-Verlierer gegen Wolfsberg. (Foto: TORfabrik.de)

Die Rückkehr auf die europäische Bühne wurde für Borussia Mönchengladbach zum Desaster. Beim 0:4 gegen den Underdog aus Wolfsberg kam kein Gladbacher in die Nähe seiner Normalform. Die Einzelkritik fällt entsprechend deutlich aus.

Yann Sommer: Vier Gegentore musste Borussias Kapitän hinnehmen, bei denen er nur wenig ausrichten konnte. Pech hatte Sommer beim 0:3, als er zunächst im Eins-gegen-Eins parierte, dann aber per Nachschuss überwunden wurde. Ansonsten konnte er bei den Einschlägen nichts ausrichten. Vorzuwerfen ist ihm nichts, gehalten hat er aber auch nicht viel. Ins Aufbauspiel wurde er wenig einbezogen. Note 3,5.

Stefan Lainer: Strahlte zumindest etwas von der Bissigkeit aus, die den meisten seiner Kollegen abging. Seine Bereitschaft zu kämpfen und Bälle zu erobern war erkennbar. Teilweise agierte er etwas sorglos und die Ballbehandlung war selten wirklich sauber. Dazu wurde er von den Gegenspielern sehr intensiv bearbeitet, so dass er im ersten Durchgang kaum Offensivaktionen hatte. Im Verlauf der zweiten Halbzeit trat er ein paarmal aufs Gas, lieferte den Pass zur Plea-Chance und ein Schuss landete auf dem Tornetz. Note 4,0.

Matthias Ginter: Beim ersten Gegentor konnte er nicht mehr eingreifen, bei den anderen ohne direkte Beteiligung, aber eben auch kein Faktor bei der Organisation des Defensivverbundes. Für einen Abwehrchef war es eine arg farblose Vorstellung. Ginter ist kein Mitreißer, wenn das Spiel in die falsche Richtung zu laufen droht. Auffällig, dass er in der Spieleröffnung quasi nicht vorhanden war. Auch nach der Pause, als er wie in der Nationalelf rechts in der Dreierkette spielte, trug er wenig zum Spielaufbau bei. Nach einem Standard hatte Ginter eine Kopfball-Chance, doch er legte den Ball quer - zu einem Wolfsberger. Note 5,0.

Nico Elvedi: Die leichte Richtungsänderung der abgefälschten Flanke vor dem 0:1 reichte aus, um Elvedi erstarren zu lassen. Wie auf Knopfdruck blieb er stehen, während Torschütze Weissman in seinem Rücken schnell schaltete. Vor dem 0:3 versuchte er noch mit einer Grätsche zu retten, kam jedoch nicht mehr hin. Im Aufbauspiel, bis auf zwei oder drei mutigere Pässe, ohne Wirkung. Zweimal schob er sich auch über die Mittellinie und traute sich ins Dribbling, nach der Pause lief er bei einem Konter der Gäste den Gegenspieler gekonnt ab. Dennoch wirkte Elvedi in vielen Situationen verunsichert und wenig abgeklärt. Note 5,0.

Ramy Bensebaini: In der Anfangsphase war er noch recht ordentlich unterwegs, doch mit dem 0:1, bei dem er den Ball entscheidend abfälschte, ging es den Bach runter. Unglücklich und teilweise auch ungeschickt geführte Zweikämpfe mischten sich mit technischen Unsauberkeiten und falschen Laufwegen. Nach der Pause, als auf Dreierkette umgestellt wurde und er eine Position nach vorne rückte, war er etwas aktiver. Seine beste Aktion war der gezirkelte Schuss mit rechts, der knapp vorbeiflog. Was er beim vierten Gegentreffer genau suchte, bleibt sein Geheimnis. Bensebaini hatte alles im Blick, nur Ball und Gegner nicht. Was er sich ganz schnell abgewöhnen (lassen) muss, ist die Theatralik und die Schauspielerei, die er - wie schon in Köln - erneut an den Tag legte. Note 5,0.

Denis Zakaria: Als Sechser in der Raute hielt er sich extrem zurück mit seinen Aktionen. Das war - gerade im Vergleich zu den Vorwochen - sehr untypisch. Über weite Strecken der ersten Halbzeit war er fast unsichtbar. Erst nach einer guten halben Stunde gab es eine vertikale Aktion zu notieren, als Zakaria in Richtung des gegnerischen Strafraums vordrang. Nach der Pause als mittlerer Mann der neu gebildeten Dreierkette unterwegs. Nach Zakarias Aussage ist dies nicht seine Position. Dennoch hinterließ er dort einen ordentlichen Eindruck, auch weil er einige Male bei Konteransätzen der Wolfsberger seine Schnelligkeit ausspielen konnte. Negativ haften blieb die Szene, als er über den Ball schlug, was eine weitere Chance der Gäste zur Folge hatte. Wenigstens war Zakaria noch einer, der hin wieder den allgemeinen Trott verließ und eine schnellere Aktion einstreute. Note 4,5.

Laszlo Bénes: Gehörte zu den Borussen, denen man in Bezug auf die Einstellung keinen Vorwurf machen kann. Als rechter Achter in der Raute versuchte er wenigstens, Unruhe zu stiften und für Gefahr zu sorgen. Ein gezirkelter Distanzschuss war ordentlich, ein Pass auf Neuhaus stark und die Plea-Großchance bereitete er mit einem Ballgewinn und direktem Umschalten stark vor. Ansonsten hatte Bénes einige gute Ideen, die schlecht ausgeführt wurden. Vor allem wartete er mit einem unterdurchschnittlichen Passspiel in den Momenten auf, wo er die Stürmer suchte. Damit machte er sich viel selbst zunichte. Beim vorentscheidenden 0:3 war Bénes ursächlich beteiligt, weil er das krumme Anspiel von Thuram nicht verarbeiten konnte und beim anschließenden Umschaltangriff dem Torschützen nur hinterherlief. Note 4,5.

Christoph Kramer: Wie in Köln als linker Achter aufgeboten. In Müngersdorf startete er wie ein Irrwisch mit viel Zweikampfintensität, diesmal war es komplett anders. Gepflegt die vermeintliche weltmeisterliche Überlegenheit schien Kramer ausspielen zu wollen, doch das ging komplett in die Hose. Weil Wolfsberg aggressiv war, weil Kramer zu behäbig agierte und weil sein erster Kontakt oftmals technisch unsauber war. So war er kein Faktor für das Spiel. Im Aufbau ließ er sich zwar einige Male zwischen die Innenverteidiger fallen, doch sein Passspiel beschränkte sich zumeist auf die kurze Ablage zur Seite. Nach der Pause, als die fünf Mann im Mittelfeld spielten, steigerte er sich nur unwesentlich. Note 5,0.

Florian Neuhaus: Eine ganz schwache Vorstellung von Neuhaus, der diesmal wieder in der zentralen Rolle in der Raute hinter den Spitzen aufgeboten wurde. Er ließ sich in den Zweikämpfen abdrängen, plumpste zweimal hilfesuchend auf den Boden - wohlgemerkt gegen körperlich nicht überlegene Gegenspieler. Vor dem 0:1 ließ sich Neuhaus düpieren und tunneln, etwas später ermöglichte sein zaghaftes Verhalten eine weitere Großchance für Wolfsberg. Beim 0:2 begleitete er Leitgeb bei der Freistoßflanke lediglich als interessierter Beobachter. Bei einer Aktion im Strafraum fehlte Neuhaus der Torjägerinstinkt, in einer anderen zögerte er nach gutem Lauf über rechts in den Sechzehner zu lange. Zur Pause blieb er draußen und wurde durch Embolo ersetzt. Note 5,0.

Marcus Thuram: Ein kompletter Ausfall. Er hatte nur ganz wenige gute Ansätze, die letztlich auch verpufften. So kam er einmal gut über links in den Strafraum, passte dann aber ungenau in die Mitte. Vor dem 0:3 leitete sein ‘Krankenhaus-Ball’ in Richtung Bénes das Unglück ein. Seine Wucht brachte Thuram nur gelegentlich auf den Platz, er hatte technische Probleme und es fehlt weiterhin am taktischen Verständnis. In einigen Situationen sah man deutlich, dass er zwar anlief, aber nicht genau wusste, ob der Weg stimmte. Kurz nach dem vierten Gegentor ausgewechselt. Note 5,0.

Alassane Plea: Lieferte ebenfalls eine unglückliche Vorstellung ab. Er bekam wenig brauchbare Anspiele und versuchte es (zu) oft mit eigensinnigen Aktionen. Einerseits ist es verständlich, wenn der Sturmpartner wenig auf die Kette bekommt, andererseits reicht es auch nicht, stets geradeaus mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Einen Konter, als man drei gegen zwei war, verstolperte er. Die Großchance aus fünf Metern musste er zwingend machen. Auch Plea wurde zur Schonung unmittelbar nach dem 0:4 ausgewechselt. Note 5,0.

Breel Embolo: Kam zur zweiten Halbzeit für Neuhaus. Das Spiel war beim Stand von 0:3 quasi gelaufen. Embolo zeigte ein paar Ansätze, konnte sich letztlich aber auch nicht mehr in Szene setzen. Ab und an stieß er in die Spitze, aber auch hier ohne eine entscheidende Aktion. Note 4,0.

Raffael: Ersetzte Thuram beim Stand von 0:4. Dass er nicht wirklich vor Begeisterung sprühte, kann man verstehen. Bei seinen paar Aktionen passte er sich dem Abend an: sie waren maximal unglücklich. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Kam für Plea und rückte mit nach vorne. Das Spiel war gelaufen, Herrmann konnte keine Akzente setzen. Ohne Note.

 


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