Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 1:1 (0:0)

Klare Leistungssteigerung - zu geringer Ertrag

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Florian Neuhaus auf dem Weg zum Führungstreffer (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach zeigte gegen Werder Bremen im veränderten System eine klare Steigerung zu den Vorwochen. Doch der Ertrag war mit Blick auf das ganz große Ziel mit dem einen Zähler zu gering.

Yann Sommer: Verhinderte das 0:1 mit einer starken Parade gegen Eggestein und wurde ansonsten im ersten Durchgang auf keine ernsthafte Probe gestellt. Sommer spielte einen riskanten Pass auf Strobl im Anschluss an einen Rückpass von Herrmann, was fast ins Auge gegangen wäre. Nach dem Seitenwechsel lenkte Sommer einen gefährlichen Kruse-Schuss über die Latte. Nach der Rakete von Rashica reagierte er hervorragend, warf sich nicht showmäßig hin und blieb auf den Beinen, so dass er den Kopfballrebound von Kruse so gerade mit einer Hand pflücken konnte. Beim Ausgleich war Sommer komplett ohne Abwehrchance, zwei Minuten später wehrte er einen Rashica-Schuss aufs kurze Eck gekonnt ab. Note 1,5.

Matthias Ginter: Als rechter Mann in der Dreierkette unterwegs und damit in der Rolle, die er zuletzt mehrfach in der Nationalmannschaft bekleidete. Ginter schaltete sich durchaus oft mit nach vorne ein, war aber zumeist wieder rechtzeitig hinten, wenn es notwendig wurde. Am Ball zeitweise mit zu langen Suchphasen und dem einen oder anderen Fehlpass, aber auch schönen Seitenverlagerungen auf Hazard. Nach einem Kramer-Zuspiel hatte er eigentlich Raum um zu schießen, entschied sich jedoch für eine Hereingabe, die abgefangen wurde. In vergleichbaren Situationen könnte Ginter mutiger sein. Dass er richtig schießen kann, zeigte er in der Schlussphase bei seinem Knaller, der wie ein Strich aufs Tor flog. Kurz zuvor wäre er nach einer Ecke fast erfolgreich gewesen, als er unter Bedrängnis knapp am Tor vorbei köpfte. Note 3,0.

Tobias Strobl: Agierte zentral in der Dreierkette und bot eine grundsolide Leistung. Er kam einige Male gut vor den Gegenspieler an den Ball, nur beim Kruse-Pass auf Eggestein passte Strobls Timing nicht. Als Werder nach einer Stunde den Druck erhöhte, gab es mehrere brenzlige Situationen. Einige Male blieb Strobl auch aufgrund der notwendigen Kantigkeit Sieger, ab und an kam er nicht hin, so als Osako sich zu einfach wegdrehen konnte. Bei eigenem Ballbesitz zumeist mit kurzen und risikolosen Pässen. Sein Fokus lag klar auf der Defensive. Note 3,0.

Nico Elvedi: Links in der Dreierkette aufgeboten, nachdem er zuletzt in der Schweizer Nationalmannschaft die rechte Position bekleidet hatte. Elvedi fand sich gut zurecht, auch wenn er vor der Eggestein-Chance auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Er wollte den Pass von Kruse abfangen, kam aber nicht hin und musste Eggestein ziehen lassen. Zweimal fing er den Ball ab und suchte den Weg nach vorne. Ansonsten rückte er nur selten so weit auf, wie sein Pendant Ginter. Vor dem Führungstreffer setzte er gut Druck auf Kruse, der beim Versuch Elvedis Zugriff zu entkommen, ausrutschte. Elvedi reagierte hellwach und spielte den präzisen Pass auf Neuhaus. In der Drangphase der Bremer blieb Elvedi standhaft und gewann einige wichtige Zweikämpfe. Note 3,0.

Patrick Herrmann: Spielte auf der rechten Seite im Fünfermittelfeld, was einen großen Aktionsradius beinhaltete. Bei eigenem Ballbesitz rückte er als Rechtsaußen mit nach vorne, im Umkehrspiel ging es zurück als verkappter Rechtsverteidiger. Das machte er vorbildlich und ging mit viel Herzblut zur Sache. Für eine Grätsche und anschließendem Nachsetzen bekam er Szenenapplaus. In einem intensiven Zweikampf mit Klaassen wehrte er sich mannhaft. Vorne spielte er einen guten Steckpass auf Neuhaus, dann knallte er den Ball mit vollem Risiko an den Außenpfosten. Bei seiner weiteren Schusschance nach dem feinen Zuspiel von Neuhaus drosch er den Ball mit schlechter Schusshaltung über den Kasten. Ab und an übertrieb es Herrmann bei seinen Solo-Versuchen, andererseits war sein Einsatzwille vorbildlich. Nach etwas mehr als einer Stunde signalisierte er, dass er ausgewechselt werden wollte. Geschwächt durch einen Infekt ging es nicht mehr, Johnson kam für ihn. Note 3,0.

Christoph Kramer: In den letzten drei Partien stand Kramer gerade mal zwei Minuten auf dem Platz, diesmal durfte er als Sechser wieder über die volle Distanz ran. Er war von Beginn an auf Betriebstemperatur, ging voran, feuerte an, gab Anweisungen und stachelte das Publikum an, als er einen Infight gewonnen hatte. Mit seiner Aggressivität sorgte er dafür, dass Kruse nur selten seine Kreise ziehen konnte. Sah Gelb für ein taktisches Foul an Rashica und hatte kurz vor der Pause etwas Glück, dass er nach einem Tritt auf den Fuß von Klaassen nicht die zweite Gelbe sah. Nach dem Wechsel musste er in dem einen oder anderen Zweikampf zurückziehen. Kramer spielte einen schlauen Chippass auf Herrmann und einen noch besseren auf Neuhaus. Am Ende war Kramer mit annäherend 13 Kilometern der laufstärkste Akteur auf dem Platz. Note 2,0.

Denis Zakaria: Als zweiter Sechser neben Kramer deutlich besser aufgehoben als sonst auf der Achterposition im 4-3-3. Bei abfallenden Bällen nutzte er seine Schnelligkeit mehrfach gut aus und kam einige Male mit raumgreifenden Schritten über die linke Seite. So bereitete er den Pfostenschuss von Herrmann klasse vor und auch vor dem Plea-Schlenzer nahm er den Ball zunächst gut an, zog direkt auf, überbrückte mehrere Meter und passte dann auf Plea. Nach einem Fehler von Herrmann eroberte er den Ball mit einer Grätsche zurück. Zakaria sah nach der Pause eine (dunkel-)gelbe Karte nach einem Foul an Osako und musste anschließend gehörig aufpassen. Unmittelbar vor dem Schlusspfiff geriet sein Pass auf Hazard zu ungenau - da wäre etwas drin gewesen. Note 2,5.

Thorgan Hazard: Nach seiner frühen Auswechslung in Düsseldorf aus disziplinarischen Gründen durfte er wieder von Beginn an mitwirken. Hazard nahm die Position links im Mittelfeld ein und musste, genau wie Herrmann auf der anderen Seite, die komplette Außenbahn abdecken. Das machte er mit großem läuferischen Aufwand und auch wenn er als linker Verteidiger in der Fünferkette positioniert war, zog er voll mit. Die Wege nach vorne waren allerdings weit - Hazard versuchte es mit einigen Antritten, bei denen er sich festlief und keine wirkliche Drohung ausstrahlte. Auch nach der Pause ließ er nicht nach, setzte Plea gut ein und schaltete schnell beim zu kurzen Rückpass von Sahin. Der Belgier hatte die meisten Ballaktionen aller Spieler und hätte in der Nachspielzeit fast den Siegtreffer markiert, doch Pavlenka hielt Hazards Schuss aufs kurze Eck mit einem Klasse-Reflex. Note 3,0.

Florian Neuhaus: Agierte quasi als Zehner in zentraler Rolle hinter den beiden Spitzen und fühlte sich in der Rolle des Freigeists sichtlich wohl. Er war an mehreren gefährlichen Situationen beteiligt und bereitete eine Herrmann-Chance in Bedrängnis mit einem sehenswerten Seitenwechsel vor. Bei seinem Abschluss im ersten Durchgang nach Zuspiel von Zakaria schoss er weit über den Kasten. Beim Treffer zum 1:0 lief Neuhaus zielstrebig aufs Tor zu und wäre fast noch weggerutscht, als er Pavlenka umkurvte. Mit etwas Glück und der Hand von Langkamp netzte er ein. Nach Kramers feinem Chippass hatte Neuhaus die erste Chance zum 2:0, als den Ball etwas mit dem Schienbeinschoner streifte. Die zweite Möglichkeit war eine 100%ige, als er nach Doppelpass mit Johnson unbedrängt drüber schoss - nicht zum ersten Mal in dieser Saison in vergleichbaren Situationen. Nach 84 Minuten räumte er das Feld für Stindl. Note 3,0.

Raffael: Startelfcomeback des Brasilianers als zweite Spitze. Raffael kam jedoch nie wirklich zur Entfaltung und gab keinen Torschuss ab. Auch seine Ecken brachten keine Gefahr. Er mühte sich und war auch an einigen Stafetten beteiligt. Doch wenn es in die gefährliche Zone ging, war der Ball meist weg und Raffael fehlte es sichtlich an Spritzigkeit und Selbstvertrauen, um sich zu behaupten. Er wirkte nicht fit und brach im zweiten Durchgang bei mehreren Konteransätzen mit Ball am Fuß ab, weil er sich den Antritt offensichtlich nicht zutraute. In der 78. Minute wurde er von Hofmann abgelöst. Note 4,5.

Alassane Plea: Als zentrale Spitze neben Raffael mit ein paar guten Verbindungsbällen auf Zakaria und einem Schlenzer wie in München, als er von hablinks nach innen zog und mit rechts aufs lange Eck zielte - diesmal flog der Ball knapp vorbei. Im Kopfballspiel ungefährlich, so dass man sich Flanken auch im veränderten System mit Plea vorne drin schenken kann. Direkt nach Wiederanpfiff missrieten ihm zwei Anspielversuche in guter Position, im weiteren Verlauf agierte er klarer und hatte eine gute Möglichkeit, als er den Ball knapp über den Winkel aufs Tornetz zirkelte. Note 4,0.

Fabian Johnson: Ersetzte den ›platten‹ Herrmann und übernahm dessen laufintensive Position auf der rechten Seite. Johnson hatte einige auffällige Szenen. So schaltete er bei einem Konter schnell um, bekam den Ball aber nicht zu Hazard. Beim anschließenden Versuch, den Ball per Links-Volley ins leere Tor zu bugsieren, scheiterte er. Johnson bediente Neuhaus mustergültig vor dessen größter Chance zur Entscheidung. Ohne Note.

Jonas Hofmann: Kam für Raffael und musste mit ansehen, wie unmittelbar darauf der Ausgleich fiel. Ein für Johnson gedachter Pass landete im Seitenaus und in einer Situation verlor er mit unangebrachter Lässigkeit den Ball gegen Eggestein. Ohne Note.

Lars Stindl: Wurde für die letzten sechs Minuten für Neuhaus eingewechselt. Der Kapitän legte sich mit gelbverwarnten Moisander an und die letzte Ecke in der Nachspielzeit drehte Stindl so, dass der Ball in der Luft die Torauslinie passierte. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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