Abschied nach fünf Jahren mit Misstönen

Virkus über Ginter: »Das macht man nicht«

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Misstöne zum Abschied von Matthias Ginter (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Hat Matthias Ginter unverhältnismäßig nachgekartet gegen seinen Noch-Arbeitgeber oder hat er einfach nur ein paar Dinge klargestellt? Für Sportdirektor Roland Virkus ist der Spieler mit seinen öffentlichen Aussagen zu weit gegangen.

Zu Beginn der Woche nutzte Matthias Ginter im Fan-Podcast ‘Mitgedacht’ die Gelegenheit, ein Resümee seiner fünf Jahre in Mönchengladbach zu ziehen. Dabei schilderte der Nationalspieler die Umstände, warum das letzte Jahr so ganz anders verlaufen ist, als er es sich gewünscht hätte. Im vorletzten Winter habe man ihn noch zum künftigen Kapitän und Gesicht der Borussia machen wollen, nach dem Abgang von Marco Rose herrschte dann Stillschweigen, ehe man ihm im Sommer ein Preisschild umhängte und einen Vereinswechsel nahelegte.

Ein Transfer kam nicht zustande - auch weil kein Klub wirklich bereit war, eine Ablöse von plus 20 Millionen für einen Spieler zu zahlen, der nur noch ein Jahr Vertrag hat. Ginter blieb in Gladbach, wo man ihn eigentlich nicht mehr haben bzw. viel lieber für viel frisches Geld abgeben wollte. »Da ist etwas kaputt gegangen«, sagte Ginter. Er gab zu, dass eine Vertragsverlängerung, die danach immer wieder öffentlich diskutiert wurde, für ihn alleine wegen der fehlenden Wertschätzung kein Thema mehr gewesen sei. Das Angebot, das Borussia ihm dann gemacht habe, bezeichnete er als Witz und ‘Alibi’. Ginter stellte aber auch klar, dass es nicht um den finanziellen Aspekt gegangen sei. Auch bei 8 Millionen Jahresgehalt hätte er nicht verlängert.

Auch im Winter wurde Borussia Ginter nicht los

Im Winter eskalierte das Ganze in einer Art Seifenoper, weil Ginter mit der Verkündung seines Abschieds für den Sommer vorpreschte und Borussia - damals in Person von Max Eberl - vergeblich versuchte, die Deutungshoheit zu wahren, indem man erklärte, Borussia habe das Angebot auf Vertragsverlängerung zurückgezogen. Auf den letzten Drücker wollte man Ginter in der Winterpause verkaufen - doch weder die Verpflichtung von Marvin Friedrich noch Ginters Versetzung auf die Bank gegen Leverkusen konnten das forcieren. Der 28-Jährige blieb auch in der Rückrunde in Gladbach und wechselt nun ablösefrei zum SC Freiburg.

Neben den Fakten war vor allem interessant, was Ginter nicht oder nur durch die Blume sagte. Er nahm Max Eberl zwar ausdrücklich von der menschlichen Seite her in Schutz, kritisierte ihn aber auch für sein Vorgehen. Dennoch sagte Ginter, dass er wohl kein Verkaufskandidat gewesen wäre, wenn es nach Eberl gegangen wäre. Und da Ginter auch erklärte, dass es ohne den vorzeitigen Abgang von Marco Rose anders gekommen wäre, bleibt nur noch Adi Hütter als treibende Kraft, Ginter loszuwerden.

Hütter als treibende Kraft?

Hier fischte allerdings auch Ginter ziemlich im Trüben. Dass Hütter aktiv darauf hingewirkt hat, Ginter gegen den Willen von Eberl abzugeben, erscheint auch nicht schlüssig. Doch da Borussia zwingend Transfereinnahmen generieren musste, wird Hütter natürlich ein Mitspracherecht bei der Entscheidung gehabt haben, auf wen man denn am ehesten verzichten könnte. Dass die Wahl auf Ginter gefallen ist, dürfte angesichts der Alternativen wie Thuram oder Zakaria nicht unwahrscheinlich sein. Für Hütter spricht zudem, dass er Ginter - bis auf die Episode im Winter und jetzt zum Schluss - stets als Stammspieler berücksichtigt hat.

Dass das Verhältnis zwischen Hütter und Ginter allenfalls als professionell unterkühlt bezeichnet werden kann, ließ Ginter ebenfalls durchklingen. Und wie es sich anhörte, ist das kein Einzelfall. Auch wenn Ginter wirklich konkrete Vorwürfe in Richtung Hütter gekonnt umschiffte, wurde doch sehr klar, dass es im Innenverhältnis zwischen Trainer und Mannschaft erheblich hapert. Zumindest ist Hütter weit davon entfernt, die Spieler für eine gemeinsame Idee zu begeistern und mitzunehmen. Und das Resultat konnte man Woche für Woche auf dem Platz sehen.

Ginter hat vor allem zwischen den Zeilen viel von dem bestätigt, was offensichtlich bei Borussia schiefläuft

Für Matthias Ginter ist das Kapitel Mönchengladbach abgehakt und er hat seine Sicht der Dinge dargelegt. Natürlich subjektiv und vielleicht auch hier und da mit einer kleinen Logiklücke, aber keinesfalls unverschämt oder despektierlich. Es waren interessante Aussagen, bei denen er vor allem zwischen den Zeilen viel von dem bestätigt hat, was offensichtlich bei Borussia schiefläuft.

Dass ein paar Kernaussagen bei den Verantwortlichen der Borussia nicht so gut angekommen sind, ist nicht verwunderlich. Adi Hütter wollte am Donnerstag bei der Pressekonferenz keine Stellung dazu nehmen. Roland Virkus, den Ginter als den einzigen Vereinsvertreter gelobt hatte, der im letzten halben Jahr mit ihm den Austausch gesucht hat, gab dem Nationalspieler deutliche Worte mit auf den Weg: »Ich habe gelernt im Leben, niemals schlecht über andere Menschen und niemals schlecht über den alten Arbeitgeber zu sprechen. Das macht man nicht. Und das habe ich Matze auch klar so gesagt.«

 


von Marc Basten

 

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