Wie eine umstrittene Idee zur Realität werden könnte

Europa Liga statt Super League?

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Die Idee der Super League hat weltweit für Empörung gesorgt. Dabei könnte eine Veränderung der europäischen Fußballwelt ein vielversprechendes Konzept für die Zukunft sein. Wenn die bisher aufgeworfenen Gedankenspiele rund um eine Super League auch über die Latte zielen mögen, so könnte vielleicht eine Europa Liga ins Tor treffen.

Dass der europäische Fußball im internationalen, sportlichen Wettbewerb um das runde Leder eine Sonderstellung einnimmt, lässt sich kaum bestreiten. Zwar ist der Fußball im Laufe seiner Geschichte internationaler geworden, Dreh- und Angelpunkt des Weltfußballs bleibt aber Europa. Die UEFA als Union der europäischen Fußballverbände zählt zu den bedeutendsten Global Playern rund um den Fußballplatz.

Im europäischen Fußball sind die Spitzenvereine zu Hause und die Turniere, die auf Europaniveau ausgetragen werden und die Transfers der europäischen Profivereine erregen das Interesse einer großen internationalen Fangemeinde. Auch in den Wettbüros liegt das Hauptaugenmerk auf den europäischen Vereinen und den Turnieren, die der Fußball in Europa zu bieten hat. Die besten Wettanbieter haben die großen Wettbewerbe wie die UEFA Champions League, die UEFA Europa League, die UEFA Nations League, die UEFA Europa Conference League, die Frauen Euro und die UEFA Women's Champions League im Portfolio.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Gedanke an eine Europa Liga naheliegend. Doch ist es möglich, das missglückte Gedankenkonstrukt einer Super League auch für Kritiker akzeptabel zu machen? Eine Veränderung der Fußballwelt wird kommen und der Weg in eine neue Form der Fußballliga scheint zumindest nicht gänzlich versperrt.

Gericht in Madrid stärkt neuer Idee den Rücken

Am 19. April 2021 waren zwölf europäische Spitzenvereine mit ihrer Idee für eine neue Zukunft im europäischen Fußball an die Öffentlichkeit getreten und hatten die Fußballwelt in Aufregung versetzt. Die Super League wurde als mögliches Konkurrenzprojekt zur UEFA Champions League vorgestellt und erntete dafür harte Kritik.

Als Folge zogen die sechs Vereine aus der englischen Premiere-League ihre Teilnahme an der Super League zurück. Mit Real Madrid, dem FC Barcelona und Juventus Turin gibt es aber immer noch einige Spitzenklubs, die daran festhalten. Die UEFA reagierte mit der Ankündigung schwerer Sanktionen und stellte in Aussicht, die beteiligten Klubs von Wettkämpfen auszuschließen.

Diese Ankündigung wurde aufgrund der weiterführenden Entwicklungen zwar wieder außer Kraft gesetzt, einem Gericht in Madrid reichte diese informelle Geste allerdings nicht aus. Der in Madrid tätige Richter Manuel Ruiz de Lara hatte bereits im April in einem Gerichtsurteil dem FIFA Weltverband und der UEFA sowie jeglichen ihnen angehörigen offiziellen Organisationen und Ligen untersagt, Sanktionen oder andere Maßnahmen gegen die zwölf Vereine einzuleiten, die sich für die Super League ausgesprochen hatten. Im Mai rief der zuständige Richter zusätzlich den Europäischen Gerichtshof (EuGH) an, um zu prüfen, ob bei der Organisation internationaler Wettkämpfe durch die FIFA und die UEFA eine unzulässige Monopolstellung vorliege.

Die UEFA hat die von ihr angekündigten Sanktionen bislang nur informell außer Kraft gesetzt. Im September erwirkte Richter Manuel Ruiz de Lara deshalb am Gericht in Madrid ein Ultimatum, das der UEFA eine offizielle Rücknahme ihrer Sanktionsandrohung auf ihrer Internetseite auferlegt.

Dieses Gerichtsurteil könnte sich als wichtiger Impuls auf dem Weg zu Veränderungen im internationalen Fußball erweisen und gleichzeitig der neuen Idee einer Europa Liga den Rücken stärken.

Auch neue Champions League umstritten

2024 wird die Champions League im neuen Gewand durchgeführt. Die Reform war an vielen Stellen nötig, wurde in den Augen zahlreicher Kritiker allerdings nicht zufriedenstellend umgesetzt.

Besonders umstritten ist die Verteilung der zusätzlichen vier Startplätze für die Champions-League. Statt der bisher 32 sollen in der Saison 2024/2025 36 Teams an den Start gehen. Einen der zusätzlichen Startplätze erhält der Drittplatzierten des Verbandes, der in der UEFA-5-Jahreswertung Platz fünf belegt. Unter den Klubs, die den Einzug in die Champions League über die nationale Qualifikation nicht geschafft haben, werden per Koeffizienten-Regel zwei weitere Startplätze vergeben. Voraussetzung für die Vergabe ist eine CL-Qualifikation in der nationalen Liga, eine Qualifikation für die Europa League oder für die neue Europa Conference League. Der fünfte Startplatz wird in der Play-Off-Runde der CL-Qualifikation ermittelt. Hier können künftig fünf statt vier Klubs die Qualifikation für die Teilnahme an der Champions League erhalten.

Die Teams werden in der Vorrunde nicht mehr in acht Gruppen verteilt antreten, sondern frei verteilt auf jeweils zehn unterschiedliche Gegner treffen. In fünf Heimspielen und fünf Auswärtsspielen können sich die besten acht Teams der Vorrunde direkt für das Achtelfinale qualifizieren. Die übrigen Teams ermitteln in einer weiteren Vorrunde die übrigen acht Teilnehmer des Achtelfinales.

Die Unzufriedenheit über die beschlossene Reform der Champions League gehörte sicher zu den Hauptmotivatoren für die neue Idee der Super League.

Es muss nicht die Super League sein: So könnte die Europa Liga funktionieren

Bereits in ihrer Geburtsstunde war die Super League harscher Kritik ausgesetzt. Dabei könnte eine abgewandelte Grundidee durchaus positive Impulse für die Zukunft des Fußballs setzen.

Einer der Hauptkritikpunkte war der elitäre Charakter, den die Super League zeigte. Wenn zwölf Spitzenklubs aus drei Ländern sich zu einer separaten Liga zusammenschließen, bringt dies der übrigen Fußballwelt ein Ungleichgewicht. So könnte die Bundesliga beispielsweise künftig ohne Rekordmeister Bayern München agieren müssen. Eine größere Teilhabe für weitere Klubs, möglicherweise auch die Aufspaltung in mehrere übergeordnete Ligen, könnte einen breiteren Konsens schaffen.

Auch wäre zu überlegen, ob ein neues Konzept den teilnehmenden Klubs freistellt, ob sie ihre nationale Liga verlassen, oder das Engagement in der Europa Liga zusätzlich wahrnehmen möchten. Mit einer klaren Kommunikation und gemeinschaftlichen Regeln könnte so eine größere Vielfalt entstehen.

Ebenfalls auf starken Widerstand stieß die Ankündigung der Gründerklubs, man habe für die Super League keine Auf- und Abstiegsmöglichkeiten vorgesehen. Damit widerspräche das Konzept aber der grundlegenden Natur des Fußballwettbewerbs. Sollten sich potenzielle Akteure auch hier gesprächsbereit zeigen, könnten überzeugende Argumente generiert werden.

Insgesamt braucht eine Europa Liga einen demokratischen und offenen Charakter, um langfristig als Reform des europäischen Fußballs Bestand haben zu können. An guten Ansätzen mangelt es nicht. Nun müssen alle Akteure gemeinsam weiterdenken und den Weg für den Fußball der Zukunft bereiten.

Frauen-Bundesliga möchte „den Stein ins Wasser werfen“

Einen wichtigen Impuls für die Entstehung einer Europa Liga könnte die Frauen-Bundesliga geben. Wie die Berliner Zeitung berichtet, hat der Fußballverband Rheinland (FVR) einen Antrag für den DFB-Bundestag am 11. März 2022 gestellt, nach dem die Frauen-Bundesliga eine Ausgliederung aus dem DFB in Aussicht stellt.

Der Antrag gehe zurück auf den Vorschlag einer Profiliga unter eigenem Dach, der der kommissarischen DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich seit wenigen Tagen vorliegt. Man wolle den Stein ins Wasser werfen, begründete DFB-Präsident Theo Zwanziger die Entscheidung, und damit der höchsten Frauenliga „eine Perspektive außerhalb eines großen Schatten werfenden Bereichs“ eröffnen.

 

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